Konjunkturklimaindex im Norden Sachsen-Anhalts

Zuversicht in der Wirtschaft wächst wieder

Die Industriekonjunktur zieht nach einer kurzen Delle im Winter wieder an. Das Baugewerbe hält sich stabil. Insgesamt ist die Zuversicht in der Wirtschaft im Norden Sachsen-Anhalts wieder gewachsen.

Magdeburg (ko) l Trotz Unsicherheiten und Risiken im Zusammenhang mit der schwelenden Schuldenkrise in Europa und steigenden Rohstoff- und Energiepreisen ist der Konjunkturklimaindex wieder leicht gestiegen. Das teilte gestern die Industrie- und Handelskammer (IHK) Magdeburg mit. Mit 117 von 200 möglichen Punkten lag der Index im ersten Quartal 2012 vier Zähler über dem Wert des Vorquartals. Die Verbesserung sei eindeutig erwartungsgetrieben, heißt es im Bericht.

Der Tiefstand war im ersten Quartal 2009 mit weniger als 80 Punkten markiert worden. Dann war es bis zum vergangenen Sommer mit der Stimmung in der Wirtschaft steil bergauf gegangen. Insbesondere die Industrieunternehmen im IHK-Bezirk blicken wieder optimistischer in die Zukunft. Die in der Region stark vertretene Investitionsgüterindustrie meldet steigende Auftragseingänge aus dem In- und Ausland sowie stabile Umsätze. 60 Prozent der Befragten in dieser Teilbranche zeigten sich in der Umfrage "außerordentlich zufrieden" mit ihrer aktuellen Geschäftslage.

Auch die Vorleistungsgüterproduzenten liegen bei den Aufträgen im Plus, allerdings gehen ihre Umsätze teilweise zurück. Die Hersteller von Konsumgütern melden ein deutliches Auftrags-plus im Inland. Die Erwartungen an ein Anziehen des Auslandsgeschäfts sind in der Industrie verhalten. Die Investitionsneigung ist dennoch erfreulich: Angesichts der insgesamt guten Auftragslage plant jedes dritte befragte Unternehmen, in den kommenden Monaten seine Investitionsausgaben zu steigern.

Im Baugewerbe hat sich im Frühjahr die Sorge um fehlende Aufträge bestätigt. Nur noch 10 Prozent der Befragten bewerten deshalb ihre aktuelle Geschäftslage noch als günstig. Lichtblick im Hochbau - hier füllen sich die Auftragsbücher wieder und verschieben sich vom kurz- in den mittelfristigen Bereich. Die Geschäftserwartungen in der Baubranche verbessern sich, liegen jedoch laut Umfrage noch nicht wieder im positiven Bereich.

Im Einzelhandel ist die Stimmung gedämpft: Das Geld, das die Verbraucher wegen steigender Energiepreise zusätzlich an den Tankstellen ausgeben müssen oder für Strom und Heizung aufbringen müssen, fehlt beim Einkaufen. Die Umsatzerwartungen sind rückläufig, die Geschäftserwartungen trüben sich insgesamt ein, heißt es weiter im Konjunkturbericht. Dagegen gehen Unternehmen im Großhandel von deutlich steigenden Umsätzen aus, das beflügelt den Optimismus in der Sparte.

Weiter im Sinkflug sind in der Nebensaison die Auslastungen und Umsätze im Hotel- und Gastgewerbe. Die Lagebewertungen haben sich deshalb deutlich verschlechtert. Doch mit Frühjahr und Sommer verbinden sich wieder optimistischere Geschäftserwartungen. Auch die Investitionsneigung steigt, und die Beschäftigungspläne liegen für die Hauptsaison deutlich im Plus.

Im Verkehrsgewerbe fallen die Konjunktursignale zurzeit uneinheitlich aus. Hohe Kraftstoffpreise machen der Branche zu schaffen. Die Preissteigerungen können kaum an die Kunden weitergegeben werden, die Umsätze sinken. So sind die Lagebewertungen im Verkehrsgewerbe ins Minus gerutscht.

Aber die Hoffnungen auf eine anziehende Industriekonjunktur werden mit Aussichten auf steigende Auftragsmengen verbunden. 28 Prozent der Befragten rechnen mit einer positiven Entwicklung, was im Vorquartal nicht ein einziger Unternehmer getan hatte. Die Investitions- und Beschäftigungspläne der Unternehmen bleiben in diesem schwierigen Umfeld jedoch vorerst verhalten.

Im Dienstleistungsgewerbe stabilisiert sich die Konjunktur auf gutem Niveau, schätzt die IHK ein. Obwohl nach zuletzt äußerst positiven Umsatz- und Auftragsentwicklungen nun keine weiteren Steigerungen erwartet werden, bleibt die Stimmung der unternehmensbezogenen Dienstleister gut.

Dagegen leiden personennahe Dienstleister ebenso wie der Einzelhandel unter der Kostenbelastung der Kunden durch hohe Sprit- und Strompreise. Die Geschäftserwartungen trüben sich mit der gedämpften Konsumbereitschaft der Verbraucher leicht ein.