Magdeburg/Weißenfels (dpa) l Die Corona-Pandemie trifft Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien stark – Homeschooling ist ohne zusätzliche Unterstützung häufig nur schwer zu bewältigen. Verschiedene Verbände und Vereine versuchen deswegen, Betroffenen in Sachsen-Anhalt auch während des Lockdowns zu helfen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

"Die Brücke" ist beispielsweise in Weißenfels weiterhin Anlaufpunkt. Der Kinder- und Jugendtreff bietet sonst Freizeitaktivitäten wie Billard, Tischkicker und gemeinsames Kochen an – all das ist während der Pandemie aber kaum möglich, wie Sozialpädagoge Mario Kabisch-Böhme sagte. Stattdessen überbrückt das Team und hilft beim Homeschooling.

Für gewöhnlich betreut die Einrichtung der Caritas 20 bis 25 Kinder pro Tag, aktuell werden stündlich Einzeltermine vergeben. Dann gehen Kabisch-Böhme und seine Kollegen und Kolleginnen mit den Jungen und Mädchen die Aufgaben durch, die sie von der Schule gestellt bekommen. Das sei wichtig, weil viele damit allein überfordert wären. Auch die Eltern könnten oft nicht helfen. Der Migrationsanteil im Weißenfelser Stadtteil Neustadt liege deutlich über Sachsen-Anhalts Durchschnitt. Sprachbarrieren gebe es ohnehin – beim Homeschooling würden sie noch deutlicher. Die Nachfrage sei groß, die Termine seien durchweg ausgebucht, sagte Kabisch-Böhme.

Ebenfalls im Bereich Bildung will das Team von "Studenten bilden Schüler" helfen. Der Magdeburger Standort habe sich erst im Oktober 2020 gegründet, erklärte Stine Düwel vom Leitungsteam. Das Team von momentan etwa 25 Studierenden biete ehrenamtlich kostenlose Nachhilfe für Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien an. In einzelnen Fällen sollen Betroffene auch durch die Bereitstellung von Laptops oder Tablets unterstützt werden. Zur Zeit bestehe die Hilfe vor allem darin, den Stoff aus der Schule gemeinsam durchzugehen. Wo es möglich sei, finde das digital statt. Dabei arbeiten für gewöhnlich die gleichen Betreuer und Kinder zusammen – es gehe dem Verein auch um ein freundschaftliches Vertrauensverhältnis untereinander, sagte Düwel.

Die Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) versuchen auch während des Lockdowns Kontakt zu Familien, Kindern und Jugendlichen zu halten. Dabei profitiere die Belegschaft von dem langjährig aufgebauten Vertrauensverhältnis, teilte eine Sprecherin des Landesverbandes in Magdeburg mit. "In den Jugendclubs wird jetzt auch verstärkt Hausaufgabenhilfe angeboten. Es wird in Kleingruppen gearbeitet." Die Nachfrage sei sehr groß.

Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien stehen den Angaben nach bei der AWO unter Pandemiebedingungen verstärkt im Fokus. "Wir wissen einfach, dass diese Pandemie Kinder und Jugendliche zusätzlich stark belastet und bieten aktiv Hilfe an", sagte eine Sprecherin. Unter anderem gebe es Unterstützung bei der Versorgung mit einem Mittagessen.

Dahingehend will auch das Magdeburger Sozial- und Wohnungsamt helfen. Es habe mehrere Cateringfirmen aufgerufen, Familien mit geringem Einkommen zu unterstützen, teilte die Stadt mit. Kinder, deren Eltern bestimmte Leistungen beziehen und nicht notbetreut werden, haben so vorerst bis Ende Februar Anspruch auf ein kostenloses Mittagessen.

Auch die Mitarbeiter der sozialpädagogischen Angebote von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland wollen weiter für die Kinder und Jugendlichen da sein – wenn auch meist virtuell. "Es wird sich bemüht, den Kontakt auf anderen Wegen zu halten", sagte Sprecher Friedemann Kahl in Magdeburg. Wie das umgesetzt wird, sei unterschiedlich und reiche von Telefon- oder Chatbetreuung bis hin zu gemeinsamen Online-Spielen.