Merseburg (dpa) l Angehörige und Freunde des Merseburgers, der am 9. Oktober beim Terroranschlag in Halle erschossen wurde, haben Abschied von dem 20-Jährigen genommen. Rund 300 Menschen versammelten sich am Freitag in der Stadtkirche St. Maximi, darunter zahlreiche Fans des Drittliga-Fußballvereins Hallescher FC (HFC). An dem in eine rot-weiße HFC-Fahne gehüllten Sarg im Innern der Kirche legten die Trauernden Blumen und Kränze nieder.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff sagte in einer Ansprache, der 9. Oktober sei ein Tag der Scham und der Schande geworden. "Wir haben den rechtsextremen Terror zu lange unterschätzt, nicht nur in Sachsen-Anhalt." Der CDU-Politiker erinnerte an die Mordserie des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) und den Mord an dem CDU-Politiker Walter Lübcke. Zugleich beklagte Haseloff die zunehmende Verrohung der Sprache im politischen Diskurs, die inzwischen auch oft zu Gewalt führe.

Am 9. Oktober hatte der Deutsche Stephan B. schwer bewaffnet versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen. Als sein Plan misslang, erschoss er auf der Straße eine 40 Jahre alte Frau und kurz darauf den 20-Jährigen in einem Döner-Imbiss. B. sitzt in Untersuchungshaft. Er hat die Tat gestanden und dabei antisemitische und rechtsextreme Motive eingeräumt.

Dutzende Anhänger des Halleschen FC harrten am Freitag in Merseburg schon lange vor Beginn der Trauerfeier vor der Kirche aus. Für die Fans ergriff Heiko Portius auf der Veranstaltung das Wort. "Eine ganze Stadt, ein ganzer Verein und seine Unterstützer stehen still angesichts dieses Verbrechens." Portius schilderte den 20-Jährigen als glühenden Anhänger des HFC, der versuchte, bei allen Spielen seines Vereins dabei zu sein. Der junge Merseburger werde immer in der Mitte der Fanvereinigung sein: Das Motto der Fans – "Nur zusammen" – gelte nun mehr denn je.

Trauerrednerin Carmen Illichmann schilderte das Mordopfer als stets fröhlichen, hilfsbereiten und zuverlässigen jungen Menschen. "Die Spiele des HFC – das war sein Leben", unterstrich auch sie. Zugleich erinnerte sie daran, dass der 20-Jährige erst seinen siebten Arbeitstag bei einem neuen Arbeitgeber hatte, als er während der Mittagspause in einem Imbiss in Halle aus dem Leben gerissen worden sei.

Christiane Keller, Superintendentin im Kirchenkreis Merseburg, sagte in Richtung der Familie des Ermordeten: "Wir sind hier, um Ihnen den Rücken zu stärken in Ihrer Trauer, Fassungslosigkeit und vielleicht auch Wut." Die Familie habe einen Sohn, Enkel, Neffen und Onkel verloren. "Die Wunde von Halle klafft bis nach Merseburg."