Magdeburg l Im Juli 2019 klicken an einem italienischen Flughafen die Handschellen. Der europäische Haftbefehl gegen den Magdeburger Torsten M., der bereits jahrelang in der Ukraine wohnt, ist wegen des Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrugs und gewerbsmäßiger Geldwäsche in sechs Fällen ausgestellt.

Am Dienstag hat dazu der Prozess am Magdeburger Landgericht begonnen. Insgesamt geht es um rund 600.000 Euro, die mit einem E-Mail-Trick von Firmen auf der ganzen Welt ergaunert wurden. 224.000 Euro konnten vor etwa fünf Jahren durch das schnelle Handeln der Banken sichergestellt und an die Gläubiger zurückgezahlt werden. 374.000 Euro blieben bis heute verschwunden.

Wie der E-Mail-Betrug funktionierte, offenbarte bereits im Februar 2016 ein Zivilverfahren gegen Torsten M. Damals ging es um die auf dem Magdeburger Konto eingefrorene Summe von 220.000 Dollar der Firma United Fisheries Ltd. in Christchurch in Neuseeland. Die Fischhandelsfirma war damals die zehntgrößte auf der Insel. Den Verkauf der Fische übernehmen Makler. Diese schicken der Firma dann Rechnungen per E-Mail. Darin sollen laut Vorwurf die Kontodaten manipuliert worden sein. Das Geld landete somit auf dem Magdeburger Geschäftskonto. Von dort leitete Torsten M. das Geld auf sein privates Konto weiter. Einen Teil habe er sich in bar auszahlen lassen. Erst als drei Tage nach der Überweisung sich der echte Fisch-Makler bei der Firma meldete, flog der Schwindel auf.

Geldtransfers

Die Geldtransfers räumt Torsten M. ein. Er habe einen großen Teil des Geldes an, wie er sagt, in Deutschland wohnende afrikanische Geschäftspartner in bar weitergegeben. Genaue Angaben kann er dazu aber nicht machen. Von den ausgezahlten Summen habe er vorher immer 35 Prozent behalten dürfen. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Dirk Sternberg, ob man bei solch hoher Marge nicht irgendwann stutzig wird, erklärt der Angeklagte: „Ich dachte schon daran, dass etwas nicht koscher ist. Aber ich dachte da eher an Steuerhinterziehung oder so etwas.“

Noch abenteuerlicher klingt sein Motiv: Er habe das Geld gebraucht, weil er in der Ukraine zwölf Jahre lang für ein Autobahnprojekt Investoren suchte, aber wohl nicht fand. „Das Geld, was ich da reingesteckt hatte, war weg. Ich wäre wirklich gut entlohnt worden, wenn es geklappt hätte.“ Weil seine Eltern ihn unterstützt hätten, wollte er nun das Geld zurückzahlen.

Bis zur Wende arbeitete Torsten M. bei einem großen Magdeburger Anlagenbauer in der Software-Entwicklung. Anfang der 1990er gründete er mit einem Russen eine Unternehmensberatung und ging zur Jahrtausendwende in die Ukraine, wo er nach eigenen Angaben seit knapp 20 Jahren wohnt. Sollten sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bestätigen, drohen ihm eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Mit einem Urteil wird im März gerechnet.