Magdeburg l Nur eine Viertelstunde soll es dauern, dann ist das Testergebnis da. Und das ohne Labor. Trotzdem aber mit „relativ verlässlichen Ergebnissen“, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn betont.

Der Schnelltest ist Teil der bundesweiten Teststrategie für die kommenden Monate. Ab Donnerstag sollte er den Ankündigungen nach in Pflegeheimen und Krankenhäusern zum Einsatz kommen. Doch in vielen Einrichtungen herrscht Ratlosigkeit.

Teilweise haben Heimleiter noch gar nicht mitbekommen, dass es Schnelltest geben soll. Einige kennen die Pläne zwar, wissen aber nicht, wie die Umsetzung aussehen soll. Aus der Landesgeschäftsstelle des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (Bpa) hieß es gestern mit Verweis auf den heutigen Tag: „Unseres Wissens nach werden die angekündigten Tests vorerst in keiner Pflegeeinrichtung in Sachsen-Anhalt zum Einsatz kommen“.

Begründet wird das vom Landesverband mit Unklarheiten zum Ablauf des Verfahrens auf Landesebene. Die Bereitstellung der Tests und die Durchführung müssten noch geregelt werden. Zudem verweist die Landesvoristzende Sabine Kösling darauf, dass die Organisation der neuen Tests „das bereits jetzt zeitlich strapazierte Personal zusätzlich fordern“ würden.

Vom Landesverband der Deutschen Alten- und Behindertenhilfe ist Ähnliches zu hören, es lägen noch keine Informationen zur Umsetzung der Testverordnung vor, betonte eine Sprecherin gestern.

Nach den Plänen des Bundesgesundheitsministers sollen Pflegeheime ein monatliches Testkontingent bekommen, abhängig von der Bewohnerzahl. Bis zu 50 Tests im Monat sollen pro Bewohner zur Verfügung stehen. Ein Heim mit 80 Bewohnern könnte so 4000 Tests monatlich erhalten, um Besucher, Personal oder Bewohner schnell und ohne Labor zu testen. Das Risiko, dass etwa ein Besucher das Virus in ein Altenheim einschleppt, könnte so gesenkt werden. In etwa die Hälfte aller Corona-Toten in Deutschland sollen laut einer Studie in Pflegeheimen gewohnt haben.

Klinikum Magdeburg hat Schnelltests bestellt

Konkretes zum Umsetzungsplan der neuen Teststrategie des Bundes kann auch das Landesgesundheitsministerium nicht mitteilen. Eine gesetzliche Grundlage läge erst zum Ende der Woche vor, dann werde die Testverordnung „an die regionalen Verhältnisse in Sachsen-Anhalt angepasst und umgesetzt“, hieß es gestern aus dem Ministerium. Erst dann könnten weitere Aussagen dazu getroffen werden.

Getestet wird in Pflegeheimen bisher mit PCR-Tests, denen Experten eine höhere Verlässlichkeit zuschreiben. Seit Mitte Juli lässt Sachsen-Anhalt auch stichprobenartig Menschen ohne Symptome testen – vor allem in Pflegeheimen und Kliniken. Bis Anfang Oktober wurden dabei 17 744 Tests registriert. 113 mal wurde das Virus nachgewiesen. Das ist eine Quote von 0,64 Prozent.

Auch Krankenhäuser sind zurückhaltend. Die Salus Altmark Holding, Betreibergesellschaft der Krankenhäuser in Salzwedel und Gardelegen, will vorerst abwarten und sich mit anderen Krankenhäusern austauschen. Das Klinikum Magdeburg hat Schnelltests bestellt. Zur Auswertung sei außerdem ein Analysegerät angeschafft worden. Wann die Tests ankommen sollen und wie viele es sind, blieb gestern unklar.

Vom Bundesgesundheitsministerium hieß es auf Nachfrage zum heutigen Starttermin noch am Dienstagabend etwas unscharf: „Ab Mitte Oktober“. Die Kosten der Schnelltestkontingente sollen durch den Gesundheitsfonds und von Pflegekassen übernommen werden. Außerdem sind Schulungen nötig. „Alle zurzeit auf dem Markt befindlichen Antigen-Schnelltests müssen von geschultem, medizinischem Personal durchgeführt werden“, teilt das Bundesministerium mit.

An der Entwicklung von Schnelltests arbeiten mehrere Unternehmen. Der Pharma-Konzern Roche bietet einen Antigen-Schnelltest an, der nach nur 15 Minuten ein Ergebnis liefern soll.

Mit der neuen Testverordnung will die Bundesregierung die Corona-Testungen künftig stärker auf Risikogruppen und das Gesundheitswesen konzentriert und weniger auf Reiserückkehrer.