Magdeburg l Bisher hatten es die Cyber-Ermittler in Sachsen-Anhalt nur mit Einzelfällen zu tun. „Doch die Zahlen dieser Masche explodieren“, sagt Andreas von Koß vom Landeskriminalamt (LKA). Allein in den ersten zwei Monaten dieses Jahres gab es schon 14 angezeigte Fälle. Im gesamten Vorjahr waren es nur sechs. Der Schaden geht in die Millionen. Bundesweit sind bei dieser Art Enkeltrick 2.0 sogar schon mehrere hundert Millionen Euro Schaden entstanden.

Im vergangenen Jahr hatten die Betrüger bei einem produzierenden Unternehmen im Norden des Landes 400 000 Euro erbeutet. Die Buchhalterin der Firmen erhielt eine dienstliche Mail, angeblich von ihrem Chef. Die Mailadresse war äußerst geschickt gefälscht und wich nur durch einen Punkt vom Original ab. Namen, Erreichbarkeiten und Ähnliches hatten die Ganoven zuvor auf dem Internetauftritt der Firma ausgekundschaftet und waren so sogar an die eingescannten Unterschriften der Geschäftsführer gelangt, die unter dem Grußwort standen. Der angebliche Chef verlangte von der Mitarbeiterin absolute Diskretion, es ging schließlich um „einen streng geheimen Unternehmenskauf“. Er habe deshalb allein sie dazu ausgewählt, sie dürfe niemanden kontaktieren.

Die Zahlung sollte an den Besitzer einer Beratungsfirma erfolgen. Dazu übersandte der angebliche Geschäftsführer dessen E-Mail-Adresse und eine „genehmigte“ Rechnung über 400 000 Euro. Um dem noch mehr Seriosität zu verleihen, waren in der Kopfzeile auch die Daten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ersichtlich. Bevor sie die Zahlung veranlasste, bat die Mitarbeiterin den vermeintlichen Geschäftsführer um die schriftliche Bestätigung eines weiteren Geschäftsführers des Unternehmens, weil dies intern so vorgesehen ist. Diese erhielt sie sofort – die E-Mail war aber auch gefälscht.

Bilder

Geld nach Hongkong weitergeleitet

„Weil sich die Firma tatsächlich in Tschechien engagiert, schöpfte die Angestellte keinen Verdacht“, so von Koß. Der Betrug flog auf, als sie die Bestätigung über den Zahlungseingang der 400 000 Euro auf ihr Dienst-Handy erhielt und sie diese so an den echten Chef weiterleitete. Dieser hatte natürlich keine Ahnung und schlug Alarm. Doch da war das Geld vom tschechischen Konto bereits nach Hongkong weitergeleitet worden.

Andreas von Koß mahnt: „Drücken Sie nicht auf den Button ,Antworten‘. Niemals!“ Besser die Mailadresse des Chefs per Hand eingeben.

Das LKA hat für Betroffene eine Hotline (03 91 2 50 22 44) eingerichtet.