Corona

Jeder Zweite will zu Hause bleiben

Heute endet die Homeoffice-Pflicht. Viele Beschäftigte kehren in die Betriebe zurück. Die Wirtschaft begrüßt das, der DGB fordert klare Regeln. Unterdessen hat der heimische Arbeitsplatz laut einer Umfrage an Beliebtheit zugelegt.

Von Massimo Rogacki
Am 30. Juni endet die Pflicht für Unternehmen, ihren Mitarbeitern nach Möglichkeit Homeoffice zu ermöglichen. Die Hälfte der Beschäftigten möchte jedoch weiterhin von zuhause aus arbeiten.
Am 30. Juni endet die Pflicht für Unternehmen, ihren Mitarbeitern nach Möglichkeit Homeoffice zu ermöglichen. Die Hälfte der Beschäftigten möchte jedoch weiterhin von zuhause aus arbeiten. dpa

Magdeburg - Die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt begrüßt das Auslaufen der coronabedingten Homeoffice-Pflicht. „Unternehmen sollen und müssen selbst entscheiden können, wie sie ihre Arbeit organisieren, um die für ihre Bedürfnisse passende Balance zu finden,“ sagt Wolfgang März, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Magdeburg. Sachsen-Anhalts Arbeitgeberpräsident Marco Langhof spricht von einem „positiven Signal“. Eine Regelung sei „nicht erforderlich“, eine Pflicht sei Ausdruck von „Misstrauen gegenüber Unternehmern“.

„Mannschaft wieder an Bord“

Auch Sigrun Trognitz, Geschäftsführerin des Allgemeinen Arbeitgeberverbandes der Wirtschaft für Sachsen-Anhalt, sieht eine „gesetzliche Überregulierung“ kritisch. „Unternehmen können mit Beschäftigten individuell regeln, ob Homeoffice möglich ist.“ Die Firmen seien nun froh, die Mannschaft wieder vor Ort zu haben. Das erleichtere Abläufe, so Trognitz. Als „zusätzliche Belastung in ohnehin schwierigen Pandemie-Zeiten“ wertet Burghard Grupe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (Hwk) Magdeburg, die Regelung rückblickend. Wo es passt, begrüße man mobiles Arbeiten, die Pflicht führe mitunter zu einer „Zweiklassengesellschaft“ in der Belegschaft. „Büroarbeiten können zu Hause erledigt werden, Handwerker können die Heizung aber nicht im Homeoffice reparieren“ sagt Grupe.

Gewerkschaft setzt auf Mix

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Sachsen-Anhalt setzt für die Zukunft auf eine gute Mischung aus Präsenzarbeit und Homeoffice. Dabei müssten aber Regeln eingehalten werden „Es sollte eine Chance geben, an gewissen Tagen Heimarbeit zu praktizieren – etwa bei Beschäftigten mit langem Arbeitsweg oder jenen, die neben der Arbeit Menschen pflegen“, sagt DGB-Landesleiterin Susanne Wiedemeyer. Es müsse gesichert sein, dass Mehrarbeit vergütet wird. Wiedemeyer plädiert für entsprechende Regelungen von Unternehmen mit Betriebsräten sowie Arbeitnehmern.

Heimarbeit ist laut einer aktuellen DAK-Studie beliebt: 46 Prozent der Befragten möchten auch nach Corona mindestens die Hälfte ihrer Arbeitszeit im Homeoffice arbeiten. Und auch Unternehmen in Sachsen-Anhalt sind der Heimarbeit gegenüber aufgeschlossen. Aufgrund der positiven Erkenntnisse werde man weiter Homeoffice anbieten, heißt es von der Barmer. In der Verwaltung könne, wo möglich, auch künftig mobil gearbeitet werden, sagt ein Sprecher von Rotkäppchen-Mumm.

Bei der Commerzbank Magdeburg werden die Büros weiter maximal zur Hälfte besetzt sein, sagt eine Sprecherin. „Wir gehen davon aus, dass das Homeoffice-Angebot stärker genutzt wird als vor der Pandemie. Viele freuen sich aber auch, an den Arbeitsplatz zurückzukehren.“