für porsche und BMW

Wasserstoff-Produktion geplant: Sachsen-Anhalt will grünes Gas nach Leipzig liefern

Der ostdeutsche Energieversorger Envia-M baut in Sachsen-Anhalt drei Anlagen zur Produktion von Wasserstoff. Wie die Leipziger Werke von BMW und Porsche versorgt werden sollen.

Von Jörg Schurig und Steffen Höhne Aktualisiert: 11.05.2022, 20:16 • 11.05.2022, 16:39
Das Porsche-Werk in Leipzig will Erdgas durch Wasserstoff ersetzen.
Das Porsche-Werk in Leipzig will Erdgas durch Wasserstoff ersetzen. Foto: Jan Woitas/ZB/dpa

Halle (Saale)/DPA/MZ - Der ostdeutsche Energieversorger Envia-M will in den kommenden Jahren Erdgas durch Wasserstoff ersetzen und unabhängiger von Lieferungen aus dem Ausland werden. In einem ersten großen Projekt sollen drei sogenannte Elektrolyseur-Anlagen in Bitterfeld, Roitzsch und Thalheim (alle Anhalt-Bitterfeld) errichtet werden, kündigte Vorstandschef Stephan Lowis am Mittwoch an.

In den Anlagen wird mit Hilfe von Wind- und Solarstrom Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Zur Größe der Anlagen und dem Investitionsvolumen machte Lowis keine Angaben.

Leipzig: Porsche und BMW bekommen Wasserstoff per Gasleitung

Der Wasserstoff soll über bestehende Gasleitungen an die beiden Autowerke von Porsche und BMW in Leipzig sowie den Flughafen Leipzig/Halle geliefert werden. Envia-M befindet sich nach eigenen Angaben mit den Unternehmen in Verhandlungen. Wie es aussieht, wollen die drei Unternehmen ihren Erdgasbedarf durch Wasserstoff ersetzen. Erdgas wird bei Porsche beispielsweise in der Lackiererei benötigt. Die sogenannte Wasserstoffbrücke solle mit Partnern in drei bis vier Jahren in die Tat umgesetzt sein.

„Langfristig wollen wir Gas gegen Wasserstoff tauschen - und zwar komplett“, betonte Lowis. Dabei wolle Envia-M auch selbst Erzeuger von Wasserstoff werden und Elektrolysekapazitäten aufbauen. Das rund 7.000 Kilometer lange Gasnetz sei für Wasserstoff geeignet, hieß es.

Mitgas: Preisrisiko nicht den Versorgern allein überlassen

Trotz des Krieges in der Ukraine gebe es derzeit keine Versorgungsengpässe, sagte Lowis. Die Versorgungssicherheit der Kunden habe oberste Priorität. „Insbesondere bei der Gasversorgung ist die Situation aufgrund des Ukraine-Krieges kritisch. Eine Gasmangellage ist nach wie vor nicht auszuschließen.“ Dem Unternehmen zufolge wäre ein vollständiger Ausfall russischer Gaslieferungen im Winter nicht komplett zu kompensieren.

Die EnviaM-Tochter Mitgas sieht derweil bei der gesetzlich vorgeschriebenen Füllmenge von Speichern auch die Politik in der Pflicht. Das von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vorangetriebene Gesetz sei vernünftig, sagte Geschäftsführer Andreas Auerbach. „Wenn wir die Speicher aber zu den gegenwärtig hohen Preisen füllen, kostet das sehr viel Geld.“ Das Befüllen der Speicher müsse vorfinanziert werden. Man könne das Preisrisiko nicht den Versorgern allein überlassen.

Die Mitgas habe vorausschauend einen Kavernenspeicher in Staßfurt mit einem Volumen von 1,8 Millionen Terawattstunden angemietet. „Wenn wir den zu einem Preis wie aktuell von 100 Euro pro Megawattstunde füllen, kostet das 180 Millionen Euro. Das ist ein Vielfaches unseres Jahresergebnisses.“ Zwar komme beim Verkauf des Gases Geld wieder herein, aber niemand könne eine verlässliche Prognose über die Preisgestaltung abgeben.

Mitgas-Chef: „Wir brauchen russisches Erdgas, um die Speicher zu füllen"

Zur Debatte um einen möglichen Lieferstopp von russischem Gas sagte Auerbach: „Wir brauchen russisches Erdgas, um die Speicher zu füllen. Das gilt mindestens für die nächsten beiden Winter, schlimmstenfalls noch für einen dritten.“ Wenn über Nacht der Hahn abgedreht werde, könnten die Speicher nicht vollständig gefüllt werden. „Und wenn es dann richtig kalt wird, gelangen wir in eine Situation, die wir Gasmangellage nennen“. Dann müsste man Verbraucher abschalten, das werde zuerst die Industrie treffen.

„Dann entscheidet die Bundesnetzagentur, welche Industrien nicht mehr beliefert werden können. Das wird schmerzhaft sein. Der Schaden für die deutsche Volkswirtschaft ist gar nicht abzusehen“, sagte Auerbach. Es gebe auch Produktionsanlagen, die man nicht sofort abschalten könne. Als Beispiel nannte der Mitgas-Chef Stahlwerke, Glashersteller und die chemische Industrie. Aber auch die privaten Haushalte müssten sich in Zukunft auf weitere Preissteigerungen einstellen. Mitgas hatte jüngst eine Erhöhung des Erdgaspreises um 4,25 Cent auf 13,32 Cent pro Kilowattstunde angekündigt - ein Plus von knapp 47 Prozent.

EnviaM hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,766 Milliarden Euro (2020: 2,776) erwirtschaftet, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag bei 316,7 Millionen Euro (317,9 Mio). Die Dividende wurde von 0,65 auf 0,77 Euro angehoben - Anteilseigner sind neben der Eon SE rund 650 ostdeutsche Kommunen. Der Energieversorger beliefert nach eigenen Angaben mehr als 1,3 Millionen Kunden in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen mit Strom, Gas und Wärme, betreibt aber auch ein eigenes Glasfasernetz.