Magdeburg l Im Kastanienhaus in Güsen betrug die Preiserhöhung im Vorjahr 19 Prozent. Statt 910 Euro haben die Heimbewohner nunmehr 1120 Euro Eigenanteil zu zahlen. Beim Seniorenhaus „Willy Wegner“ in Zerbst fiel der Anstieg mit 24 Prozent sogar noch „saftiger“ aus: Mussten die Pflegebedürftigen 2017 noch 788 Euro selbst berappen, kletterte der Eigenanteil im Vorjahr auf 1036 Euro. Das Seniorenwohnstift Leopoldshall in Staßfurt lag mit einer Anhebung von 1395 Euro auf 1570 Euro genau im Trend: Denn in Sachsen-Anhalt haben sich die Zuzahlungen für einen Heimplatz nach Angaben der gesetzlichen Krankenkassen 2018 im Schnitt um 12 Prozent erhöht. Rund 30 000 Pflegebedürftige werden in einem Heim betreut.

Laut Barmer stieg der Eigenanteil ihrer Versicherten um „elf bis zwölf Prozent“. Die AOK beziffert die Preiserhöhung auf „rund 140 Euro“ im Schnitt. „Die Steigerungen sind auf das ganze Land verteilt, es gibt keine Konzentration auf einen bestimmten Ort“, erklärt AOK-Sprecherin Anna-Kristina Mahler auf die Frage nach den „Preistreibern“.

Volker Schmeichel, Sprecher der Landesvertretung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), sagt: „Die Teuerungsrate beträgt unseren Berechnungen zufolge 12,6 Prozent.“ Damit liege man etwas über den Schnitt der neuen Bundesländer von 11,5 Prozent. Gegenüber den alten Bundesländern (3,7 Prozent) und dem Bundesdurchschnitt (6,1 Prozent) haben die stationären Pflegeeinrichtungen in Sachsen-Anhalt auf den ersten Blick „deutlich draufgepackt“.

Dennoch gibt Schmeichel zu bedenken: „Anders als in anderen Bundesländern hatte der Großteil unserer Heime für 2017 keine Pflegesatzerhöhung beantragt, so dass die Anträge im Vorjahr geballt eingingen – teilweise mit einer Preiserhöhung um 30 Prozent.“ Trotz eines Eigenanteils von nunmehr 1218 Euro im Schnitt liege Sachsen-Anhalt im Vergleich aller Bundesländer immer noch im untersten Bereich. „Das ist die gute Nachricht für die hiesigen Pflegebedürftigen“, so der vdek-Sprecher, der auf Nordrhein-Westfalen verweist, dort betrage der Eigenanteil 2 252 Euro.

Bewohner zahlen Zeche für steigende Personalk

Die Barmer hat für einen internen Vergleich Heime in allen Landkreisen gegenübergestellt: „Im Ergebnis zeigt sich, dass die Eigenanteile 2018 zum Teil höher, in einigen wenigen Fällen aber auch geringer ausgefallen sind“, so Landesgeschäftsführer Axel Wiedemann. Die Kosten setzen sich aus dem einrichtungseinheitlichen Eigenanteil, Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten zusammen und seien individuell sehr unterschiedlich. Sie richten sich nach der Größe, der Struktur und der Ausrichtung der Einrichtung. Zudem spielen die personelle Ausstattung, die Tarifzugehörigkeit und Entwicklung sowie die Ausbildung von Altenpflegern in die Preisgestaltung hinein. Wiedemann: „Es wäre wünschenswert, wenn mit der Erhöhung der Eigenanteile auch eine erhöhte Qualität einhergehen würde. Dieser Einschätzung müssen sich die Heimbetreiber stellen.“

Ihre Preiserhöhungen begründen die Pflegeinrichtungen in der Regel mit den „gestiegenen Personalkosten“. Nach Angaben von Daniel Heyer, Landesbeauftragter des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, schlagen sie mit „rund 80 Prozent“ zu Buche. „Wir unterstützen die Forderungen des Bundesgesundheitsministers Spahn, die Bezahlung und Tarifbindung in der Pflege deutlich zu verbessern. Nur leider hat er versäumt zu sagen, wer die ganze Zeche bezahlen soll“, erklärt Heyer zur direkten Umlage der steigenden Personalkosten auf die Bewohner.

Eine Entlastung scheint nicht in Sicht. Im Gegenteil. Durch das Inkrafttreten des im November 2018 verabschiedeten Personalstärkungsgesetzes wird weiter an der Preisschraube gedreht. So haben nach Angaben der AOK bereits 212 Heime für 2019 Anträge auf Preiserhöhungen gestellt – die Verhandlungen mit den jeweiligen Kassen laufen derzeit.