Bad Homburger Gesundheitskonzern ist in seiner Kauffreude kaum zu bremsen

Fresenius formt Giganten auf Klinikmarkt

Von Elke Pfeifer und Christiane Gläser

Fresenius hat nach den jüngsten Klinikübernahmen in Norddeutschland und Duisburg Appetit auf mehr. Für rund 3,1 Milliarden Euro wollen sich die Bad Homburger den Konkurrenten Rhön-Klinikum einverleiben. Doch es regt sich Widerstand.

Bad Homburg (dpa) l Fresenius-Chef Ulf Schneider ist immer für eine Überraschung gut. Um einen unangefochtenen Marktführer bei den privaten Krankenhäusern in Deutschland zu formen, will Fresenius für rund 3,1 Milliarden Euro den Rivalen Rhön-Klinikum kaufen. Zu Rhön gehören auch vier Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt (Burg, Zerbst, Vogelsang und Neindorf). "Der geplante Erwerb der Rhön-Klinikum AG ist ein bedeutender Schritt im weiteren Ausbau unseres Krankenhausgeschäfts", erklärte Schneider.

Die Bad Homburger sind kauffreudig wie kaum ein anderes großes deutsches Unternehmen. Alleine in der Krankenhaussparte Helios hat der Dax-Konzern schon zwei große Zukäufe getätigt: Im vergangenen Jahr hatte die Fresenius-Tochter nach einer längeren Flaute die Mehrheiten an der norddeutschen Damp-Gruppe und an dem Katholischen Klinikum Duisburg, einem 1000-Betten-Haus, übernommen.

Das neueste Objekt der Begierde, die Rhön-Klinikum AG, setzte sich jüngst im Wettbewerb gegen Helios um die Übernahme von 49 Prozent an den Wiesbadener Dr. Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) durch. Rhön ist in Wiesbaden nicht unbekannt: Der Konzern betreibt in der hessischen Landeshauptstadt neben der HSK auch noch die Deutsche Klinik für Diagnostik und die Aukamm Klinik.

Der Druck auf die Kommunen, defizitäre Krankenhäuser zu privatisieren, nimmt durch die Verschuldung der öffentlichen Haushalte zu. Bis zum Jahr 2020 werden - falls nicht gegengesteuert wird - einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) zufolge etwa zehn Prozent von derzeit rund 2000 deutschen Kliniken ihre Pforten schließen. Seit dem Jahr 1991 hat sich demnach in den Kliniken ein Investitionsstau von 14 Milliarden Euro angehäuft.

Besonders für kleine Häuser in kommunaler Trägerschaft werden laut Studie die nächsten Jahre hart. Bei dem Verkauf kommunaler Kliniken an private Klinikbetreiber schlagen immer wieder die Emotionen hohe Wellen. Die Gewerkschaft Verdi warnte nach der Offerte für Rhön mit Blick auf die geplante Fusion vor der damit entstehenden Marktmacht. Bundesvorstandsmitglied Ellen Paschke befürchtet Nachteile für die öffentlichen und kirchlichen Krankenhäuser, zum Beispiel bei Verhandlungen mit den Krankenkassen. Außerdem verschärfe sich die Abhängigkeit der Kommunen von den privaten Klinikbetreibern. Paschke fordert ein Ende der Privatisierungen und verlangt von den Ländern gleichzeitig eine ausreichende Finanzierung von Krankenhausinvestitionen: "Die öffentlichen und freigemeinnützigen Krankenhäuser stehen bei den Investitionen mit dem Rücken zur Wand."

Auch die kommunalen Krankenhäuser melden sich zu Wort: "Klar ist, dass so ein Konzern eine ganz andere Einkaufsmacht und Stellung gegenüber Patienten und Kostenträgern hat, als ein kleiner Anbieter", sagt der Verbandsvorsitzende Bernhard Ziegler. "Ich gehe davon aus, dass das Kartellamt der Übernahme nicht zustimmt."

Nach Einschätzung von Branchenexperten laufen derzeit zwischen acht und zwölf Gespräche mit Interessenten über Klinikverkäufe. "Beim Großteil der Objekte dürfte es sich allerdings um kleinere Häuser mit einer Bettenzahl von um die 200 handeln", schätzt der Experte. Größere Übernahmen fingen bei Krankenhäusern mit einer Bettenzahl von 1000 und mehr an. Ein nächster Kandidat könnte das Klinikum Offenbach sein. Am jüngsten Markterkundungsverfahren haben sich mehr als ein Dutzend Krankenhausträger beteiligt.