Fehlender Reisetourismus

Wenige Besucher in Museen

Vielen geöffneten musealen Einrichtungen in Sachsen-Anhalt fehlt der Reisetourismus. Oftmals bleiben Zeitfenster frei.

?Nächster Einlass 13 Uhr? steht auf einem Schild, das am Burgtor hängt. Die Burg Falkenstein im Südharz öffnete nach langer Pause aufgrund der Corona-Pandemie erstmals wieder für Besucher.

Grit Warnat Magdeburg

Auf der Homepage des Schlosses Wernigerode kann der Besucher einen Tag anklicken, den Beginn der Besuchszeit aussuchen und buchen. Die Reservierungsbestätigung kommt als E-Mail. Damit steht der Name beim Kartenkauf auf der Liste.

Ein Museumsbesuch dieser Tage ist nicht so kompliziert, wie man meinen könnte. Das Buchen von Zeitfenstern klappe gut, hört man von verschiedenen Einrichtungen. Man ist als Gast zwar zeitlich gebunden, aber immerhin ist ein Museumsbesuch nach langen Monaten der Schließungen wieder möglich.

Bloß: In den meisten Einrichtungen gibt es ausreichend Zeitfenster.

„Wir sind weit entfernt von einem eigentlich normalen Tag“, sagt Christian Juranek beim Blick auf die Oster-Zahlen. 450 Besucher hat der Geschäftsführer der Schloß Wernigerode GmbH auf der Liste. An allen Ostertagen. In Vor-Corona-Zeit strömten allein an einem Ostersonntag um die 1000 Menschen hoch aufs Schloss und durch die Räume. Am Dienstag ging die Zahl noch runter auf 80 zahlende Gäste. „Der Reisetourismus fehlt“, sagt Juranek.

Ähnliche Zahlen bei der Burg Falkenstein, die seit 3. April wieder geöffnet ist. 194 Gäste am Osterwochenende, wo eigentlich 2000 zum Falkenstein wandern würden. Die Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg hat mit einer großen Ausstellung zum 150. Geburtstag ihres Namensgebers geöffnet und Ostern 115 Gäste registriert.

Die Burg Falkenstein aus dem 12. Jahrhundert und die Galerie gehören zu Kulturstiftung Sachsen-Anhalt. Deren Generaldirektor Christian Philipsen nennt das Besucherinteresse „verhalten“ und „eher zurückhaltend“. An drei Tagen seien in fünf geöffnete Museen insgesamt 428 Gäste gekommen. 3000 Online-Tickets hätte die Stiftung verkaufen können.

Neun Museen gehören zur Kulturstiftung. Deren Wiedereröffnung war in zwei Teilen geplant. Während das Dommuseum in Magdeburg seit Mitte März wieder Besucher empfängt, rückte die Stiftung aufgrund hoher Inzidenzwerte von anderen geplanten Öffnungen wieder ab. So bleibt das Kunstmuseum Moritzburg in Halle, ein Besucherzugpferd, erst einmal geschlossen. Noch bevor die Stadt Halle in der vergangenen Woche wegen hoher Inzidenzzahlen verschärfte Regeln umsetzte, hatte sich die Kulturstiftung gegen die Museums-Öffnung entschieden. Auch die Schlösser Neuenburg und Goseck bleiben bis auf Weiteres zu. Philipsen spricht von Verantwortung für den Schutz der Besucher und Mitarbeiter.

Unterschiedlichste Inzidenzien und der Föderalismus machen es Museumsgängern im Moment alles andere als leicht, sich bei Öffnungen und erneuten Schließungen zurechtzufinden. Nicht nur im eigenen Bundesland, auch über die Landesgrenzen hinweg. Das Kunstmuseum in Wolfsburg musste wieder geschlossen werden, auch in Leipzig ist das Museum der bildenden Künste wieder dicht. Gerade erst ist die vielbeworbene Ausstellung des Fotokünstlers Andreas Gursky eröffnet worden. Ein Zeitfenster kann im Moment nicht gebucht werden.

In Magdeburg, mit aktueller Inzidenz unter 100, zeigen sich sowohl das Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen als auch das Kulturhistorische Museum nicht nur zufrieden, überhaupt geöffnet zu bleiben, man habe vor allem durchweg positive Resonanz, sagt Kunstmuseums-Mitarbeiterin Magdalena Burkhardt. Derzeit werde die zugelassene Personenanzahl pro Zeitfenster allerdings nicht ausgeschöpft, doch: „Insgesamt sind wir mit der Anzahl an Gästen zufrieden.“ Auch im Kulturhistorischen Museum zeigt man sich zuversichtlich. „In den ersten Tagen unserer Wiedereröffnung hatten wir überdurchschnittliche Besuchszahlen und waren sogar vollkommen ausgebucht“, heißt es aus dem Haus. Es hat seine Sonderausstellung „Magdeburger Gesichter des 19. Jahrhunderts“ bis 16. Mai verlängert.

Problematisch sind die Einbrüche bei den Gästezahlen vor allem für nicht kommunal getragene Häuser. Für Vereine und kleine Stiftungen, die auf die Eintrittsgelder angewiesen sind, rechnen sich Aufwand und Einnahmen nicht. Christian Juranek vom Schloss Wernigerode sagt deutlich: „Wenn die Gästezahlen auf diesem Niveau bleiben, werden wir nur noch an den Wochenenden öffnen können.“