Arbeitsmarkt

Wieder mehr Anträge auf Kurzarbeit in Sachsen-Anhalt erwartet

Die Wirtschaft beklagt Lieferengpässe. Es fehle an Teilen und Rohstoffen für die Produktion. Dies hat Folgen für die Beschäftigung. Obwohl die Auftragsbücher wieder gut gefüllt sind.

Von dpa 25.10.2021, 06:03 • Aktualisiert: 25.10.2021, 06:42
Vor allem der Material- und Rohstoffmangel bremst derzeit die Industrie.
Vor allem der Material- und Rohstoffmangel bremst derzeit die Industrie. Foto: dpa

Halle (Saale)/dpa - Arbeitsmarktexperten rechnen in Sachsen-Anhalt mit mehr Anträgen auf Kurzarbeit. Dieser Trend habe sich bereits im August und September abgezeichnet, sagte ein Sprecher der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit. Grund sei vor allem die angespannte Lage im verarbeitenden Gewerbe und in der Baubranche. Lieferengpässe wie bei elektronischen Bauteilen für Maschinen und Anlagen sowie fehlende Rohstoffe wirkten sich trotz voller Auftragsbücher auf die Beschäftigung aus.

Wegen der Corona-Pandemie war die Weltwirtschaft 2020 eingebrochen. Die Konjunktur kam im Sommer 2021 wieder in Schwung. Dies hatte eine kräftige Nachfrage nach Halbleitern, steigende Rohstoffpreise und Lieferengpässe auch aufgrund fehlender Container- und Transportkapazitäten zur Folge.

Kurzarbeit soll vorübergehende Arbeitsausfälle in den Betrieben abpuffern

Drei Viertel der Anträge von Arbeitgebern auf die Zahlung von Kurzarbeitergeld gingen bei den Arbeitsagenturen im August und im September vor allem aus der Chemie, Metall-, Maschinenbau und Kraftfahrzeugbranche ein, wie der Sprecher sagte.

Kurzarbeitergeld wird von Arbeitgebern beantragt, um Entlassungen aufgrund von konjunkturbedingten erheblichen Arbeitsausfällen zu vermeiden. Der Arbeitsausfall muss vorübergehend und unvermeidbar sein, wie der Sprecher erklärte.

Betrachte man die tatsächlich realisierte Kurzarbeit, galt diese laut Hochrechnungen im Juni 2021 für rund 25.600 Beschäftigte in etwa 5000 Betrieben in Sachsen-Anhalt, sagte der Sprecher. Damit waren 3,2 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Land von Kurzarbeit betroffen (Kurzarbeiterquote).

Kurzarbeit ist im Vergleich zu 2020 deutlich gesunken

Zum Vergleich: 2020 waren im Juni rund 68.900 Beschäftigte in 9200 Unternehmen und damit etwa 8,7 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Kurzarbeit. Im Mai (2020) waren es 11,5 Prozent (90.800 Menschen), im April (2020) 12,8 Prozent (101.700 Menschen). Zu Beginn der Pandemie im Land waren im März (2020) 6,3 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Kurzarbeit.

Laut Bundesagentur erhalten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer 60 Prozent des während der Kurzarbeit ausgefallenen Nettoentgelts, bei mindestens einem Kind 67 Prozent. Das Kurzarbeitergeld erhöht sich den Angaben zufolge ab dem vierten Bezugsmonat auf 70 Prozent (Beschäftigte mit mindestens einem Kind: 77 Prozent), ab dem siebten Bezugsmonat auf 80 Prozent (Beschäftigte mit mindestens einem Kind: 87 Prozent).