Star-Trompeter Till Brönner beim Festival im Kloster Jerichow

Drei Tage wird geswingt und gejazzt

Mitte August gibt es zum dritten Mal „Jazz im Kloster“ Jerichow. Auf der Bühne: Erneut das Festival-Zugpferd Till Brönner und Musiker, die erstmals auf der Kloster-Wiese spielen wie „The Swingin’ Hermlins“.

Till Brönner bei seinem Konzert im vergangenen Jahr.
Till Brönner bei seinem Konzert im vergangenen Jahr. Foto: Viktoria Kühne

Von Grit Warnat - Jerichow

Wenn man die Musik von The Swingin’ Hermlins hört, sollte man sich zeitlich erst einmal weit zurückversetzen. Die Berliner spielen Swing, jene Unterhaltungsmusik, die in den Zeiten der schweren Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren aufkam und von vielen Menschen gehört wurde. Hunderttausende hatten durch den Crash der New Yorker Börse 1929 Arbeit, Vermögen, den Glauben verloren. Armut und Not wuchsen in der Zeit der Großen Depression. Der Swing gab Hoffnung.

Andrej Hermlin, Gründer des Swing Dance Orchestra, und seine Musikerkollegen leben diese Hoffnung nach wie vor. Auch in Corona-Zeit haben sie nicht den Kopf in den Sand gesteckt und in der neu gegründeten Formation „The Swingin’ Hermlins“ Musik gemacht.

Formation mit Hoffnungsgruß

Im März 2020, als mit dem ersten Shutdown in Deutschland auf einmal alles stillstand, fanden sich Musiker zusammen und begannen über verschiedene soziale Medien mit einer abendlichen halbstündigen Sendung – und ihrem musikalischen Hoffnungsgruß „The Music Goes Round And Around“. „Wir haben damals gesagt, wir werden so lange spielen, bis diese Corona-Krise überwunden ist“, sagt Hermlin heute.

Also geht’s weiter auf Sendung. Auch aus Jerichow, wenn die Formation am Eröffnungstag (13. August) des dreitägigen Jazz-Festivals spielen wird, ist ein Stream fest eingeplant. Es wird dann wohl die über 500. Sendung sein, schätzt Hermlin. Erstmals wird der Pianist mit seiner Formation in Jerichow am Fuße der mächtigen Klosterkirchen-Türme spielen. Festivalorganisator Marco Reiß zeigt sich beglückt, dass es mit dem Debüt geklappt hat, schließlich ist der Terminkalender der Band im Juli und August bestens gefüllt.

Reiß hatte schon viel von den Musikern gehört, auch über ihre Agilität in Corona-Zeiten. Mehrere CDs haben sie produziert, eine Kulturzeitung herausgegeben, haben in Parks und auf Straßen gespielt. Reiß nennt ihre Musik authentisch, fröhlich, frisch, lebendig. „Sie sind ein wahrer Muntermacher und ein Hingucker.“ Garderobe, Frisuren, Mikrofone entsprechen historischen Vorbildern. Bis auf den Gesang wird unverstärkt gespielt, so wie damals üblich.

Musik auch im Innenhof und Kreuzgang

Mit „The Swingin’ Hermlins“ steht eine große Formation auf der Bühne. Auch Till Brönner wird für seinen Auftritt am 14. August mit Band anreisen. „Endlich“, freut sich Reiß. Er holt den Trompeter zum dritten Mal nach Jerichow. Zur Festivalpremiere war Brönner im Duo vertreten, im vergangenen Jahr im Trio. 2020 stand lange nicht fest, ob der Veranstalter – die Stiftung Kloster Jerichow – überhaupt am Festival festhält. Die Ungewissheit war groß. Für Brönner, so sagte er ins Publikum, sei es das erste Konzert nach dem März-Lockdown gewesen.

In diesem Jahr sieht die Situation entspannter aus. Die Inzidenzen sind ganz weit im Keller, es gibt viele Erleichterungen für Kunst und Kultur. Zudem bietet das Areal am Kloster beste Bedingungen für ein Festival. Abstände auf der großen Wiese, wo die Hauptbühne aufgebaut wird, sind überhaupt kein Problem.

Neu wird in diesem Jahr das Sonntagsprogramm. „Es ist ein Familientag“, sagt Reiß und nennt den Jazzgottesdienst in der im 12. Jahrhundert erbauten Stiftskirche, Astrid Lindgrens Klassiker „Pippi auf den sieben Meeren“ mit dem Potsdamer Theater Poetenpack und das Konzert des Jugendjazzorchesters Sachsen-Anhalt, das bereits in den beiden vergangenen Ausgaben aufspielte.

Dass durch die Corona-Lockerungen neben der Wiese auch wieder der Innenhof mit dem Kreuzgang bespielt werden kann, macht das Festival vollkommener. Im vergangenen Jahr war mit den Auflagen der monumentale Backsteinbau schöne, aber reine Kulisse.