Rund 1000 Jahre altes Kindergrab aus Ottonen-Zeit entdeckt

Spektakulärer Fund auf dem Gelände der einstigen Königspfalz Helfta bei Eisleben: Archäologen haben ein rund 1000 Jahre altes Kindergrab entdeckt. Alles deutet darauf hin, dass das Kind aus dem Umfeld des Herrschaftsgeschlechts der Ottonen stammt.

Von dpa
Projektleiter und Archäologe Felix Biermann untersucht einen Sarkophag.
Projektleiter und Archäologe Felix Biermann untersucht einen Sarkophag. Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Eisleben - Ein rund 1000 Jahre altes herrschaftliches Kindergrab ist auf der Königspfalz Helfta (Landkreis Mansfeld-Südharz) bei Eisleben entdeckt worden. „Das Kind ist etwa vier bis fünf Jahre alt, ob Junge oder Mädchen konnte noch nicht analysiert werden“, sagte Projektleiter und Archäologe Felix Biermann am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. „Der Sarkophag besteht aus sorgfältig bearbeitetem, weißen Muschelkalk.“ Der Umriss des Körpers des Kindes sei genau ausgearbeitet. Das ist ein länglich trapezförmiger Hohlraum und eine extra Rundung für den Kopf. Der Fachbegriff ist Kopfnischengrab. Das Grab misst 1,25 Meter Länge und 30 bis 45 Zentimeter Breite.

„Das muss ein sehr elitäres Kind aus einem Geschlecht aus der Ottonen-Zeit gewesen sein, die sich hier die Macht geteilt haben“, sagte Biermann. „Bei dem Skelett lagen Fragmente eines Bleitäfelchens. Ob der Name darauf steht, muss im Labor untersucht werden.“ Der Oberkörper ist von Kleintieren beschädigt, ansonsten ist das Skelett komplett. Analysen zum genauen Alter werden spezielle Messungen ergeben. Ob es für eine DNA-Analyse zur genauen Person des Kindes reicht, müsse abgewartet werden.

Der Sarkophag besteht aus zwei Teilen, die mit Mörtel verbunden wurden. Das Ganze war mit einer rötlich-grauen Platte aus Zechstein abgedeckt. „Der weiße Muschelkalk sieht sehr edel aus und erinnert an Marmor, was die herrschaftliche Herkunft des Kindes unterstreicht“, sagte Biermann.

Seit Mai haben Archäologen bislang die Grundmauern der Kirche Kaiser Ottos des Großen (912-973) freigelegt. Die Kirche wurde vor 968 gegründet und existierte etwa 500 Jahre. Bei der Kirche wurden bislang 70 Gräber aus dem 10. bis 15. Jahrhundert freigelegt.

Die lange verschollenen Überreste der Königspfalz auf dem Hügel „Kleine Klaus“ wurden im Jahr 2009 wiederentdeckt. Der Kernbereich der Pfalz umfasst 12 Hektar. Die Pfalz soll in den nächsten Jahren schrittweise freigelegt werden.