Politologe: Sachsen-Anhalt-Wahl ist für Linke Warnsignal

Von dpa
André Brodocz, Politikwissenschaftler, steht in seinem Büro in der Universität Erfurt.
André Brodocz, Politikwissenschaftler, steht in seinem Büro in der Universität Erfurt. Martin Schutt/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild

Magdeburg/Erfurt - Der Erfurter Politikwissenschaftler André Brodocz sieht das schlechte Abschneiden der Linken bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als ein Warnsignal für die Partei mit Blick auf die Bundestagswahl. „Es ist ein wahnsinnig schlechtes Ergebnis für die Linken, sie sind der große Wahlverlierer“, sagte Brodocz der Deutschen Presse-Agentur. Die Linke lebe vor allem vom Zuspruch aus den ostdeutschen Bundesländern. „Je mehr ihr dort die Stimmen wegfallen, desto schwieriger könnte ihr damit auch der Wiedereinzug in den Bundestag gelingen.“

Die Partei musste bei der Landtagswahl einen großen Stimmenverlust verbuchen. Es gebe Debatten innerhalb der Linken zur strategischen Ausrichtung, die ihr schadeten, sagte Brodocz. „In der Tat hat die Linke dieses Problem nicht wirklich gelöst und es scheint, dass sie dadurch nach und nach immer mehr Stimmen verliert.“

Die CDU von Ministerpräsident Reiner Haseloff ging bei der Wahl am Sonntag als klarer Sieger hervor. Für Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet bedeute dies laut Brodocz vor allem, dass ihm aus Sachsen-Anhalt kein Gegenwind entgegen wehe. „Er hat sicherlich als führende Gestalt der CDU seinen Anteil daran, dass es ein gutes Ergebnis ist“, sagte Brodocz. Zugleich wies er darauf hin, dass Laschet in einer ganz anderen Situation sein werde als Haseloff, wenn am 26. September ein neuer Bundestag gewählt wird. „Er wird einer von vielen Kandidaten sein, von denen keiner einen Amtsbonus hat.“ Es ergebe sich daher keine vergleichbare Situation im Bund.

Regierungschef Haseloff habe nun durch das Wahlergebnis mehrere Optionen, eine neue Regierung zu schmieden. „Vor dem Hintergrund wird es jetzt sicher eine Frage sein, inwiefern er die letzten Jahre als erfolgreiche Jahre verstanden hat“, sagte Brodocz. Es komme wohl auch darauf an, welche Vertrauensverhältnisse zwischen den einzelnen Akteuren bestehen.