Arbeitsagenturen rechnen in Sachsen-Anhalt mit anhaltend positiver Entwicklung

Arbeitslosigkeit geht auch dieses Jahr zurück

Von Torsten Scheer

Der Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt wird sich nach Einschätzung der Regionaldirektion für Arbeit in Halle auch in diesem Jahr positiv entwickeln. Daran würden selbst ungünstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen nicht viel ändern, machen neueste Studien deutlich.

Halle l Hatte der Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr eine durchweg positive Entwicklung genommen, so wird dies nach Ansicht der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen (Halle) in den kommenden Monaten kaum anders sein.

Zwar gebe es angesichts ausgelaufener, krisenlöcherstopfender Konjunkturprogramme und finanzpolitischer Instabilitäten im Euro-Raum konjunkturelle Risiken. "Aber obwohl wir sicherlich im Winter saisonbedingt noch mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit rechnen müssen, wird mir um den Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt nicht bange", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion, Kay Senius, der Volksstimme.

Die Unternehmen im Land hätten zum einen in der Vergangenheit bewiesen, dass sie sich mit ihren Belegschaften auf schwierige Situationen einzustellen vermögen. Andererseits sei die einheimische Wirtschaft im Hinblick auf ihre Absatzstruktur wesentlich unabhängiger vom Weltmarkt als Unternehmen in anderen Regionen Deutschlands. Dementsprechend geringer seien die Auswirkungen globaler Konjunkturschwankungen. Zudem spiele dem Arbeitsmarkt die demografische Entwicklung mit immer weniger Erwerbspersonen in die Hände.

"Ich gehe davon aus, dass die Arbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt in diesem Jahr auf im Jahresdurchschnitt rund 130000 Betroffene zurückgehen wird", sagte Senius. 2011 waren zwischen Altmark und Dübener Heide im Schnitt rund 139000 Frauen und Männer ohne Arbeit.

Nach einer aktuellen Untersuchung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird selbst bei einer abnehmenden Wirtschaftsleistung in Sachsen-Anhalt die Arbeitslosigkeit in diesem Jahr zurückgehen. Dazu hat die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit drei Szenarien durchgespielt.

Bei einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Sachsen-Anhalt von minus 0,2 Prozent würde die Arbeitslosenzahl auf 133900 sinken, bei einem Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent - diesen Wert sagt für 2012 in etwa die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) voraus - auf 130800 und bei einem Wachstum von 1,6 Prozent auf 129200. Eine ähnlich positive Rechnung hat das IAB für die Entwicklung der Erwerbstätigenzahlen aufgemacht (siehe Grafik). "Wir können mit einer gesicherten Souveränität in die Zukunft blicken", kommentierte Senius die Zahlen.

"Teils bedenkliche" Strukturveränderungen

Der insgesamt positive Grundtenor dürfe aber nicht den Blick auf "teils bedenkliche Strukturveränderungen" des Arbeitsmarktes verstellen, warnte der Agenturchef mit Hinweis auf befristete Beschäftigungsverhältnisse und Teilzeitangebote. So sei jede zweite Neueinstellung laut IAB zeitlich befristet. Der überwiegende Teil auf ein Jahr. Meist würden diese Stellen erst nach sechs bis zehn Monaten in "normale" Arbeitsverhältnisse überführt. "Faktisch handelt es sich hierbei um eine Verlängerung der Probezeit", sagte Senius.

Zwar sei der Trend bei befristeten Stellen nach den Krisenjahren wieder rückläufig. Allerdings liege ihr Anteil noch wesentlich höher als etwa im Jahr 2001. Damals waren 16,6 Prozent der bei den Arbeitsagenturen gemeldeten Stellen befristet.

Es müsse gelingen, das Ungleichgewicht aus dem Verhalten von Unternehmen, sich angesichts bestehender Unsicherheiten über die künftige Auslastung von Kapazitäten personell nicht langfristig zu binden und andere gesetzliche Beschäftigungsformen zu suchen, und dem auf der anderen Seite verständlichen Sicherheitsbedürfnis der Arbeitnehmer auszupendeln.

Eine der größten Herausforderungen für den Arbeitsmarkt liege darin, "ob es gelingt, die Wirtschaft mit einer ausreichenden Zahl qualifizierter Arbeitskräfte zu versorgen", sagte Senius. Dazu müsse jeder potenziell infrage kommender Arbeitnehmer angesprochen werden. Die Arbeitsagenturen selbst würden in diesem Jahr "noch einmal kräftig" in die Qualifizierung sowohl von Beschäftigten als auch von Arbeitslosen investieren. Die Problematik müsse zudem deutlicher in den Fokus der Marketingstrategie der Landesregierung rücken.

Bei der Suche nach Fachkräften auch jenseits der Landesgrenzen müsse man verstärkt unter anderem mit flexiblen Kinderbetreuungszeiten und speziellen Angeboten für junge berufstätige Mütter mit Kindern werben. Hier laufe Sachsen-Anhalt vielen westdeutschen Ländern den Rang ab.