Magdeburg l Der Prozess gegen die 41-jährige ehemalige Arztgattin Anja D. am Magdeburger Landgericht geht auf die Zielgerade. Vorsitzender Richter Dirk Sternberg kündigte für die nächste Sitzung am 24. Februar das mögliche Schließen der Beweisaufnahme an. In diesem Fall könnten bereits die Plädoyers gehört werden. Auch das von Staatsanwalt Arnold Murra. Er hat die Magdeburgerin wegen schweren Betrugs und Untreue angeklagt. Im Fall der Verurteilung drohen ihr bis zu zehn Jahre Haft.

Anja D. soll von den Konten ihres damaligen 62-jährigen Ehemannes und Allgemeinmediziners Hans D. knapp eine Million Euro abgeräumt und ohne sein Wissen auch teure Luxuswagen wie einen Maserati (rund 91.000 Euro) und einen Mercedes G-Klasse (rund 106.000 Euro) gekauft haben. Letzteren Wagen überschrieb sie auf den Magdeburger Gastronomen Olaf Bernhardt. Mit ihm war sie etwa eineinhalb Jahre liiert, während sich der damalige Ehemann Hans D. um die beiden gemeinsamen Kinder kümmerte.

Außerdem wird Anja D. vorgeworfen, 8800 Euro vom Konto der Mutter des Arztes mit ihr gemeinsam von der Bank abgeholt und ihr anschließend entrissen zu haben. Staatsanwalt Murra sieht dies als Nötigung an. Auch der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg gab den rechtlichen Hinweis, dass dieser Tatbestand infrage kommen könnte. Im Fall einer Verurteilung würden dafür, als Einzelstrafe betrachtet, bis zu drei Jahre Haft drohen.

Anja D. nahm zu den Zeugenaussagen von Olaf Bernhardt Stellung: „Für ihn mag es ja vielleicht eine Freundschaft mit Herzchen gewesen sein. Für mich war es aber mehr gewesen.“

Zu den eigentlichen Betrugsvorwürfen an Hans D. sagte sie, dass sie das Geld im Wesentlichen „für mit ihm gemeinsame Essen, Urlaube und andere Ausgaben der Familie“ verwendet habe. Gegen diese Version spricht allerdings die laut Gericht nicht nur „nachvollziehbare und in sich schlüssige Aussage“ des Arztes, sondern auch die Schilderungen aller anderen Zeugen. Außerdem konnte die Angeklagte für die kleinen Summen immer schnell Begründungen finden, während sie für größere Beträge keine oder nur offensichtlich vorgeschobene Gründe schilderte.

Sie gab in der Verhandlung auf Nachfrage das erste Mal zu, sich in der Öffentlichkeit als Anwältin ausgegeben zu haben: „Ja gut, ich habe mich mit fremden Federn geschmückt.“ Dann brach sie in Tränen aus und erzählte das erste Mal in dem Verfahren emotional bewegt von ihren Kindern: „Ich sitze seit 1. August in Untersuchungshaft und habe keine Informationen über sie.“ Sie ergänzt schluchzend: „Ich liebe meine Kinder.“

Richter Sternberg baute ihr eine Brücke: „Ein Geständnis kann immer positiv im Strafmaß berücksichtigt werden.“ Doch auch nach einem Gespräch mit ihrem Anwalt streitet sie die Vorwürfe weiter ab.