Osterburg/Magdeburg (dpa) l Rund 140 Fahrgäste haben im ersten Jahr Sachsen-Anhalts ersten Bürgerbus genutzt. Der von Bürgern ehrenamtliche gelenkte Kleinbus ist seit Februar 2018 rund um Osterburg in der Altmark unterwegs. Im Zweiwochen-Rhythmus gibt es acht verschiede Touren in die umliegenden Dörfer. Während mache Routen gut angenommen werden und regelmäßig drei bis vier Mitfahrer in dem achtsitzigen Bus Platz nehmen, gab es auf einer Route noch gar keine Fahrgäste. Das berichtete Osterburgs Verwaltungsamtsleiterin Anke Müller: "Wir sind ordentlich gestartet, aber zufrieden sind wir noch nicht.

Der Bürgerbus soll den regulären Nahverkehr ergänzen und Ortsteile besser an die Kernstadt anbinden. Dazu gibt es deutlich mehr Haltestellen als im regulären Linienverkehr, die dichter beieinander liegen und vor allem älteren Menschen kurze Wege ermöglichen. Aufgrund des Konzepts dürfe man aber keine zu großen Fahrgastzahlen erwarten, sagte Wolfgang Ball von der Nahverkehrsgesellschaft Nasa, die das Angebot mitbetreut. "Wenn das so wäre, wäre ein Bürgerbus die falsche Lösung und man müsste dort eine reguläre Linie einrichten.

Neben den regulären Fahrten nach Fahrplan verleiht die Gemeinde Osterburg den Bus auch an Seniorengruppen und Vereine. Der Bus sei praktisch jedes Wochenende unterwegs, sagte Müller. "Das läuft super." Vier Seniorengruppen und 14 Vereine würden den Bus regelmäßig nutzen. "Das ist nicht nur ein Seniorenbus, er ist auch für unsere Kinder und Jugendlichen in den Vereinen da", sagte Müller.

Die Gemeinde will sich nun gemeinsam mit der Nasa genau anschauen, woran es bei einzelnen Touren hakt. Es sei möglich, Haltestellen zu verlegen oder Routen, die gar nicht angenommen werden, auch einzustellen, sagte Müller. Die Veränderungen sollen dann zum Fahrplanwechsel im August umgesetzt werden. Es werde aber auch einfach Geduld notwendig sein. Laut Nasa dauert es selbst im regulären Linienbetrieb mindestens drei Jahre, bis sich beurteilen lässt, ob sich ein neues Angebot etabliert hat oder nicht.

Auf drei Jahre ist auch das Bürgerbus-Projekt in Osterburg zunächst angelegt. Für das Pilotprojekt und einen zweiten Bürgerbus in Möser im Jerichower Land gab es Geld von der EU. Für die Anschaffung des Busses musste die Gemeinde nichts bezahlen. Laufende Kosten wie Sprit, Reinigung oder einen Reifenwechsel werden aber nicht übernommen, wie Müller berichtete. "Es ist für uns ein Zuschussgeschäft." Wie man das Angebot nach den drei Jahren weiterführen könne, hänge deshalb auch von künftigen Finanzierungsmöglichkeiten ab.

Ball zufolge überlegt das Land, wie sich interessierte Gemeinden künftig unterstützen lassen. Konkrete Pläne für eine Förderung gebe es bislang aber noch nicht. Die Idee des Bürgerbusses stammt aus Nordrhein-Westfalen. Dort rollen solche Kleinbusse seit mehr als 30 Jahren. Gute Erfahrungen gibt es aber auch im Nachbarland Sachsen, wo Bürgerbusse im Vogtland sowie in Nord- und Ostsachsen im Einsatz sind.