Magdeburg l In Berlin gibt es Streit über Hitzefrei im öffentlichen Dienst. Die Bauverwaltung entlässt ihre Mitarbeiter um 14 Uhr in den Feierabend. In Sachsen-Anhalt ist das undenkbar. "Eine solche Regelung haben wir nicht, die müsste von der Landesregierung verordnet werden, denn wir haben ausschließlich mittelbare Landesbeamte und keine städtischen Beamten", sagt Magdeburgs Pressesprecher Michael Reif. Die Lösung an heißen Tagen: Gleitzeit. Die meisten Verwaltungen in Sachsen-Anhalt praktizieren diese Regelung. Auch Magdeburg. Die Mitarbeiter dürfen demnach bereits um 6 Uhr zur Arbeit erscheinen und können um 14.30 Uhr in den Feierabend gehen, sagt Michael Reif.

Auch im Landkreis Harz gibt es kein Hitzefrei. In der Kreisverwaltung in Halberstadt können die Mitarbeiter früher beginnen, sagt Sprecherin Ingelore Kamann. In Blankenburg ist der Arbeitszeitrahmen auf 6 bis 20 Uhr erweitert worden, berichtet Pressesprecher Bennet Dörge. Das Angebot kommt an: "13 Kolleginnen und Kollegen beginnen morgens etwas eher", sagt Dörge. Auch in Wernigerode starten die Mitarbeiter teilweise früher, um den heißen Stunden zu entgehen, berichtet Rathaus-Sprecherin Winnie Zagrodnik.

In der Verwaltung des Altmarkkreises gibt es keine verkürzten Arbeitszeiten. Sprecherin Birgit Eurich spricht ebenfalls von einer Gleitzeit-Regelung, mit der sich die Mitarbeiter in Salzwedel ihre Arbeitszeit einteilen können. "Verkürzte Arbeitszeiten oder Hitzefrei gibt es in der Stendaler Stadtverwaltung nicht", heißt es von Sprecher Philipp Krüger. Die identische Regelung bei der Kreisverwaltung: Die Kollegen können laut  Sprecher Edgar Kraul dieser Tage ihre Arbeitszeiten etwas flexibler gestalten. 

Überstunden abbummeln

Wenig verwunderlich: Auch in der Börde, etwa in Haldensleben, Wolmirstedt und Oschersleben, wird bei brütenden Temperaturen in Gleitzeit gearbeitet. Alexandra Adel, Hauptamtsleiterin aus Genthin (Jerichower Land), berichtet ebenfalls von Gleitzeit. In der Einheitsgemeinde Barby (Salzlandkreis) gilt: Wer früher kommt, kann eher gehen. Was laut Sprecher allerdings für einige Mitarbeiter, etwa bei Bürgersprechtagen, nicht gelte. "Da wird bis 18 Uhr gearbeitet, ob es stürmt, schneit oder die Sonne brennt", heißt es aus Barby.

Eine andere Methode, die Mitarbeiter zu entlasten, ist dieser Tage beliebt: Überstunden abbummeln. Oder etwas bürokratischer ausgedrückt: "Wir haben alle Bereiche angehalten, die Hitzeperiode, wo immer möglich, für den Abbau von Zeitguthaben zu nutzen", teilt Magdeburgs Pressesprecher Michael Reif mit. Wenn es der Dienstbetrieb hergibt, werde auch in Stendal abgebummelt, sagt Sprecher Philipp Krüger. Auch in Ilsenburg (Landkreis Harz) heißt es, wenn möglich: Weg mit den Überstunden.

Teilweise gibt es in Sachsen-Anhalt jedoch verkürzte Öffnungszeiten in den Ämtern. Beispiel Burg (Jerichower Land): Hier gelten aufgrund der Hitzewelle seit Dienstag verkürzte Öffnungszeiten in der Stadtverwaltung. Die Sprechzeiten enden hier dienstags und donnerstags bereits um 15 Uhr. Sonst ist immer bis 16 bzw. 17 Uhr geöffnet.

Wasser muss her

Dass bei Temperaturen weit über 30 Grad Celsius Flüssigkeitsaufnahme das A und O ist, ist überall angekommen. Etwa in Wernigerodes Stadtverwaltung. "In den vergangenen drei Wochen stellt uns der Arbeitgeber Wasser am Arbeitsplatz", sagt Sprecherin Winnie Zagrodnik. Ab und an muss auch mal eine besondere Motivationsspritze her: In der Gemeindeverwaltung von Huy (Landkreis Harz) gibt es kein Hitzefrei, aber ab und zu mal ein Eis für die Mitarbeiter. Auch in Möser (Jerichower Land) soll der Gemeinde-Chef seine Mitarbeiter mit einer Eis-Spende beglückt haben, heißt es aus der Verwaltung. Ein besonderer Service wird den Mitarbeitern im Klötzer Rathaus zuteil. In Vertretung von Bürgermeister Uwe Bartels teilt hier Kämmereiamtsleiterin Elke Oelze mit, es seien extra Ventilatoren angeschafft worden.

Und wie steht es in Sachsen-Anhalts Rathäusern um die Bekleidung? "Herren in sommerlich-leichter Kleidung (kurze Hose und Sandale) werden grundsätzlich nicht so gern gesehen, jedoch wird bei Temperaturen über 30 Grad eine Anzugserleichterung geduldet", heißt es von Stendals Stadtsprecher Philipp Krüger. In der Kreisverwaltung der Hansestadt gebe es keinen "vorgeschriebenen Dress-Code", sagt Sprecher Edgar Kraul. "Im Mittelpunkt steht das Wohlbefinden und die Gesundheit der Mitarbeiter. Wenn dazu das Tragen sommerlich-leichter Kleidung beiträgt, dann ist das auch zulässig." Sandalen und sommerliche 7/8-Hosen seien bei der aktuellen Wetterlage durchaus tolerierbar, so Kraul. Eine Einschränkung aber gibt es: "Schwimmshorts und Badelatschen gehören  nicht zur akzeptierten Dienst-Bekleidung." Im Klötzer Rathaus wird beim männlichen Geschlecht ein bedecktes Knie bevorzugt, sagt Elke Oelze.

In Berlin zogen nach massiver Kritik mehrere Senatsverwaltungen die Privilegien für ihre Mitarbeiter zurück. Nur Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) lässt ihre Mitarbeiter um 14 Uhr nach Hause gehen. Das gelte als voller Arbeitstag - mit vollen Bezügen. Der Potsdamer Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) übte Kritik. Der öffentliche Dienst dürfe keine solchen Privilegien schaffen. "Was wäre, wenn jeder aufhören würde zu arbeiten bei der Hitze?" In Sachsen-Anhalt scheint das in den Verwaltungen kein Thema zu sein.