Digitale Angebote zum Museumstag am Sonntag

Nur wenige Museen in Sachsen-Anhalt sind offen

Am Sonntag ist Internationaler Museumstag. Dieses Jahr steht die vielfältige Museumslandschaft in Sachsen-Anhalt im Mittelpunkt. Doch die meisten Museen im Land sind immer noch geschlossen.

In Magdeburg können Museen wieder öffnen. Das Kunstmuseum im Kloster empfängt seit gestern wieder Besucher. Ansehen kann man sich zudem den Skulpturenpark rund ums Haus.
In Magdeburg können Museen wieder öffnen. Das Kunstmuseum im Kloster empfängt seit gestern wieder Besucher. Ansehen kann man sich zudem den Skulpturenpark rund ums Haus. Foto: Uli Lücke

Von Grit Warnat

Magdeburg/Halle Eigentlich wollte das Kunstmuseum Moritzburg in Halle längst Besucher empfangen. Doch Thomas Bauer-Friedrich, der Direktor des Hauses, kann nur auf die digitalen Angebote verweisen. Das Kunsthaus ist nach wie vor zu. „La Bohème. Henri de Toulouse-Lautrec und die Meister vom Montmartre“ und zwei weitere Sonderausstellungen, die seit einer Woche am Start sind, sind nur virtuell begehbar.

Für Bauer-Friedrich ist seit über einem Jahr nichts mehr wirklich planbar. Wie auf einem Verschiebebahnhof sei es, sagt er und erzählt von den vielen Terminänderungen, Verlängerungen, ewigen Umplanungen. Das war schon bei der ambitionierten Lagerfeld-Schau so, die allein in der schmalen Öffnungsphase im vergangenen Sommer 50?000 Besucher anzog. Auf, zu, verlängert, wieder zu. Eigentlich wollte der Museumschef die 100?000er Marke knacken.

Mit der Bohème-Schau geht die Ungewissheit weiter. Bis 8. August soll sie zu sehen sein, an eine Verlängerung wie bei Lagerfeld ist nicht zu denken. „Wenn wir sie jetzt nicht zeigen können, sind das absolut verlorene Wochen“, sagt Bauer-Friedrich. Zum Museumstag am Sonntag gibt es keine Chance auf Öffnung. Der Kunsthistoriker hofft nun auf Ende Mai. In Halle liegen die 7-Tage-Inzidenzen noch über der 100, die Bundes-Notbremse gilt nach wie vor. Wie vielerorts im Land – trotz allgemein sinkender Zahlen. Wie das Kunstmuseum Halle bleiben etliche museale Einrichtungen deshalb noch zu.

In Magdeburg sind Live-Besuche möglich

Als Museumsgänger hat man dieser Tage schon Schwierigkeiten, herauszufinden, wo denn nun was geöffnet ist. Vieles ändert sich so schnell, dass auch unter www.museumstag.de beim „Analogen“ nicht alles auf dem neuesten Stand ist. Für den Museumstag aber gibt es eine Übersicht über Öffnungen und virtuelle Besuche. Sicherheitshalber sollte man sich über die Inzidenz vor Ort erkundigen.

In Magdeburg jedenfalls sind Live-Besuche nach langem Darben wieder möglich. In der Landeshauptstadt gilt die Corona-Notbremse seit einigen Tagen nicht mehr. Gestern öffnete das Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen mit der sehenswerten „Ostdeutsche Landschaften“-Ausstellung von Sven Johne. Auch das Kulturhistorische Museum und das Naturkundemuseum laden wieder in ihre Räumlichkeiten. Am Himmelfahrtstag wird auch das Dommuseum Ottonianum aufmachen. Der Eintritt am Museumstag ist frei.

Den meisten Einrichtungen aber sind immer noch die Hände gebunden. Auch im Touristenkreis Harz. Das Schloss Wernigerode ist erst einmal bis Sonntag geschlossen. Im Gleimhaus Halberstadt bleiben die Türen dicht. Das Literaturmuseum, das schon lange im Netz Angebote unterbreitet, wird sich zum Museumstag mit zwei digitalen Beiträgen präsentieren.

Das Berend-Lehmann-Museum in Halberstadt hätte Besuchern gern nach den vielen Monaten des Umbaus seine neue Dauerausstellung über die Geschichte des Judentums in der Stadt und der Region präsentiert. Dort im Haus findet die bundesweite Auftaktveranstaltung statt – über einen digitalen Livestream. Beginn: 10.30 Uhr (https://www.youtube.com/channel/UCwQKqqIS8Hv_LhegUl2fOpw.). Live-Interviews und aufgezeichnete Beiträge seien geplant, teilt der Museumsverband Sachsen-Anhalt mit. Außerdem würden einige Museen mit kurzen Filmen auf sich aufmerksam machen, so das Schloss Köthen mit seinen drei Museen und das Erlebniszentrum Bergbau Röhrigschacht Wettelrode.

Laut Museumsverband haben die Häuser im Land etliche digitale Angebote vorbereitet: Das Technikmuseum in Magdeburg eine Video-Führung und ein Video-Gespräch mit Mitarbeitern, die Feininger-Galerie in Quedlinburg einen Online-Malkurs, die Franckeschen Stiftungen zu Halle eine interaktive Ausstellung zur Erdgeschichte.

Überhaupt ist das Digitale für die meisten Häuser nach wie vor die einzige Möglichkeit, Besucher zu erreichen. Die Museen der Kunststiftung Sachsen-Anhalt sind da schon seit Monaten gut aufgestellt. Auf virtuellen 360°-Rundgängen können Interessierte unter anderem das Kunstmuseum Moritzburg, die Quedlinburger Feininger-Galerie und den Domschatz Halberstadt erkunden. Auch Kloster Michaelstein mit seinem Klostergarten hat seit Januar seine digitalen Türen geöffnet.

Sammlungen in360-Grad-Rundgängen

Bundesweit laden am Sonntag hunderte Häuser zum Online-Entdecken ein mit Rundgängen, digitalen Live-Führungen, interaktiven Ausstellungen. Museumsmenschen aber hoffen innigst auf das Live-Erleben. „Wenn die Inzidenzzahlen es ermöglichen, wollen wir sofort wieder aufschließen“, sagt Olaf Ahrens. Das Wernigeröder Harzmuseum, das er leitet, wartet mit einer archäologischen Sonderausstellung auf.