Solarunternehmen Q-Cells macht Verlust von 845,8 Millionen Euro / Lösung für Millionen-Schuldenblock gesucht

"Wir werden alle sehr, sehr viel Geld verbrennen"

Von Nadine Murphy und Petra Buch

Bitterfeld-Wolfen (dpa) l Preisverfall, Überkapazitäten und Kürzungen der Förderung machen der Solarbranche zu schaffen. Das ums Überleben ringende Solarunternehmen Q-Cells rechnet angesichts neuer Förderkürzungen in Deutschland und eines andauernden Preisverfalls mit einem weiteren düsteren Jahr. "Die Branche wird auch 2012 flächendeckend Verluste schreiben", sagte gestern Vorstandschef Nedim Cen in Bitterfeld-Wolfen. "2012 ist ein weltweit verlorenes Jahr für die Solarbranche. Wir werden alle zusammen sehr, sehr viel Geld verbrennen."

Auswirkungen auf die Arbeitsplätze in dem Unternehmen soll die Krise nicht haben. "Wir erwarten keine weiteren personellen Maßnahmen", sagte Cen. Q-Cells hatte mit Beginn der Branchenkrise gut 500 Arbeitsplätze abgebaut.

Wie schon Ende 2011 sei auch zu Beginn 2012 eine "hochexplosive Mischung" aus einem starken Zubau an Photovoltaikleistung - als Vorzieheffekt vor neuen Kürzungen bei der Solarförderung - bei gleichzeitigem Preisverfall zu beobachten. Die zu erzielenden Preise lägen deutlich unter den Kosten, zu denen die Unternehmen produzierten.

"Die Ergebnissituation ist branchenweit dramatisch", sagte Cen. Q-Cells produziert Solarzellen, -module und -anlagen in Deutschland und Malaysia. 2011 erwirtschaftete das Unternehmen aus dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld den Angaben zufolge einen Umsatz von 1,023 Milliarden Euro (2010: 1,35 Milliarden Euro). Unter dem Strich wies das Unternehmen, das rund 2200 Mitarbeiter beschäftigt, einen Verlust von 845,8 Millionen Euro aus. Vor einem Jahr hatte Q-Cells noch 18,9 Millionen Euro verdient.

Ohne die Änderung der Strategie vom reinen Solarzellenhersteller zum Anbieter von Modulen und Komplettsystemen wäre das Ergebnis noch schlechter ausgefallen, sagte Cen. 2013 soll es zumindest wieder vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ein positives Ergebnis geben. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll 2014 wieder schwarz sein.

Der Konzern arbeite derzeit mit Hochdruck an der Restrukturierung der Finanzen. "Wir werden alles dafür tun, dass wir den Preiskampf überleben", sagte Cen. Er glaube "felsenfest" an die weltweite Zukunft der Photovoltaik. Der Konzern plant einen radikalen Schulden- und Kapitalschnitt, in dessen Folge die Gläubiger das Ruder übernehmen sollen.

Die Aktionäre, die somit weitgehend aus dem Unternehmen gedrängt würden, müssen noch auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Mai oder Juni zustimmen.

Auch drei Gläubigerversammlungen - es geht um drei Wandelanleihen im Volumen von insgesamt 580 Millionen Euro und damit um den wesentlichen Schuldenblock von Q-Cells - stehen noch aus. Scheitern die Pläne, droht dem Unternehmen die Insolvenz.

Dem ruinösen Preiskampf will auch Q-Cells nicht länger tatenlos zusehen. Möglicherweise werde sich das Unternehmen zusammen mit anderen an einer Klage gegen das Geschäftsverhalten der Chinesen beteiligen, sagte Cen. Eine endgültige Entscheidung habe das Unternehmen allerdings noch nicht getroffen, fügte er hinzu