Land unterstützt Bildung eines Clusters der Ernährungsbranche

Netzwerk forciert Technologietransfer

Von Bettina Koch

Seit drei Jahren unterstützt das Land Sachsen-Anhalt die Bildung eines leistungsfähigen Clusters in der heimischen Ernährungsbranche. Im Netzwerk Ernährungswirtschaft wurden gemeinsame Forschungsprojekte von Unternehmen und Hochschulen, der Azubi-Austausch, Projekte zur Berufsorientierung oder das Neuheitenregal zur Förderung von Produktinnovationen angeschoben. Nun gibt es Fördergeld für die nächsten drei Jahre.

Magdeburg. Bis 2013 soll vor allem der Technologietransfer stärker gefördert werden, kündigte Netzwerkmanager Marcus Wild an. Die Zusammenarbeit zwischen Nahrungsmittel- herstellern und Sonder- maschinen- und Anlagen- bauern forciert werden, das sei wichtig, um Innovationen umzusetzen. Bei der Verpackung von Lebensmitteln sieht Wild die Notwendigkeit, Trends frühzeitig aufzugreifen und sich zum Beispiel der Verbraucherzielgruppe 50plus intensiver zu widmen. Auf jeden Fall soll es einmal im Jahr den Trendtag Ernährungswirtschaft geben. "Die Premiere 2010 in Halle war eine super Sache", so Wild.

Auch Workshops und Innovationsforen stehen wieder auf dem Plan. Ein An-Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg soll darüber hinaus untersuchen, wie Unternehmen soziale Netzwerke als Kommunikationsmittel besser nutzen können.

In der ersten Förderperiode standen 314 000 Euro aus der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW) zur Verfügung. Zur Fortsetzung haben Bund und Land nun für die nächsten drei Jahre weitere 500 000 Euro lockergemacht. Gleichzeitig wird die Beteiligung der Wirtschaft schrittweise erhöht. Lagen die Anteilsverhältnisse von Mitteln aus öffentlicher Hand und Wirtschaft anfangs bei 70 zu 30 Prozent, soll die Förderquote in drei Jahren auf 62,5 Prozent abgeschmolzen sein.

Im Netzwerk Ernährungswirtschaft haben sich 29 Unternehmen zusammengeschlossen, mit Agrarmarketinggesellschaft, Hochschulen, Universitäten und Einrichtungen sind es 35 Partner. "Die Ernährungswirtschaft ist die umsatzstärkste und beschäftigungsintensivste Industriebranche des Landes", sagte Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU). Aufgrund der mittelständischen Struktur sei die Innovationsfähigkeit aber noch zu gering. Hier setze das Netzwerk an, indem es Unternehmensallianzen schmiedet und die Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft forciert.

Auch Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens (CDU) preist die Förderung als sinnvolle Hilfe an: "Mit Aktionen wie dem Neuheitenregal, das vom Netzwerk Ernährungswirtschaft zusammen mit der Wissenschaft initiiert wurde, findet ein erheblicher zusätzlicher Innovationsschub für die Branche statt."

Für Netzwerk-Geschäftsführer Thomas Lange sind die Berufsorientierung sowie Aus- und Weiterbildung in der Branche eine wichtige Herausforderung, der sich das Netzwerk stellt. Im "Grünen Labor" in Gatersleben gibt es jeweils im November die Schulaktionswoche, an der sich Unternehmen der Land- und Ernährungswirtschaft beteiligen. 40 bis 60 Jugendliche pro Tag schnuppern dann in verschiedene Berufe hinein.

Im Oktober hat es den zweiten Azubi-Austausch gegeben. Daran hatten sich sechs Unternehmen beteiligt, darunter das frischli Milchwerk in Weißenfels und die Milchwerke Mittelelbe Stendal, von denen ausgewählte Lehrlinge erleben konnten, wie unterschiedlich Verfahren zur Milchverarbeitung sein können. Des Weiteren wurde eine Internet-Lehrstellenbörse etabliert.

Bis 2012 wollen die Ernährungsnetzwerker dann auch mit der Hochschule Anhalt einen dualen Bachelor-Studiengang für die Branche auf den Weg gebracht haben. Von der Wirtschaft sei eine Mischung aus Lebensmitteltechnologie und Ökotrophologie bei der Ausbildung gewünscht, sagte Marcus Wild.