Neo Rauch in Aschersleben

Drei auf einen Streich

Wenn heute die neue Jahresausstellung der Grafikstiftung Neo Rauch ihre Türen öffnet, treffen drei in Leipzig lebende und arbeitende Künstlergenerationen aufeinander: Hartwig Ebersbach, Stefan Guggisberg und Neo Rauch.

Von Grit Warnat
Neo Rauch sieht sich in der Grafikstiftung Neo Rauch ein Werk des Malers Stefan Guggisberg an.
Neo Rauch sieht sich in der Grafikstiftung Neo Rauch ein Werk des Malers Stefan Guggisberg an. Foto: dpa

Aschersleben - Alljährlich lädt Neo Rauch zur Ausstellung ins Bestehornhaus nach Aschersleben. Alljährlich präsentiert er in der dort angesiedelten Grafikstiftung die Eröffnung selbst, lädt – das hat schon Tradition – Kollegen, Freunde, Wegbegleiter ein, künstlerisch in den Dialog zu treten. Rauch, Ebersbach und Guggisberg waren gestern zur Medienpräsentation angereist. Heute öffnet die neue Schau und präsentiert drei Künstler mit sehr unterschiedlichen Handschriften.

20 Jahre sind sie jeweils auseinander. Hartwig Ebersbach, 1940 in Zwickau geboren, Rauch, der im vergangenen Jahr 60 wurde, und der im schweizerischen Thun 1980 geborene Stefan Guggisberg. Ebersbach gehörte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig zur Lehrergeneration Rauchs, mit dessen Vater hatte er in einer Klasse studiert.

Guggisberg wiederum war Schüler bei Rauch, schloss 2012 bei ihm sein Meisterstudium ab. Dass der jüngste im Bunde nicht bereits 2019 zur Ausstellung „Das Kollegium“ mit Werken geladen war, nennt Rauch eine „Unterlassungssünde“. Ebersbach, der geschätzte Kollege und Freund seit Jahrzehnten, gehörte damals bereits mit ins Boot.

Die Schau trägt den Titel „Vorder – Mittel – Hintergrund“. Man spiele mit der Staffelung des klassischen Bildraumes, sagt Rauch. Sein Name erscheint in der Auflistung zum Schluss. Rauch verweist auf die alphabetische Ordnung. Der als introvertiert geltende Künstler, der zu den einflussreichsten Malern seiner Generation gehört, will sich in Aschersleben gar nicht im Vordergrund sehen. Er legt Wert auf das Dreiergespann.

Drei Generationen undihre Handschriften

Man kennt sich. Kann man sich gegenseitig noch überraschen? „Uns verbindet die Neugier“, sagt Ebersbach und verweist auf die Leuchtfarben bei Rauch, die so frisch daherkämen. Bei Ebersbach aber, dem wichtigen Vertreter der gestisch-expressiven Malerei, sind die Farben viel praller. Im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen kann man noch bis 6. Juni diese Farbfülle sehen. In Aschersleben gibt es kein Öl. Für die Schau hat der gerade 81 gewordene das Aquarell wieder für sich entdeckt. Er erzählt über seine Rollbilder, auf denen die Sonne erst schwarz ist, dann aber die Helligkeit mit dem Sonnenaufgang wieder Einzug hält. Das Papier ist an die Wand gepinnt.

Wenn es um Guggisberg geht, fällt die Einordnung in ein Genre schwer. Er selbst spricht von Hybriden. Er hat erst Fotografie studiert, eine Leidenschaft, die in Vaters Fotolabor begann. Später kam die Malerei dazu, mit Licht hat er weiter experimentiert. Das Papier ist Bildträger, Strukturen werden durch das Wegnehmen von Farben deutlich. Guggisberg radiert weg.

Rauchs Arbeiten sind schnell erkennbar an der figurativen, surrealen Malersprache. Skizzen sing gehängt, er spricht von einem „ganzen Schwarm“. Sie umspielen seine typisch großen Arbeiten. Öl auf Papier ist zu sehen, es sind zwei Großformate, „Somon“ und „Frei“, extra für die Ausstellung entstanden.

Jedes Jahr schafft Rauch für die Grafikstiftung neue Werke. Aschersleben ist Rauchs Heimatstadt. Ihr hat er vor elf Jahren sein seit 1993 entstandenes grafisches Werk geschenkt. Es war sein großer Wunsch, seinen Namen mit seiner Heimatstadt zu verbinden. Er hatte die Idee für die dort angesiedelte Neo-Rauch-Stiftung. 2012 wurde sie gegründet.

Die sinkenden Inzidenzwerte der Corona-Pandemie machen eine Eröffnung der Ausstellung für das Publikum möglich. Heute und morgen geht das mit Anmeldung, Zeitfenstern und limitierter Besucherzahl. Anmeldungen sind per Mail über mail@grafikstiftungneorauch.de oder telefonisch unter 034739149344 möglich.