Magdeburg (dpa) l Wer einem Verbrechen zu Opfer fällt, braucht oft seelischen Beistand, Beratung oder finanzielle Unterstützung. Dort setzt der Weiße Ring an - ist aber auch selbst auf das Engagement anderer angewiesen. Gut 17.300 Euro erhielt der Landesverband Sachsen-Anhalt im Jahr 2017 an Spenden, wie Sprecher Jörg Bethmann auf Anfrage sagte. Das sei ein Plus von etwa 10 Prozent im Vergleich zu 2016. Auch bei den Bußgeldzuweisungen konnte der Verband zulegen. Mehr als 26.000 Euro an Geldauflagen seien bereits gezahlt worden. Insgesamt erlegten die Gerichte 36.660 Euro auf, die an den Weißen Ring gehen. Ein Teil der Zahlungen stehe also noch aus, hieß es.

Auch dank der Spenden konnte der Verband im vorigen Jahr in 179 Fällen aktiv werden. Darunter waren 158 neue Fälle – etwa 30 weniger als noch 2016. Am häufigsten richteten sich die Hilfen an Opfer von häuslicher Gewalt, Stalking, Raub- oder Sexualdelikten und Einbrüchen, sagte der Sprecher.

Dass der Verband zuletzt etwas weniger Menschen unterstützte, kann nicht automatisch mit einem Rückgang der Opferzahlen erklärt werden. "Das ist für uns ein Zeichen, dass wir wieder auf die Vermittler zugehen müssen", sagte Bethmann. Regelmäßig sprechen die Mitarbeiter bei der Polizei vor und zeigen, welche Hilfe der Weiße Ring bieten kann. Dabei habe sich in den vergangenen Jahren viel getan. "Vor 20, 30 Jahren hat Opferschutz bei der Polizei noch eine recht untergeordnete Rolle gespielt", erklärte Bethmann. Heute hingegen müsse bei jeder Anzeige notiert werden, ob in diesem Fall Opferschutz notwendig sein könnte.

624 Mitglieder zählte der Landesverband 2017, knapp 100 Helfer engagierten sich ehrenamtlich. Auch diese Zahl war zuletzt leicht gesunken. Problematisch sei der Rückgang nicht. "Das sind übliche Schwankungen, zum Beispiel wenn jemand alters- oder krankheitsbedingt ausscheidet", sagte Bethmann. Dennoch würden an einigen Orten mehr Mitarbeiter gebraucht. Gerade in Regionen wie dem Burgenlandkreis, wo sich der Zuständigkeitsbereich der Außenbezirke auf ein großes Gebiet ausdehne, seien die langen Anfahrtwege der Freiwilligen durchaus ein Problem. Dort wolle sich der Verband zukünftig besser aufstellen und mehr Ehrenamtler gewinnen.

Der Weiße Ring ist bundesweit aktiv. Er wurde 1976 gegründet und unterstützt Menschen, die Opfer von Verbrechen geworden sind mit Beratung, persönlicher Betreuung und finanziellen Mitteln.