Stendal l Eine 69 Jahre alte Angeklagte aus dem Jerichower Land wurde von der 1. Großen Strafkammer am Landgericht Stendal wegen „Tötung auf Verlangen“ zu einem Jahr Haft, zwei Jahre zur Bewährung ausgesetz, verurteilt.

Die ausgebildete Krankenschwester hatte zugegeben, am 7. August 2019 ihrem schwerkranken Ehemann auf dessen Wunsch mindesten zehn Morphintabletten, etwa 15 Beruhigungstabletten Diazepam und ein Glas mit 40 Milliliter des Beruhigungsmittels Prothazin in die Hand gegeben zu haben, Später habe sie ihm sechs Ampullen Insulin gespritzt.

Letzteres sei für die Verurteilung ausschlaggebend gewesen, so Kammervorsitzende Simone Henze-von Staden. Das klassifiziere die Tat als „aktive Tötungshandlung“. Der 72-Jährige habe selbst in seinen letzten Stunden noch selbstständig rauchen und essen können. Habe so auch die Möglichkeit gehabt, sich das Insulin selbst zu spritze und somit Selbstmord zu begehen. Das Insulin, so das rechtsmedizinische Gutachten, sei eindeutig die Todesursache gewesen.

Henze-von Staden listete in der Urteilsbegründung den langen Leidensweg von Roland S. auf, der im Alter von 15 Jahren mit einer Lendenwirbelverletzung begann. Diabetes Typ I, Arthrose und immer stärkere Schmerzen, die selbst mit Morhium nicht zu ertagen waren. Hinzu kam immer eingeschränktere Mobilität.

„Heim- oder Betreuumg hat er abgelehnt und auch gegen einen Krankenhausaufenthalt hat sich der Mann, der seit 2019 größtenteils bettlägerig war, gewehrt“, so die Richterin. Immer häufiger habe S. davon gesprochen „gehen“ zu wollen und wollte sich an einen Sterbehilfeverein wenden, sobald das in Deutschland möglich wäre. Als sich diese Hoffnung zerschlagen hatte, habe er am 7. August gesagt: „Heute machen wir es.“ Um seine Frau vor Konsequenzen zu schützen, schrieb er, dass er das so gewollt habe. Und dass kein Arzt geholt werden sollte.