Immobilienspezialisten aus Schönebeck, Magdeburg und Stendal berichten über ihr Geschäft nach der Flut

"Mancher wird sich schon die Frage stellen, ob er bleibt"

Von Torsten Scheer

Magdeburg/Stendal l Horst Borowski hat fünf Schadenfälle zu beklagen. Zwei Kauf- und drei Mietverträge hat der umtriebige Magdeburger Immobilienmakler in den vergangenen Tagen nicht unterschreiben können. Schuld ist die Flut. Das Elbe- und Grundwasser stand in der Bleckenburgstraße im Magdeburger Stadteil Buckau mehr als einen Meter hoch. Das wars.

"Die Leute schauen jetzt schon kritischer hin, wo sie hinziehen", sagte Borowski. "Allerdings ist es nicht so, dass alle fluchtartig elbnahe Wohngebiete verlassen oder meiden." So bleibt eine der beliebtesten Wohngegenden in der Landeshauptstadt, das zwischen Elbe und Umflutgebiet liegende östliche Stadtgebiet, trotz der in den vergangenen Wochen auch dort brisanten Hochwasserlage eine erste Adresse. Hinter den Deichen bringt Borowski gerade ein Reihenhausprojekt unter Dach und Fach. "Kein einziger Käufer ist abgesprungen."

"Die Nachfrage vor allem nach hochwertigem Wohnraum auch in Elbnähe ist ungebrochen", bestätigt der Magdeburger Immobilienentwickler Rolf Onnen. Jüngst seien drei Anfragen für Objekte im sogenannten Elbebahnhof eingegangen. Das gehobene Wohngebiet im Magdeburger Stadtzentrum grenzt genau an den Fluss. Onnen glaubt, dass die Nachfrage nach solchen Wohnlagen noch zunehmen wird. "Viele junge und gut ausgebildete Akademiker wollen an hochwertigen Standorten bauen."

In und um Schönebeck ist Werner Thiemann einer der größten Immobilienmakler und Hausverwalter. Die Hochwasserkatastrophe hat ihn einen Hauskäufer in Barby gekostet. "Da waren wohl die Bilder von der Flut zu stark. Dass aber nun Mieter oder Vermieter vor Elbe und Saale fliehen, ist nicht der Fall", sagt Thiemann. Wer etwa in der Gegend seine familiären Wurzeln habe, "den wirft ein Hochwasser nicht aus der Bahn".

Anders könnte sich seiner Einschätzung nach die Lage in von der Flut stark betroffenen Orten wie Groß Rosenburg oder Breitenhagen entwickeln. "Wenn die Häuser trocken sind und man wieder in Ruhe nachdenken kann, wird sich mancher schon die Frage stellen, ob er bleibt."

Der Stendaler Immobilienmakler Jürgen Lodders kommt weit herum. Der passionierte Pilot sitzt selbst am Steuer kleiner Motorflugzeuge und sucht für potenzielle Kunden interessante Objekte auch aus der Luft. Lodders wirbt neuerdings für bestimmte Immobilien mit dem Etikett "hochwassersicher".

Nach dem Deichbruch bei Fischbeck waren gen Osten weite Teile des Elbe-Havel-Winkels überflutet worden. "Natürlich lässt sich dort, wo das Wasser stand, eine Immobilie schlechter verkaufen", sagt er. Vermehrt würden derzeit Wohnungen auf der Westseite der Elbe, beispielsweise in Tangermünde, nachgefragt, etwa von älteren Menschen aus Fischbeck oder Schönhausen. "Das ist aber keine Massenerscheinung, die Auswirkungen auf die Mietpreise haben könnte", sagt Lodders.