Magdeburg l „Am Tag haben wir als Magdeburger Taxigenossenschaft rund 20 Prozent weniger Einnahmen, was sich noch in Grenzen hält. Aber nachts sind es etwa 70 Prozent. Und das ist schon eine Hausnummer“, sagt Vorstandsvorsitzender und Chef von 106 Taxifahrern in der Landeshauptstadt, Frank Tempel.

Besonders in den Wochenendnächten bekomme er Anrufe von Fahrern, die sagen: Wir stehen hier rum. Es ist nichts los. „Kein Wunder: Die Kneipen sind zu, die Bars auch, und am Bahnhof kommt kaum noch jemand an. Zu normalen Zeiten haben bis zu 15 Reisende pro Zugankunft ein Taxi gerufen.“ Gegenwärtig sei es ein Fahrgast.

20 Autos abgemeldet

Tempel rechnet vor: „30 Euro Einnahmen bei Kosten von 100 Euro – da kann sich jeder ausrechnen, wie die Lage aussieht. Wenigstens einen Teil des Lochs zu stopfen, sei unbedingt nötig. „Schließlich können die politisch gewollten Einschränkungen des Teillockdowns nicht auf dem Rücken der Taxifahrer ausgetragen werden.“

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Dirk Stanzick von „City und Peggy Taxi“ in Wernigerode sieht das genauso. „Im Frühjahr haben wir schon 20 Autos abgemeldet, weil einfach keine Fahrgäste mehr kamen.“

Im Landkreis Harz komme jetzt im November noch hinzu, dass aufgrund des Übernachtungsverbots die Touristen weggeblieben und somit auch potenzielle Taxikunden. Auch als Zubringer für Busreisen seien seine 15 Taxis zurzeit nicht gefragt. „Uns sitzt die Angst im Nacken.“

Bis August fehle ein Drittel des Umsatzes. „Und ich hatte darauf gesetzt, zum Jahresende einigermaßen über die Runden zu kommen.“ Einziger Lichtblick sei, dass wenigstens die Schulen nicht geschlossen wurden und somit der Schülerverkehr, für den sein Unternehmen 15 Autos zur Verfügung stellt, nicht wegbricht.

„Unterstützung ist ganz dringend nötig“, mahnt Stanzick an. „Denn wir hatten ja auch eine Menge zusätzlicher Ausgaben, zum Beispiel für Plexiglastrennwände, Masken und Desinfektionsmittel.“

Völlig neben der Spur findet der Unternehmer, dass gerade in der jetzigen angespannten Lage von der Politik über die Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes diskutiert werde, was zusätzliche Unruhe zur Folge habe, weil damit nach Ansicht der Taxiunternehmer der Weg für Uber und ähnliche Personenbeförderer freigemacht werden soll.

Taxi-Unternehmer Uwe Schirmer aus Stendal hat in den zwei Monaten des Frühjahres-Lockdowns rund 80 Prozent auf der Minusseite verbucht. „Das ist schon ein herber Verlust“, sagt er. „Kneipen und Discos geschlossen, meine Krankenfahrten sind ebenfalls eingebrochen, weil sich kaum noch jemand traut, sich zum Arzt fahren zu lassen. Viele verschieben ihre OP, wenn sie nicht unbedingt sofort erforderlich ist.“ Nach „vorsichtiger Rechnung“ verliere er im November etwa 60 Prozent seines Einkommens.

Bundesverbandschef Oppermann sieht in der sogenannten Betriebspflicht für Taxifahrer einen zusätzlichen Fakt, der die Krise der Unternehmen verschärft. „Taxifahrer sind zum Betrieb verpflichtet. Aber das macht doch überhaupt keinen Sinn, wenn ein Kollege acht Stunden am Tag, zum Beispiel am Bahnhof, steht, ohne einen Fahrgast. Es würde viel mehr Sinn machen, wenn Taxiunternehmen schließen dürften und stattdessen 75 Prozent vom Umsatz aus dem November im vergangenen Jahr bekommen.“

Martin Kramer, der das sachsen-anhaltische Verkehrsgewerbe vertritt, befürchtet, dass die Taxiunternehmen beim angeordneten Teil-Lockdown leer ausgehen. Das sei ein ernstes Problem für viele Taxi- und Mietwagenunternehmen. „Ohne zu übertreiben: Wir stehen mit dem Rücken zur Wand.“ Kramer schlägt einen Unternehmerlohn vor. Also ein statisches Einkommen des Unternehmers, das er sich für seine Tätigkeit anrechnet.

Mike Kalkofen vom Burger Taxi- und Mietwagenbetrieb schaut auf die staatlichen Hilfen, die während des Frühjahrs-Lockdowns beantragt und wie er positiv anmerkt, „zeitnah ausgezahlt“ wurden. Nun müsse man sehen, wie es mit der Rückzahlung laufe. „Helfen würden Ratenzahlungen.“

Im März und April sei sein Betrieb „fast auf null gefahren. Lediglich die Dialysefahrten haben etwas Geld in die Kasse gebracht.“

Ab 18 Uhr tote Hose

Jetzt, im November, sei es so, dass die Tagesfahrten zwischen 6 und 18 Uhr kostendeckend seien: „Fußpflege, einkaufen und Krankenfahrten sind im grünen Bereich. „Aber ab 18 Uhr ist tote Hose. Und dass es kein Nachtleben gibt, schlage natürlich bei den Taxiunternehmen in großen Städten viel stärker durch als auf dem flachen Land.

„Der erste Lockdown hat uns völlig unvorbereitet getroffen“, sagt Kalkofen, der sieben Taxis hat. „Jetzt wissen wir, wie wir Hilfen beantragen können.“ Er blickt relativ optimistisch auf das Jahresende: „Wenn die Wirtschaft nicht wieder völlig heruntergefahren wird, muss ich keine Kurzarbeit beantragen.“