Pleitegefahr

US-Post spart sogar bei den Rentnern

Von Daniel Schnettler

Washington (dpa). Die US-amerikanische Post ist marode. Die Postämter sind vielerorts heruntergekommen und die Mitarbeiter stehen nicht gerade im Ruf, besonders schnell oder freundlich zu sein. So, wie sich der US Postal Service nach außen gibt, so scheint es auch innen auszusehen: Wenn der Gesetzgeber nicht eingreift, dann - so warnte bereits der oberste Postler Patrick Donahoe - werde dem staatlichen Unternehmen in wenigen Monaten das Geld ausgehen. Im Klartext: Es droht die Pleite.

Wie dramatisch die Lage ist, zeigt die jüngste Verzweiflungstat. Das Management kündigte am Mittwoch in Washington an, keine Beiträge mehr in eine staatliche Rentenkasse für Bundesbedienstete einzuzahlen. Der Postal Service will alleine dadurch bis zum Ende des Geschäftsjahres im September 800 Millionen Dollar (555 Mio. Euro) einsparen. Ohne diesen Schritt könnten schon im Oktober die flüssigen Mittel aufgebraucht sein, sagte ein Sprecher.

Doch selbst diese Summe ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein und löst nicht die grundlegenden Probleme: Die US-Post leidet darunter, dass immer weniger Menschen Briefe schreiben und stattdessen E-Mails versenden. Gleichzeitig hat sie im Paketgeschäft starke Konkurrenz durch die privaten Konzerne FedEx und UPS. Alleine im ersten Geschäftshalbjahr (bis Ende März) verlor die staatliche Post unterm Strich fast 2,6 Milliarden Dollar. Derweil sprudeln die Gewinne bei den Privaten, seitdem sich die Schockstarre der Wirtschaftskrise gelöst hat.

Die Post hat sich zum wiederholten Male an den Kongress gewandt, und um Hilfe gebeten. Bislang aber ohne durchschlagenden Erfolg. Sie verlangt Erleichterungen bei den galoppierenden Gesundheitskosten für die Abertausenden Pensionäre und zudem Zugriff auf ihrer Meinung nach zu viel gezahlte Rentenbeiträge. Um die Kosten zu drücken, will die Post samstags keine Briefe mehr austragen. Auch dafür braucht sie das staatliche Okay.

Vorhaltungen, sie würde ineffizient arbeiten, weist die Post zurück. Sie hat nach eigenen Angaben in den vergangenen vier Geschäftsjahren 12 Milliarden Dollar an Kosten gekappt und 110 000 Stellen gestrichen. Ende März beschäftigte der Postal Service noch annähernd 572 000 Menschen und gehört damit zu den größten Arbeitgebern des Landes. Ein Bankrott kann sich die Politik also eigentlich nicht leisten.

Doch Washington kann nicht beliebig Geld geben. Dem Staat droht selbst das Geld auszugehen. Derzeit tobt eine Schlacht zwischen den Demokraten von Präsident Barack Obama und den Republikanern, in der es um die Anhebung der Schuldenobergrenze geht. Das Limit, bis zu dem sich die USA dringend benötigtes Geld borgen dürfen, ist Anfang August erreicht.

Welch ein Gegensatz zur Privatwirtschaft: Der Paketdienst FedEx hat im Geschäftsjahr 2011, das im Mai endete, seinen Umsatz um 13 Prozent auf 39,3 Milliarden Dollar hochgeschraubt. Der Gewinn verbesserte sich sogar um 23 Prozent auf unterm Strich annähernd 1,5 Milliarden Dollar.