Magdeburg (rk) l Wer sich mit Christine Wolff über das Rudelsingen unterhält, kann sich der Faszination dieses Phänomens kaum entziehen. Es fällt schwer, zu Wort zu kommen, wenn die Wahl-Potsdamerin erst einmal angefangen hat, vom Rudelsingen zu erzählen. Ihre Begeisterung für das Gemeinschaftssingen hat schlichtweg immer noch einen Halbsatz mehr in petto. „Spaß, es geht einfach darum, zwanglos in der Gemeinschaft, seinen Spaß am Musizieren auszuleben“, sagt sie. Gefolgt von: „Jeder, wirklich jeder ist willkommen.“

Wolff weiß zu begeistern. Auch deshalb ist das nunmehr vierte Rudelsingen, das am Mittwochabend in der Grünen Zitadelle in Magdeburg stattfindet, bereits seit Wochen ausverkauft. 250 Menschen, Jung und Alt, kommen ab 19.30 Uhr wieder zusammen, um Lieder von ABBA, den Beatles, aber auch Adele und Tim Bendzko zu singen. Per Beamer werden die Texte an die Wand projeziert, Wolff, ihr Sohn Alexander Capistran und Pianist Martin Hunger begleiten den Massen-Chor mit Instrumenten.

Gründer und Erfinder des Rudelsingens ist David Rauterberg. 2011 organisierte er die erste Veranstaltung in Münster. Das Besondere: „Im Unterschied zu organisierten Chören gibt es keine Zwänge, keine festen Probezeiten. Wer singen will, der kommt einfach vorbei“, sagt Wolff. Ein Einzelner könne mit den Tönen auch mal daneben liegen, „aber in der Gemeinschaft klingt das dann auf einmal trotzdem noch toll“.

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Wolff, in der klassischen Musikszene eine gefragte Solistin, sang zehn Jahre lang den Part der Maria in „West Side Story“. Nachdem sie zum ersten Mal selber am Rudelsingen teilgenommen hatte, kontaktierte sie Rauterberg – wenig später entstand das Team Ost, bestehend aus ihr, Capistran und Hunger. Mittlerweile gibt es bundesweit elf Musiker-Teams, die in ihren jeweiligen Regionen das Rudelsingen organisieren. Wer dabei sein will, muss schnell sein. Oft sind die Tickets Wochen im Voraus vergriffen. „In Magdeburg läuft es sehr gut. Die meisten Teilnehmer kaufen nach dem Abend gleich Tickets für das nächste Mal.“

Zwar singe die Gruppe an einem Abend auch mal Songs von aktuell in den Charts vertretenen Musikern, „aber die Musik, die heutzutage produziert wird, ist teilweise so schwer in der Gemeinschaft zu singen, dass wir oft auf Klassiker zurückgreifen“. Zu den Events kommen noch immer deutlich mehr Frauen als Männer. „Die sind einfach freier, lockerer“, sagt Wolff. „Vielen Männern ist das noch immer unangenehm, dabei gibt es dafür keinen Grund.“