Weltbauerntag

Besondere Liebe gilt dem Obst

André Stallbaum ist einer von 25000 Bauern Sachsen-Anhalts. Der Stendaler kam nach dem Studium 2014 in die elterliche GbR zurück und leitet seit 2015 gemeinsam mit Vater und Mutter den Landwirtschaftsbetrieb.

Von Bernd Kaufholz
Der Stendaler Landwirt André Stallbaum vor dem Hofladen des Familienbetriebes mit einer Kiste Äpfel aus eigener Ernte. Eine Lieblingssorte hat der 32-Jährige nicht: ?Wie beim Wein ist der Geschmack von Jahr zu Jahr unterschiedlich.?
Der Stendaler Landwirt André Stallbaum vor dem Hofladen des Familienbetriebes mit einer Kiste Äpfel aus eigener Ernte. Eine Lieblingssorte hat der 32-Jährige nicht: ?Wie beim Wein ist der Geschmack von Jahr zu Jahr unterschiedlich.? Foto: Bernd Kaufholz

Stendal - Wenn André Stallbaum von seinen Äpfeln, Birnen, Kirschen, vom Spargel und seit kurzem auch über Pflaumen und Aprikosen spricht, leuchten seine Augen. Dann ist er Obstbauer mit Herz und Seele.

Doch der Altmärker Familienbetrieb ist weitaus mehr, als eine Plantage. „Auf unseren 340 Hektar in Stendal und der Altmärker Wische wachsen auf 30 Hektar Sonderkulturen. Der Rest ist dem klassischen Anbau vorbehalten“, sagt er. Doch auch da ist die Palette bunt: „Raps, Weizen, Roggen, Gerste und Mais.“

Etwas ganz Besonderes sind die sogenannten Blühflächen. Der Juniorchef erklärt: „Wir werden 5000 Quadratmeter Blühfläche anlegen.“ Das ist das Ergebnis einer Aktion, bei der jeder mithelfen konnte, auf Flächen der GbR ein Reservoir für die verschiedensten Pflanzen, Kleintiere und Insekten zu schaffen.

„Genau 961,09 Euro kamen bei der Aktion ,Einen Euro für die Vielfalt’ zusammen. Wir haben auf 1000 Euro aufgerundet“, so der 32-Jährige. Fünf Quadratmeter Blühfläche pro gesammelten Euro war das Versprechen von Familie Stallbaum. Herausgekommen ist eine Fläche, etwas kleiner als ein Fußballfeld.

Nach sechs Jahren Studium in Kiel kam der Master der Agrarwissenschaft 2014 in den elterlichen Betrieb zurück und wurde neben Vater und Mutter Betriebsleiter. Er kümmert sich seitdem um Produktion und Zukunftsstrategien.

Dass er wie seine Eltern in die Landwirtschaft gegangen ist, habe er bis heute nicht bereut, sagt er. „Allerdings, wenn man in Dürrejahren wie 2018 und 2019 steckt, fragt man sich schon mal, ob es nicht etwas gibt, mit dem man sein Geld leichter verdienen kann.“

Bis zu 50 Prozent weniger Ertrag, weniger Einkommen bei weiterlaufenden Unkosten, das lasse sich auch durch das gute Jahr 2020 nicht aufholen. „Daran werden wir wohl noch eine ganze Weile zu knabbern haben“, sieht Stallbaum voraus. Die Zeichen stünden jetzt auf „Stabilisierung“.

Allerdings sagt er auch, dass die GbR auf Hilfen verzichtet habe. „Wir wollen nicht am Tropf des Staates hängen. Außerdem war uns der bürokratische Aufwand zu groß.“

Die Chance, dass es in diesem Jahr weiter nach vorn geht, stehen gut, zeigt er in die grauen Regenwolken, die sich über dem GbR-Hof mit dem Hofladen am Rande der Kirschenplantage gerade wieder zusammenziehen. „Na klar, das ist schon traurig, wenn man im eigentlich immer warmen und trockenen Mai Urlaub hat, aber wir Bauern freuen uns natürlich über jeden Regentropfen. Wenn jetzt noch die Sonne dazu kommt, wird es ein gutes Jahr.“

Die Geschichte des Stendaler Betriebes ist mindestens genau so bunt, wie das Anbau-Spektrum. „Von der LPG zu DDR-Zeiten zur GmbH, dann voll privatisiert und seit 1994 GbR“, zählt der Juniorchef auf. Erfahrungen in der Landwirtschaft habe seine Mutter mitgebracht. „Sie war Produktionsleiterin. Mein Vater hat damals in einer Autowerkstatt gearbeitet, dann anfangs in der Landwirtschaft mitgeholfen, später ist er dann voll eingestiegen.“ Er selbst habe „nie Druck vom Elternhaus bekommen, um in die Landwirtschaft zu gehen. Ich war von klein auf dem Hof, den Plantagen und bin Trecker gefahren“.

Allerdings habe er kurzzeitig mit der Idee Landschaftsarchitektur geliebäugelt. „Aber nachdem ich mich gründlicher mit diesem Beruf beschäftigt habe, hatte ich den Eindruck, dass die Chance, damit gutes Geld zu verdienen, recht gering ist.“

Vor dem Scheunenladen warten die Kunden. Stichwort: Selbstvermarktung – ein nicht zu verachtendes Standbein, wie der 32-Jährige sagt. „Die Marmeladen, die wir dort anbieten, kocht meine Mutter. Sie ist für die Veredlung unserer Früchte verantwortlich und für die Buchhaltung. Mein Vater ist fast den ganzen Tag über auf den klassischen Äckern unterwegs, um nach dem Rechten zu sehen.“

Innerhalb der Selbstvermarktung hat der Landwirtschaftsbetrieb bei der Vergabe der „Kulinarischen Sterne“ nach 2020 in diesem Jahr den zweiten Coup gelandet. Er wurde kürzlich für seinen Brotaufstrich „Schattenmorellen“ ausgezeichnet.