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Ein Stich ins Herz - Kommentar zum "Polizeiruf 110" aus Halle

Was der Jubiläums-Polizeiruf am Sonntag bot, bediente alle Ost-Klischees und zog alle Schubladen heraus.

Von Bernd Kaufholz
Kommissar Henry Koitzsch (Peter Kurth) betrinkt sich nach Dienstschluss. 
Kommissar Henry Koitzsch (Peter Kurth) betrinkt sich nach Dienstschluss.  Foto: MDR/HA Kommunikation, MDR/filmpool fiction/Felix Abraham,

Der dritte Stich war tödlich, lässt das Drehbuch den Ermittler im „Polizeiruf 110“ sagen. „Er ging in die Lunge.“ Beim Anschauen der Krimi-Folge Sonntagabend war es aber gleich der erste Stich – er ging ins Herz. Es ist nicht das erste Mal, dass TV-Geschichten den Osten grau in schwarz malen.

Doch was der Jubiläums-Polizeiruf bot, bediente alle Ost-Klischees und zog alle Schubladen heraus. Da gab es das Säuferquartett, den ausländerfeindlichen Zeugen, den Puff, den besoffenen Kriminalisten, der sich mit 1,6 auf dem Kessel noch hinters Steuer setzt und vor dem die Schutzpolizisten trotzdem ehrfürchtig salutieren, den Vater, der so arm ist, dass er für seine Tochter kein Geburtstagsgeschenk kaufen kann, den Plattenbau-Horror zwischen einem Ehepaar, ein Kommissar, der mit einem Strafgefangenen im Knast gemütlich eine Flasche Schnaps tötet.

Da war letztlich die nette Episode des pensionierten DDR-Polizeiruf-Oberleutnants/Oberkommissars Thomas Grawe (Andreas Schmidt-Schaller) nur noch eine Randnotiz.