Magdeburg/Halle (dpa) | Eine leere Coladose am Altar, eine aufgebrochene Spendenbox im Kirchenschiff: Die Kirchenvertreter im Land gehen ganz unterschiedlich mit Vandalismus und Respektlosigkeit um. Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, wiesen in einigen Gotteshäusern Schilder auf die Benimmregeln in den sakralen Räumen hin, in anderen Kirchen führten nur ernste Gespräche mit den rücksichtslosen Besuchern zu mehr Verständnis. Viele Kirchenvertreter in Sachsen-Anhalt haben nach eigenen Angaben aber kaum Grund zur Beschwerde.

"Vieles läuft gut, aber ja: Wir sind manchmal überrascht und ärgerlich über den Umgang von Gästen mit "unseren" Häusern", sagte Geertje Perlberg. Sie ist Pfarrerin einer offenen Kirche mit denkmalgeschütztem Kulturgut in Dessau-Roßlau. Dadurch kämen unterschiedliche Menschen. Zuletzt sei ein schmiedeeiserner Opferstock aufgebrochen und das Geld darin gestohlen worden. In einer katholischen Nachbargemeinde sei an Ostern eine Bronzetafel aus der Wand gerissen worden.

Vergehen an der Tagesordnung

Aber auch kleinere Vergehen wie Kaugummis unter den Stühlen, eine Colabüchse am Altar und Blitzlichtgewitter auf empfindliche Cranach-Gemälde seien an der Tagesordnung, sagte die Pfarrerin weiter. Auch Pfarrer Holger Holtz in Aschersleben kennt unangenehme Situationen. Es gebe Besucher, die während einer Taufe oder eines Gottesdienstes in die Kirche kämen, um sich das Gotteshaus und die Gemälde anzusehen, aber dabei laute Gespräche führten, sagte er. "Das ärgert mich sehr und das empfinde ich als respektlos."

Andere Kirchenvertreter berichteten nicht über Probleme im Gotteshaus, sondern von respektlosem Verhalten vor der Kirche. "Bei uns ist ein Problem, dass Männer an die Kirche urinieren", sagte der Pfarrer der Kirche St. Jakob in Köthen, Horst Leischner. Zudem feierten in lauen Sommernächten Jugendliche auf den Kirchentreppen und hinterließen oft Müll.

Um die Probleme in den Griff zu bekommen, gehen die Kirchenvertreter verschiedene Wege. In der Kirche der Martinsgemeinde in Bernburg weise eine Tafel mit Benimmregeln die Besucher auf die Gepflogenheiten in dem Gotteshaus hin, erklärte der Pfarrer Karl-Heinz Schmidt. Normalerweise gebe es aber keine Probleme in dem Gotteshaus. Leischner, Pfarrer der Kirche in Köthen, ist nach eigenen Angaben mit Ordnungsamt und Polizei im Gespräch. Die Pfarrerin Anne-Christina Wegner in Laucha an der Unstrut empfindet einfache Mittel wie mehr Papierkörbe in den Kirchen bereits als hilfreich, wie sie selbst sagte.

Kaum Probleme mit Vandalismus

Viele Kirchenvertreter haben nach eigenen Angaben aber kaum Probleme mit Vandalismus und Respektlosigkeit gehabt. So berichtete Pfarrer Holtz, viele Menschen, die die Kirche betraten, seien tatsächlich sogar besonders ruhig. "Ich bin dort manchmal lauter als sie", sagte Holtz. "Auch die Schulklassen verhalten sich korrekt und werden oft vorher von den Lehrern auf das Verhalten in der Kirche hingewiesen", sagte der Pfarrer der Kirchen in Wippra und Gorenzen, Hans-Martin Kohlmann. Die Besucher verhielten sich in der Regel angemessen, sagte der Pfarrer.

Nur in sehr akuten Situationen ist es aus Sicht von Sebastian Bartsch, Pfarrer der Kirche St. Jakobi in Hettstedt notwendig, sich Unterstützung zu holen und dann "immer zu zweit der Störung" zu begegnen. Normalerweise ließen sich aber alle Probleme "mit ein paar freundlichen Hinweisen" lösen, sagte Schmidt.