Uraufführung am Theater Magdeburg

Sparwasser kommt auf die Bühne

Als Stadtschreiber von Magdeburg hat Schriftsteller Jörg Menke-Peitzmeyer im Spätsommer 2020 sein Theaterstück „Sparwasser“ vollendet. Jetzt wird es am Schauspielhaus uraufgeführt. Premiere ist am 22. April.

Von Grit Warnat 21.04.2022, 18:11
DDR-Stürmer Jürgen Sparwasser  jubelt am 22. Juni 1974 im Hamburger Volksparkstadion nach seinem Treffer zum 1:0 gegen die Bundesrepublik Deutschland. Am Boden der geschlagene westdeutsche Torhüter Sepp Maier (l.) und Verteidiger Berti Vogts.
DDR-Stürmer Jürgen Sparwasser jubelt am 22. Juni 1974 im Hamburger Volksparkstadion nach seinem Treffer zum 1:0 gegen die Bundesrepublik Deutschland. Am Boden der geschlagene westdeutsche Torhüter Sepp Maier (l.) und Verteidiger Berti Vogts. Foto: ANP/dpa

Magdeburg - Ohne die Fußball-Weltmeisterschaft von 1974 wäre Jörg Menke-Peitzmeyer wohl nie freischaffender Autor geworden. Er war acht gewesen, und als fußballbegeisterter Junge durfte er bei seinem Opa, der damals im Gegensatz zu den Eltern schon einen Farbfernseher besaß, die Spiele der westdeutschen Mannschaft schauen. Im Spiel DDR-BRD schoss Jürgen Sparwasser das Siegtor für die Mannschaft aus Ostdeutschland. Der Name ist beim Achtjährigen haften geblieben, wohl auch, weil sich der sozialdemokratische Opa freute und der Enkel diese Freude nicht verstand.

Das hatte Jörg Menke-Peitzmeyer im April 2020 in einem Interview mit der Volksstimme erzählt. Der Autor war damals erst seit März in der Stadt, als die Pandemie ganz Deutschland lahmlegte. Mehrmonatiger Komplett-Lockdown. Keine Lesungen, keine Schulbesuche, alles war dicht. Städtisches Leben konnte Menke-Peitzmeyer kaum erleben, auch nicht ein volles und lautstarkes Stadion des 1. FC Magdeburg, für den Sparwasser einst die Tore schoss und der eine Legende beim Club ist.

Der Westjunge will sein Idol im Osten besuchen

Aber mitten im Lockdown blieb Zeit zum Schreiben. Im September 2020 war das Stück fertig. Zur Abschlusslesung im Theater wurden damals Auszüge aus „Sparwasser“ gelesen. „Das Theater ist neugierig geworden“, sagt der 55-Jährige rückblickend. Am Haus steht in dieser Woche die Premiere bevor.

Es sei ein Familienstück, sagt Menke-Peitzmeyer, der bereits vor seinem Magdeburg-Stadtschreiber-Stipendiat mehrere Kinder- und Jugendbücher geschrieben hatte. Die Geschichte von „Sparwasser“ spielt im WM-Jahr 1974 in der westdeutschen Provinz.

Der zehnjährige Matse interessiert sich nicht für Gerd Müller, den „Bomber der Nation“, sondern er schwärmt für den ostdeutschen Torschützen. Der Junge setzt alles daran, sein Idol im Osten zu besuchen und macht sich auf den Weg in die DDR (aus der es die Menschen eher rauszog, wie auch Sparwasser, der in den Westen flüchtete). Die Ost-West-Geschichte reicht tiefer. Sie zeige die Absurdität des geteilten Deutschlands, auch jahrzehntelanges Desinteresse des Westens an der Lebensrealität im Osten, teilt das Theater mit.

Von Istanbul nach Magdeburg

Menke-Peitzmeyer, der den titelgebenden FCM-Kicker nie traf, beide sich beim Traditionstreffen der FCM-Urgesteine verpasst haben, hat eine große Affinität für alles ums runde Leder und schon mehrfach Fußballthemen literarisch verarbeitet. Sie seien ein Türöffner, sagt der Autor. Auch am Theater Magdeburg hofft man, Fußballbegeisterte wie Theaterfreunde gleichermaßen anzusprechen. Unterschiedliche Ebenen des Stückes sollen sowohl junge Menschen abholen als auch Generationen, die die deutsche Teilung und ihre Nachwirkungen bewusst miterlebt haben, sagt Sprecherin Kathrin Singer.

Auch Menke-Peitzmeyers aktuelle Arbeit, so erzählt er im Volksstimme-Gespräch, dreht sich erneut um Fußball – und Rassismus. Das neue Theaterstück handelt von Erwin Kostedde, Deutschlands ersten dunkelhäutigen Nationalspieler.

Jetzt aber freut sich der ehemalige Magdeburger Stadtschreiber auf „Sparwasser“ auf der Bühne. Er wisse nichts von den Umsetzungsideen. „Ich lasse mich völlig überraschen“, sagt der Autor. Regisseur Krzysztof Minkowski hat laut Theater das Stück mit vier Schauspielern inszeniert. Die Bühne soll an ein TV-Sportstudio erinnern.

Menke-Peitzmeyer, der in Berlin und Istanbul lebt, wird aus der türkischen Bosporus-Metropole zur Uraufführung nach Magdeburg anreisen. Ob Sparwasser eingeladen ist, war vom Theater nicht zu erfahren.

Trafen sich beim beim Traditionstreffen der Fußballer des 1. FC Magdeburg im Spätsommer 2020: Stadtschreiber Jörg Menke-Peitzmeyer (M.) im Gespräch mit den FCM-Urgesteinen Wolfgang „Paule“ Seguin und Ulrich Schulze.
Trafen sich beim beim Traditionstreffen der Fußballer des 1. FC Magdeburg im Spätsommer 2020: Stadtschreiber Jörg Menke-Peitzmeyer (M.) im Gespräch mit den FCM-Urgesteinen Wolfgang „Paule“ Seguin und Ulrich Schulze.
Foto: Stefan Harter
Probenfoto von „Sparwasser“ mit den Schauspielern Isabel Will, Frederik F. Günther und Philip Heimke (v. l.). Ausstatter Konrad Schaller gestaltete den Raum als Showbühne, die an die Fernseh-Sportstudios der 1970er Jahre erinnert.
Probenfoto von „Sparwasser“ mit den Schauspielern Isabel Will, Frederik F. Günther und Philip Heimke (v. l.). Ausstatter Konrad Schaller gestaltete den Raum als Showbühne, die an die Fernseh-Sportstudios der 1970er Jahre erinnert.
Foto: Andreas Lander