Magdeburg l CDU, Linke und SPD haben im Jahr 2015 erneut viele Parteimitglieder verloren. Den größten Personalschwund musste die Linke hinnehmen, die Partei verlor rund 180 Mitglieder. Bei Christ- (rund 150) und Sozialdemokraten (130) waren es etwas weniger. Auch die nicht mehr im Landtag vertretene FDP hat im Vergleich zum Vorjahr 54 Mitglieder verloren. Nach der Wiedervereinigung haben die Liberalen den größten personellen Aderlass erlitten: Von mehr als 22 000 Mitgliedern ging es runter auf nur noch 1220 – ein Minus von sage und schreibe 94,5 Prozent.

Die Neueintritte wiegen Austritte und Todesfälle nicht auf. Die Parteien hoffen auf einen „Politisierungseffekt“ durch die Landtagswahl, um Menschen zum Beitritt zu bewegen. Die CDU probiert derzeit „Schnuppermitgliedschaften“ und Gastmitgliedschaften aus. Interessierte sollen die Möglichkeit haben, die Arbeit in der Partei kennenzulernen.

Gegenläufig ist der Trend bei den Grünen. Sie haben ihre Mitgliederzahl seit 1993 verdoppelt. Damals hatten rund 350 Sachsen-Anhalter ein grünes Parteibuch, heute sind es 738. Landeschefin Cornelia Lüddemann hofft, im Jahr der Landtagswahl weiter zu wachsen. „Wir tragen unsere Inhalte jetzt besonders nach außen, werden im Land verstärkt wahrgenommen“, sagt sie. Das Durchschnittsalter der Grünen liegt mit rund 46 Jahren deutlich niedriger als bei den anderen Parteien.

Die 2013 gegründete AfD hat in Sachsen-Anhalt inzwischen mehr als 300 Mitglieder. Laut Landeschef André Poggenburg sind 2015 etwa 50 Mitglieder ausgetreten. Die Partei hat im vergangenen Jahr einen Rechtsschwenk eingeleitet, sie setzt auf einen strikten Anti-Asyl-Kurs. Poggenburg betont: „Es gibt eine weit größere Zahl an Eintritten und sogar einzelne Wiedereintritte, sodass ein Zuwachs zu verzeichnen war.“ Weiterhin lägen derzeit etwa 50 Neuanträge vor.

Der Magdeburger Politologe Wolfgang Renzsch sieht den Mitgliederschwund in den größeren Parteien kritisch. Er sagt: „Die Parteien tun selber verdammt wenig, um neue Mitglieder zu gewinnen.“

Sie würden zwar für sich werben. „Aber das ist doch Reklame wie für Waschmittel, das ist nicht attraktiv“, sagt der Professor der Otto-von-Guericke-Universität. Es sei keinesfalls so, dass sich die Menschen nicht für Politik interessieren würden. „Aber mittlerweile haben sich die Parteien inhaltlich so stark angenähert, dass für viele Menschen kaum noch Unterschiede erkennbar sind.“ Das wirke sich negativ auf die Mitgliederentwicklung aus.

Eine Ursache für diese Entwicklung ist laut Renzsch, dass sich die Parteien sehr stark von Wahlterminen leiten lassen. „Wahlen werden in der Mitte gewonnen. Gerhard Schröder ist mit der SPD 1998 nach rechts gerückt, Merkel übernimmt viele sozialdemokratische Positionen. Damit gewinnt man Wahlen, aber keine Mitglieder“, sagt Renzsch. Mitglieder ziehe man durch eine stärkere Polarisierung an. „Diese Diskrepanz wird sich wahrscheinlich nicht so schnell auflösen.“