Magdeburg l Die 62-jährige Angelika H. will aussagen. Zum Prozessauftakt legt sie der Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Dirk Sternberg am Dienstag ein umfassendes Geständnis ab: Seit 1992 hilft sie ihrem ehemaligen Nachbarn in Rieder im Haushalt, kümmert sich um die Wäsche, fährt für ihn einkaufen. Er finanziert ihr dafür den Führerschein und verspricht ihr das Auto, einen Seat Marbella. Walter E. selbst darf nicht mehr fahren, weil er seinen Führerschein nach einem Unfall abgeben musste. An jenem Tag im September oder Oktober 1995 sucht sie zur Vormittagszeit Walter E. auf, um mit ihm wie vorher verabredet zum Einkaufen zu fahren. Beide sitzen auf der Couch der kleinen Wohnung und sie notiert auf einem Zettel, was zu holen ist. Er soll sie schon vorher einmal gefragt haben, ob sie ihn auch waschen würde. „Das wollte ich natürlich nicht“, sagt sie.

Walter E. wird nach ihrer Darstellung anzüglich, streichelt ihr über den Oberschenkel. Dann greift er härter zu. Sie springt auf, will sich wehren, doch er hält sie am Arm fest. Dann sieht sie, so schildert sie weiter, das Messer auf dem Tisch liegen. Es hat eine etwa 13 Zentimeter lange Klinge. Von hinten rammt sie ihm es unterhalb des Schulterblattes in den Rücken. Sie schildert weiter: „Ich bin um den Tisch herumgelaufen, doch er war schneller. Ich wollte nur raus. Dann lief ich zur Tür, doch da stand er.“

Mit Axt zugeschlagen

Sie sieht die Axt am Ofen stehen, nimmt sich diese und schlägt zweimal von hinten auf seinen Kopf ein. Das Blut strömt, erst dann bricht er zusammen. Die Angeklagte: „Ich habe mich dann zwei oder drei Stunden auf die Couch gesetzt und Zigaretten geraucht.“ Sie sucht sich danach im Schrank eine Jogginghose und zieht ihre blutigen Sachen aus. Als sie gehen will, bemerkt sie, dass die Leiche direkt vor der Tür liegt. Die 1,46 Meter große Frau zerrt den stämmigen Toten einen halben Meter von der Tür weg und geht nach Hause. Ihr Mann und ihr Sohn bekommen von alldem nichts mit.

Am Abend versorgt sie noch den Schäferhund von Walter E. Erst am nächsten Tag fasst sie den Entschluss, die Leiche im Keller des Hauses zu beseitigen. Sie legt eine Decke oder Sack unter den Toten, und schleppt ihn so mit einem Strick an den Beinen in den Keller. Stunden später beginnt sie mit der Spitzhacke die Pflastersteine zu beseitigen und ein Loch zu graben. Zwei bis drei Tage ist sie damit beschäftigt. Sie sagt: „Ich brauchte mehrere Tage für das Loch im Keller.“ Dann mischt sie Sand und Zement an und betoniert die Leiche, das Messer, den Strick und das Beil ein.

Im Ort erzählt sie später, dass Walter E. zu seiner Tochter nach Staßfurt gezogen sei. Sie hat Verfügungsgewalt über sein Konto und lässt im Namen der Kinder Geld und Post umleiten. Die Rente holt sie von März 2004 bis September 2016 regelmäßig von seinem Konto ab. Insgesamt 105 000 Euro. Mit dem Geld finanziert sie ihre Spielsucht. „Das war ein Fehler“, sagt sie.

Fehlende Arztbesuche fallen auf

Erst 2016 fällt der Mitarbeiterin einer Krankenkasse auf, dass Walter E. nie zum Arzt geht – ungewöhnlich für einen 96-Jährigen. Bis dahin bekommt niemand etwas vom Tod des Mannes mit. Nichtmal seine Kinder. Sie haben seit Jahren keinen Kontakt mehr mit ihm. Ein Sohn bezeichnet es im Prozess so: „Er lebte wie ein Tyrann.“ Außerdem habe er alle enterbt. Seine Tochter in Staßfurt soll er tatsächlich aufgesucht haben. Allerdings 2001 und nicht 1995. Das sagte deren Mann aus bevor er im März 2018 verstarb. Der Prozess wird am 20. August fortgesetzt.