Museumsleiter und Kunstwissenschaftler entscheiden über Qualität oder Kitsch

Sachsen-Anhalt kauft jährlich Kunst für eine viertel Million Euro

Von Elisa Sowieja und Alexander Walter

Magdeburg l Anfang des Jahres standen die vier Altarleuchter auf Schloss Wernigerode noch in New York. Dabei wurden sie einst im Harz entworfen. 2008 hatten die Besitzer sie nach Amerika verkauft. Jetzt hat das Schloss die Kleinode aus vergoldeter Bronze zurückersteigert. Möglich war das durch einen Zuschuss vom Land. Für solche Kunstkäufe hat das Kultusministerium pro Jahr einen Topf mit 250.000 Euro.

Damit ist Sachsen-Anhalt im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr großzügig. Niedersachsen etwa gab 2013 lediglich 140.000 Euro aus, Thüringen sogar nur 50.000 Euro. Bayern allerdings kaufte für 942.000 Euro ein.

2013 hat das Land Werke von drei längst verstorbenen und acht zeitgenössischen Künstlern mit- oder selbst gekauft. Vieles sind Bilder; aber auch Plastiken aus Keramik und Wachs wanderten in den Einkaufskorb. Ein recht außergewöhnliches Stück ist "Deutschland, 11. Längengrad" - ein 100 Meter langes, auf Rollen gebanntes Gemälde von Olaf Wegewitz. Für die Arbeit war der gebürtige Schönebecker quer durch Deutschland gereist. Erinnerungen an Wälder, Wiesen, Städte und Dörfer hat er verarbeitet. Eine gute Wahl, findet Annegret Laabs, Direktorin des Kunstmuseums Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg. Dorthin hat das Land seinen Kauf verliehen. Ihre Begründung: "Wegewitz ist einer der wichtigsten Künstler des Landes." Da Kommunen oft die Mittel fehlten, um für ihre Museen Sammlungen aufzubauen, sei sie froh über die Hilfe des Landes. So wie Wegewitz\' Werk hängt und steht auch ein Großteil der anderen Käufe als Leihgabe in Museen.

Doch wieso kauft das Land überhaupt Kunst? "Beim Erwerb von Nachlässen geht es darum, das künsterlische Erbe zu bewahren", sagt eine Sprecherin des Kultusministeriums. "Bei zeitgenössischen Werken wollen wir einzelne Künstler fördern." Was Kunst ist und was Kitsch, darüber entscheidet ein siebenköpfiger Expertenrat. In dem sitzen unter anderem ein Kunstwissenschaftler, ein Museumsleiter und ein Künstler. Der Rat gibt Empfehlungen ans Kultusministerium.

Nun lässt sich zwar über Geschmack nicht streiten. Doch zumindest gibt es zwei Kriterien, die jede Arbeit zu erfüllen hat: Die künstlerische Qualität muss einem überregionalen Vergleich standhalten. Und das Werk oder der Künstler muss eine wichtige Position im Kunstgeschehen des Landes einnehmen. Wie viel dem Land 2013 welche Arbeit wert war, bleibt geheim: Darüber haben alle Beteiligten Stillschweigen vereinbart.