Deutschen Bahn

Streik bei der Bahn trifft Osten hart

Seit Montagmorgen steht der Großteil der Züge in Deutschland still: Die Lokführergewerkschaft GDL bestreikt noch bis Mittwochfrüh den Personenverkehr bei der Deutschen Bahn. Der Osten ist besonders stark betroffen - ein Chaos bleibt aber aus.

23.08.2021, 16:56
Die Lokführergewerkschaft GDL will ihren Streik wie geplant durchziehen. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa
Die Lokführergewerkschaft GDL will ihren Streik wie geplant durchziehen. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa dpa

Berlin/Leipzig (dpa) - Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat mit einem Streik bei der Deutschen Bahn seit den frühen Morgenstunden den Großteil des Zugverkehrs in Deutschland lahmgelegt. Der Streik trifft den Südosten besonders hart. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fielen am Montag zahlreiche Züge aus, manche fuhren mit erheblicher Verspätung. Im Fernverkehr waren am Montag laut Bahn nur rund 25 Prozent der Züge unterwegs. Im Regionalverkehr waren es in den drei Ländern weniger als 40 Prozent. Auch die S-Bahnen waren betroffen. Hier gab es aber zumindest einige Verbindungen mit längerer Taktung und verkürzten Fahrstrecken.

«Der Ersatzfahrplan läuft stabil», sagte am Montagmorgen eine Sprecherin der Deutschen Bahn, die für die drei Bundesländer zuständig ist. Sie rief Bahnreisende auf, sich auf bahn.de über ihre Verbindungen zu informieren und mehr Zeit für ihre Reise einzuplanen. «Vor allem die Strecken in den Ballungsgebieten, die sonst parallel verlaufen, wurden ausgedünnt. Wir stellen aber sicher, dass die Menschen zwischen den größeren Städten pendeln können», betonte die Sprecherin. Nach ihren Angaben lief es an den Bahnhöfen relativ geordnet ab, auch weil die Reisenden rechtzeitig informiert worden seien.

In den Bundesländern im Osten ist die GDL traditionell schlagkräftiger, weil im Westen ein Teil der Mitglieder noch Beamte aus Bundesbahn-Zeiten sind und nicht streiken dürfen. Bis Mittwochfrüh, 2.00 Uhr, müssen sich Millionen Reisende auf starke Einschränkungen vor allem im Fernverkehr einstellen. Außer den Lokführern sind erneut auch Beschäftigte in der Verkehrssteuerung, etwa in den Stellwerken, aufgerufen, die Arbeit ruhen zu lassen.

Der Umfang der Einschränkungen ist nach Bahnangaben in etwa so groß wie beim ersten Streik vor knapp zwei Wochen. «Wir haben zusätzliches Personal an den Bahnhöfen abgestellt, um die Reisenden umfassend über Alternativen im Fernverkehr zu informieren», betonte die Bahnsprecherin. Im Regionalverkehr werde mancherorts auch ein Schienenersatzverkehr mit Bussen angeboten.

Die Konkurrenten der Deutschen Bahn bedienten ihre Strecken am Montag zumeist nach dem regulärem Fahrplan. Es könnte aber auch hier zu Ausfällen kommen, etwa wenn auf den Strecken die Deutsche Bahn die Infrastruktur betreibt oder angestellte Fahrdienstleiter ebenfalls streiken.

Auf den Autobahnen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen war vom Lokführerstreik kaum etwas zu spüren. Es sei der übliche Berufsverkehr für einen Montagmorgen registriert worden, mehr Staus wegen Umsteigern von der Bahn aufs eigene Auto habe es nicht gegeben, teilten die Verkehrswarndienste der drei Länder am Montag mit. Wegen der Ferien in den drei Ländern seien sogar weniger Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs. Lediglich an den Baustellen auf den Autobahnen bei Dresden und Chemnitz staue sich wie üblich der Verkehr.

Dagegen mussten Flugreisende an den Airports Leipzig/Halle und Dresden am Montag wegen des GDL-Streiks flexibel sein. «Vor allem ankommende Fluggäste auf beiden mitteldeutschen Flughäfen stehen durch den Streik vor der Situation, auf alternative Angebote des öffentlichen Nahverkehrs oder Taxis zurückgreifen zu müssen», sagte ein Sprecher der Mitteldeutschen Flughafen AG am Montag.

In dem Tarifstreit geht es unter anderem um mehr Geld für die Beschäftigten. Über die Höhe der künftigen Löhne und Gehälter sind sich beide Seiten einig: 3,2 Prozent mehr soll es geben. Aber über den Zeitpunkt der Auszahlung besteht Uneinigkeit. Offen sind außerdem Fragen zur Betriebsrente, die Höhe einer möglichen Corona-Prämie für die Beschäftigten sowie der Einflussbereich der GDL.