Magdeburg l Als Bruno Boldin aus Haldensleben das Schreiben vom DRK Kreisverband Börde las, traute er seinen Augen nicht: Für die stationäre Pflege seiner Mutter im Altenheim Am Kamp sollen künftig 1800 Euro fällig werden. Fast 600 Euro mehr als bisher. Jeden Monat. Das wären gut 7000 Euro mehr im Jahr. So wie Bruno Boldin ging es Hunderten Familien im Land. 250 der 450 Heime im Land haben bei den Krankenkassen Verhandlungen angemeldet. Das bedeutet im Klartext: Sie wollen höhere Preise. Im Magdeburger Pflegeheim Lerchenwuhne etwa bekamen Angehörige eine heftige Erhöhung von gut 30 Prozent auf den Tisch.

Nun sind die Zahlen noch nicht in jedem Fall endgültig, da die Pflegedienstleister sich die Endsummen noch von den Krankenkassen genehmigen lassen müssen. DRK-Kreisverbandsgeschäftsführer Ralf Kürbis stellte für den Fall in Haldensleben in Aussicht, dass der Monatsbetrag gut 180 Euro niedriger ausfallen könnte. Es bliebe dennoch bei einem kräftigen Plus von 400 Euro.

Verursacht wird der Preishub vor allem durch steigende Personalausgaben. Pfleger wurden bislang meist schlecht bezahlt. „Vor allem in Sachsen-Anhalt hinken die Löhne weit hinter“, sagt Bernd Becker von der Gewerkschaft Verdi in Leipzig. „In vielen Heimen hatten selbst Fachkräfte weniger als 2000 Euro im Monat.“

Das machte sich in den Heimpreisen bemerkbar. In der Region Magdeburg bekam man bislang schon für etwa 1000 Euro einen Heimplatz. In Braunschweig sind zwischen 1200 und 1800 Euro fällig. In Köln 2000 bis 3000 Euro. Die Pflegeversicherung trägt nur einen Teil der Heimkosten. Der große Rest wird dann aus der Rente des Heimbewohners beglichen - doch bei den zu befürchtenden neuen Preisen müssen oft Angehörige noch Geld zuschießen. Wer das nicht kann, muss Geld bei Sachsen-Anhalts Sozialagentur beantragen.

Löhne für Pfleger steigen

Verdi und andere Gewerkschaften schlossen jetzt Haustarife mit ersten Anbietern ab. Dort werden nun Monatsgehälter von 2500 bis 3000 Euro gezahlt. Ziel ist es, künftig mal den Tarif des Öffentlichen Dienstes zu erreichen: Da stehen dann je nach Erfahrungsstufe auch 3500 Euro auf dem Gehaltszettel.

Doch: Wer soll das bezahlen? Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) fordert, die Pflegeversicherung von einer „Teilkasko zu einer Vollkasko“ auszuweiten. „Das gehört unbedingt in die Koalitionsverhandlung in Berlin.“

Eine Vollversicherung soll die Pflegekosten besser abdecken. Allerdings würden dann auch die Lohnnebenkosten steigen. Derzeit beträgt der Satz meist 2,6 Prozent vom Brutto - den sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen. Laut einem Verdi-Gutachen würde der Satz um knapp einen Prozentpunkt seigen.

Zum Kommentar von Jens Schmidt zu Pflegekosten geht es hier.