Magdeburg l Eine kleine Werkstatt in Magdeburg, auf einem Tisch liegt Spezialwerkzeug, in den Regalen wartet eine Heerschar Kaffeemaschinen auf die Inspektion: Wilfried Fasel, kurzes Haar, sportliche Figur und Hände, die von jahrzehntelanger Bastelarbeit zeugen, beugt sich mit seinem Schraubenzieher über einen Vollautomaten. Kaffee gibt der keinen mehr aus, wo der Fehlerteufel steckt – der 64-jährige Fasel wird es herausfinden. Er hat noch jede Maschine wieder zum Laufen gebracht, sagt er selbstbewusst.

Der durchschnittliche Deutsche, er trinkt fast vier Tassen des geliebten dunklen Gesöffs am Tag. Selbst Wasser oder Bier reichen da nicht heran. Seit Jahren steht bei Neuanschaffungen der Vollautomat hoch im Kurs. Wenn der unschön faucht, blubbert und den Dienst quittiert, kommt der gebürtige Irxleber Fasel ins Spiel.

Seit 2012 repariert er beim Elektrofachgerätehändler Monsator in Magdeburg Kaffeemaschinen. Etwa 80 bis 100 im Monat. Im Jahr kommt er nicht selten auf 1000 Geräte. Von der einfachen Wartung für rund 70 Euro bis zu komplexeren Reparaturen für mehrere hundert Euro ist alles dabei.

Neben den Vollautomaten legt er mitunter auch bei Siebträger-Maschinen Hand an. Filterkaffeemaschinen – die lasse kaum noch einer reparieren. „Das lohnt sich meist nicht“, sagt Fasel. „Eine neue ist da häufig günstiger.“

Abläufe meist identisch

Als es losging mit den Reparaturen, da habe er in der Nacht von Kaffeemaschinen geträumt. Oder zumindest vor dem Einschlafen darüber gegrübelt, warum das Gerät nicht mehr das macht, was es machen sollte. Oder wie sich die Verkleidung ablösen lasse. Hört sich blöd an, ist aber keine so einfache Geschichte, sagt er. Denn darüber, wo die unzähligen Schräubchen sitzen, die zum Öffnen gelöst werden müssen, hat jeder Hersteller seine ganz eigenen Ansichten.

Über die Jahre ist für den Reparatur-Profi dann vieles Routine geworden. Irgendwie seien die Abläufe bei allen Maschinen ja auch identisch. Wasser läuft über die Pumpe in die Heizung. Über Ventile wird es in die Brühgruppe transportiert. Im besten Fall sollte am Ende der so beliebte Wachmacher herauskommen.

Anbieter machen es Kaffeetrinkern schwer

Kommt der Kaffee nicht wie er sollte, berichten die Kunden meist von ganz ähnlichen Problemen, so Fasel. Das Wasser läuft nicht mehr, der Kaffee ist zu dünn – Defekt an der Pumpe, sagt Fasel. Und beim Blick in die Brüheinheit – das Bauteil, in dem der Brühprozess erfolgt – erfasst den Experten mitunter das kalte Grauen. Klar, denn beim Brühen entsteht Wasserdampf, sagt Fasel.

Häufig landet das Pulver sonstwo, Schimmel bildet sich, in der Maschine sehe es dann schon mal aus, wie in einem Gewächshaus, berichtet der 64-Jährige und schüttelt etwas traurig den Kopf. Nicht immer sind die Kunden schuld, weil sie ihre Maschine vernachlässigen. Viele Hersteller machten es ihnen nicht leicht. Bei Maschinen der Schweizer Firma Jura etwa sei es nahezu unmöglich, eine gründliche Reinigung selbst durchzuführen.

„Aber alles kein Problem“, meint Fasel nun wieder optimistischer, während er mit sachkundigem Blick eine defekte Maschine von De Longhi beäugt. Nur nicht erst kommen, wenn gar nichts mehr geht, dann sei es meist halb so schlimm. Technik zu reparieren, einem Defekt auf den Grund zu gehen – das liegt Wilfried Fasel schon, seit er denken kann.

Ausgebildet wurde er in der DDR zum Wartungsmechaniker für Büro- und Rechneranlagen. Wie so viele seines Jahrgangs hat er immer wieder umdenken müssen. Er hat Banktechnik repariert – etwa Überweisungsscanner –, hat für Robotron Lochkartentechnik betreut, an Mikroprozessoren geschraubt, hat für eine Stuttgarter Firma als Techniker gearbeitet und später Waschmaschinen und Geschirrspüler wieder flottgemacht.

Bei Fasels wird Filterkaffee gebrüht

Als es losging mit den Kaffeevollautomaten, fuhr er zunächst auf Lehrgänge durch die halbe Republik. Die Kontakte von damals helfen ihm noch heute, sagt er. Auf der Suche nach seltenen Ersatzteilen oder bei kniffligen Fragen kann er sich heute telefonisch mit zig Kollegen austauschen.

An einem Dienstag steht Fasel nun in der kleinen Werkstatt in Magdeburg und vermittelt sein Wissen an einen Kollegen. Günter Simowski ist ebenfalls Quereinsteiger, er hat in den vergangenen Wochen die Arbeit an den Vollautomaten vom Reparatur-Ass übernommen. Einmal pro Woche kommt der frischgebackene Rentner Wilfried Fasel vorbei. „Sollte ich Fragen habe“, sagt Simowski, „klingele ich auch immer mal bei Wilfried durch.“

Wenn die Einarbeitung vorbei ist, will Fasel lediglich für Verwandte, Freunde und Bekannte noch Kaffeemaschinen inspizieren. Auf das Rentnerdasein freut er sich – endlich mehr Zeit für die Familie.

Im Hause Fasel steht im Übrigen bis heute kein hypermoderner Vollautomat. „Meine Frau trinkt am liebsten Filterkaffee“, sagt er. „Und ich denke, dabei werden wir erst mal auch bleiben.“