Magdeburg/Berlin l Annegret Kramp-Karrenbauer ist nach nur 14 Monaten im Amt über das Debakel um die Wahl eines Ministerpräsidenten in Thüringen gestürzt. „Die Trennung von Kanzleramt und Parteivorsitz, die offene Frage der Kanzlerkandidatur, schwächt die CDU“, sagte sie am Montag. Sie will nun die Auswahl des Kanzlerkandidaten organisieren und dem Kandidaten dann den Parteivorsitz antragen. Kramp-Karrenbauer bekräftigte die Abgrenzung der CDU zu AfD und Linkspartei. „Jede Annäherung an die AfD schwächt die CDU“, sagte sie. Bei der Linkspartei sei klar, dass deren „Geschichte und Programmatik“ mit den Grundsätzen der CDU „absolut unvereinbar“ sei.

Sachsen-Anhalts CDU-Landeschef Holger Stahlknecht erklärte, er nehme die Entscheidung Kramp-Karrenbauers „mit großem Respekt“ zur Kenntnis. Er sprach sich für ein geordnetes Verfahren aus, „bei dem alle weiteren Entscheidungen zur inhaltlichen Ausrichtung und zu Personalfragen in den Gremien der Partei erörtert werden“.

Für die SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Katja Pähle, offenbart der angekündigte Rückzug die „schwere innere Zerrissenheit der CDU“. Die Union brauche jetzt nicht nur eine neue Führung, sondern vor allem klare Richtungsentscheidungen. Für die SPD sei die Entwicklung in der CDU „kein Anlass für Häme, sondern für ernste Sorge um unsere Demokratie“, sagte sie.

Grünen-Landeschef Sebastian Striegel verkündete per Twitter: „Keine neue Person an der Spitze enthebt die CDU ihrer Verantwortung, den eigenen Kurs zu klären.“

Die Linke konstatiert bei der CDU „eklatante Führungsschwäche – sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene“. Diese lasse es zu, „dass sich die CDU mit der rechtsextremen AfD ins Bett zu legen droht“.

Wer wird Kanzlerkandidat?

Viel Sympathie im Osten genießt Friedrich Merz. Dieser hatte vergangene Woche neue Spekulationen um seine Ambitionen geschürt. Vor dem Hintergrund der Thüringen-Wirren hatte Merz angekündigt, seinen lukrativen Posten in der Wirtschaft abzugeben.

Im Gespräch sind zudem Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet, Gesundheitsminister Jens Spahn und der bayerische Regierungschef Markus Söder (CSU). Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte gestern, er halte Söder für einen geeigneten Kanzlerkandidaten.

Indes wird auch Sachsen-Anhalts CDU von Turbulenzen erschüttert. Grund: Der Landesvorständler und Landtags-Fraktionsvize Lars-Jörn Zimmer hatte in der Sendung „Berlin direkt“ eine CDU-Minderheitsregierung mit Hilfe der AfD nicht ausgeschlossen.

Die Linke reagierte prompt: „Die CDU Sachsen-Anhalt kriegt ihren AfD-Flügel, der den demokratischen Kurs der Partei schon seit langem hintertreibt, nicht in den Griff“, hieß es in einer Erklärung. Zimmers Äußerungen würden einmal mehr zeigen, „dass die Kenia-Koalition zur Kulisse wird, hinter der der rechte Flügel der CDU das Bündnis mit den Faschisten vorbereitet“.

CDU-Landeschef Holger Stahlknecht sprach Montag ein Machtwort. Er verwies auf die Beschlusslage in der Union, die ein Kooperationsverbot mit der AfD vorsieht. Sollte es Zimmer „aus innerer persönlicher Überzeugung“ nicht möglich sein, dass seine Äußerungen der Beschlusslage in Fraktion und Partei entsprechen, „sollte er für sich die personellen Konsequenzen ziehen“. Damit zielt Stahlknecht auf die Funktionen Zimmers im Landesvorstand und als stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion.