Öffentlicher Versicherer zieht Geschäftsbilanz für das Jahr 2010

ÖSA-Versicherungen legen über Marktdurchschnitt zu

Von Torsten Scheer

Die Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt (ÖSA) sind im vergangenen Jahr "erneut deutlich über dem Marktdurchschnitt" gewachsen und haben "in nahezu allen Sparten" weitere Marktanteile gewinnen können. Das Unternehmen legte gestern in Magdeburg die aktuellen Geschäftszahlen für 2010 vor.

Magdeburg. Zufriedene Gesichter in der Vorstandsetage der Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt (ÖSA). Das zur Sparkassen-Finanzgruppe gehörende Unternehmen habe im vergangenen Jahr mit den beiden Sparten ÖSA Feuer (Schaden- und Unfallversicherung) und ÖSA Leben (Lebens- und Rentenversicherungen) "wieder ein sehr gutes Jahresergebnis erreicht und ist erneut deutlich über dem Branchendurchschnitt gewachsen", sagte gestern ÖSA-Vorstandsvorsitzender Peter Ahlgrimm bei der Vorstellung der Geschäftszahlen in Magdeburg.

Der Bilanz zufolge stiegen die Beitragseinnahmen insgesamt um 22,8 Prozent (2009: 10,1 Prozent) auf 228,5 Millionen Euro. Der Markt sei nur um 4,3 Prozent gewachsen, ordnete Ahlgrimm die Zahlen der ÖSA ein. Allein die Lebensversicherung habe mit Beitragseinnahmen von 136,8 Millionen Euro ein Plus von 38,3 Prozent (2009: 16,6 Prozent) verbucht und erstmals in der Geschichte der ÖSA die 100-Millionen-Marke überschritten.

Die Zahl der Versicherungsverträge privater, kommunaler und gewerblicher Kunden habe zum Jahreswechsel mit rund 792000 Stück nur noch knapp unter der 800000er-Grenze gelegen.

"Die Kunden der ÖSA Leben profitierten auch 2010 von einer überdurchschnittlich hohen Verzinsung ihrer Guthaben", betonte Vorstandsmitglied Manfred Steffen. Mit den Überschusskomponenten würde eine Verzinsung von bis zu 5,5 Prozent erreicht. Für dieses Jahr seien vor dem Hintergrund der Niedrigzinsphase 4,15 Prozent laufende Gesamtverzinsung deklariert. Aus der Lebensversicherung habe die ÖSA im vergangenen Jahr fast 45 Millionen Euro ausgezahlt. Hier gehe die Entwicklung steil nach oben. Für die Zukunft rechnet die ÖSA mit Summen von jährlich bis zu 70 Millionen Euro. Bei der Feuerversicherung seien die Einnahmen um 5,2 Prozent (2009: 3,6 Prozent) auf 91,7 Millionen Euro gewachsen.

Das Wachstum sei im Wesentlichen auf das dominierende private Breitengeschäft unter anderem in den Bereichen Wohngebäude, Hausrat und Haftpflicht, aber auch auf viele gewonnene Versicherungsausschreibungen von Kommunen zurückzuführen, erläuterte Ahlgrimm.

Über eine "spürbar gestiegene Schadenquote" von 61,8 auf 66,1 Prozent berichtete ÖSA-Vorstandsmitglied Rainer Bülow. Zur Regulierung "einer Vielzahl mittelgroßer Einzelschäden" vor allem in öffentlichen Gebäuden und in insgesamt 47500 Fällen (plus 7,8 Prozent) musste die Versicherung rund 60 Millionen Euro aufwenden, sieben Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor. Die ausgezahlten Beträge als auch die Zahl der Verträge insgesamt würden "von der Leistungsfähigkeit der ÖSA und einem hohen Vertrauensbeweis seitens der Kunden" zeugen.

Im nach wie vor "hart umkämpften" Kfz-Versicherungsmarkt habe die ÖSA nach mehreren rückläufigen Jahren 2010 erstmals wieder zulegen und die Beitragseinnahmen um 2,1 Prozent auf 37 Millionen Euro steigern können, sage Bülow weiter. Für die nächste Zeit gehe man von einer Erhöhung der Beiträge in der Kfz-Versicherung aus. Der Markt sende in diese Richtung bereits "eindeutige Signale". Branchenberechnungen würden von einer durchschnittlichen notwendigen Anhebung von vier bis fünf Prozent pro Jahr sprechen. Was tatsächlich durchsetzbar sei, sei derzeit reine Spekulation. Die ÖSA deckt das Schadenaufkommen immer noch mit Beiträgen auf der Höhe des Jahres 2002 ab.

Äußerst positiv wird laut Bülow das von der ÖSA angebotene automatische Notrufsystem Copilot angenommen, von dem derzeit rund 200 Stück im Einsatz sind. Das in ein Auto oder Motorrad eingebaute, mit GPS-Empfänger, einem Sender und Crash-Sensor ausgerüstete taschenbuchgroße Gerät sendet bei einem Unfall die exakten Standortdaten des Unfallfahrzeuges an eine Notfallzentrale. Die wiederum alarmiert Polizei, Arzt und Feuerwehr. Verfügbar sei das Gerät nunmehr auch für Motorräder.

Für dieses Jahr rechnet die Versicherung, die im vergangenen Jahr kulturelle, sportliche und soziale Projekte mit insgesamt rund 300000 Euro unterstützt hat, mit einer Fortsetzung des erfolgreichen Geschäftsverlaufs. In die ersten Monate sei man "sehr gut" gestartet, sagte Vorstandschef Ahlgrimm.

Träger der ÖSA mit rund 500 direkten und indirekten Arbeitsplätzen, fast 100 eigenen Agenturen und dem Vertrieb über mehr als 400 Sparkassen-Geschäftsstellen sind die Sparkassenorganisation Sachsen-Anhalts (50 Prozent), die Landschaftliche Brandkasse Hannover (35 Prozent) und die Öffentliche Sachversicherung Braunschweig (15 Prozent). Ihre wirtschaftliche Tätigkeit nahm die ÖSA 1992 auf Beschluss des sachsen-anhaltischen Landtages auf.