Magdeburg l Der Islam soll im Ethikunterricht einzelner Schulen im Land ab dem neuen Schuljahr verstärkt thematisiert werden. Die Partner der Kenia-Koalition setzen damit eine Vereinbarung des Koalitionsvertrags um.

Forderungen von SPD und Grünen nach einem Testlauf für ein eigenständiges, wertegebundenes Religionsfach Islam hatte Bildungsminister Marco Tullner (CDU) zuvor abgelehnt. Stattdessen sieht der Kompromiss auf Vorschlag von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) die Vermittlung vertiefter Kenntnisse des säkularen Islam als Teil des Ethikunterrichts vor.

Einheimische und Zuwanderer im Austausch

Der so erweiterte Unterricht soll auf Schwerpunktschulen in Magdeburg und Halle mit hohem Anteil muslimischer Kinder beschränkt bleiben. Haseloff sagte gestern: „Mit der Lösung tragen wir auch der überschaubaren Zahl muslimischer Kinder im Land Rechnung.“ Die Vermittlung von Islam-Kenntnissen im gemeinsamen Ethikunterricht gewährleiste zudem, dass Einheimische und Zuwanderer gemeinsam lernen und im Austausch bleiben.

Gegen ein wertegebundenes Fach hatte das Bildungsministerium zuletzt auch juristisch argumentiert: Die muslimischen Gemeinden erfüllten bislang nicht die formalen Kriterien, um Anspruch auf Religionsunterricht zu haben. So fehle eine zentrale Institution als Ansprechpartner.

Bis Ende Mai will die Behörde ein Konzept erstellen. Minister Tullner sagte: „Neben der Überarbeitung des Fachlehrplans sollen auch spezielle Qualifizierungsmaßnahmen für Lehrkräfte an Schwerpunktschulen entstehen.“ In welchen Schulen der veränderte Unterricht vermittelt wird, auch das will die Behörde prüfen. Die SPD begrüßt die Lösung: Fraktionschefin Katja Pähle sprach von einem „pragmatischen Zwischenschritt“. Er biete die Möglichkeit, an Schwerpunktschulen Erfahrungen mit dem Thema Islam zu sammeln.

Land und Islamverbände als Partner

Auch Grünen-Bildungspolitiker Wolfgang Aldag sieht die Pläne als ersten Schritt in Richtung eines wertegebundenen Religionsunterrichts. Das Land sollte die Islamverbände dabei unterstützen sich so zu organisieren, dass sie zu institutionellen Partnern werden können. Ablehnung kommt von der AfD: „Die uns zutiefst fremde Ethik des Islam“, habe im Unterricht nichts zu suchen, so Bildungspolitiker Hans-Thomas Tillschneider. Aktuell bieten 8 von 16 Bundesländern wertegebundenen Islamunterricht an.

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