Magdeburg l Das, was früher als Spaß der Reichen und Schönen und sogar ein bisschen als dekadent galt, ist inzwischen längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen: der eigene Pool vor der Haustür.

Laut Bundesverband Schwimmbad & Wellness gibt es aktuell in Deutschland 565 500 Außenpools, die in die Erde eingelassen sind, 132 500 private Hallenbäder sowie 91 000 Aufstellbecken mit einer Wassertiefe von mehr als einem Meter und einem Anschaffungspreis von über 1500 Euro.

Hinzu kommen dann noch rund 1,2 Millionen Aufstellbecken mit einer Wassertiefe von unter einem Meter, für die der Käufer unter 1500 Euro auf den Tisch legen musste, teilt der Verband mit.

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Fährt man in Sachsen-Anhalt durch die Eigenheimgebiete wird schnell klar, dass ein privates Schwimmbad – zwischen aufgestellten Rundbecken bis hin zu „festgemauert in der Erde“ heutzutage keine Ausnahme mehr ist. Und sowohl die wärmeren Sommermonate, als auch die Corona-Pandemie haben dazu beigetragen, dass die Nachfrage nach Pool regelrecht nach oben geschossen ist. Doch wer sich jetzt für ein eigenes Planschbecken entscheidet, guckt in die Röhre: die Poolfirmen sind ausgebucht, die Hersteller kommen nicht nach.

Heiko Eilitz von „Sauna und Pool“ in Möser (Jerichower Land) sagt: „Die Nachfrage ist in diesem Jahr etwa 50 Prozent höher. Besonders die preiswerteren Einsteigermodelle sind nicht zu haben.“ Wer jetzt bestelle könne frühesten im September damit rechnen, dass der Pool geliefert wird.

Schwimmbeckenbauer Maik Müller aus Stendal macht dieselben Erfahrungen. „Die Nachfrage ist riesig. Kaum noch etwas zu machen für diesen Sommer. Eventuell können wir in diesem Jahr noch anfangen. Aber komplett fertig wird der Pool dann erst im nächsten Jahr.“

Der Renner sei das 7x3,50-Meter-Becken. Der Fachmann warnt vor Billigprodukten: „Daran hat man nicht lange Freude.“ Die Preise für etwas Ordentliches lägen zwischen 15000 Euro und 45000 Euro. „Letzteres ist mit Überdachung.“

Bis zu 3500 Bestellungen im Jahr mehr

Manfred Wartenberg vom Schwimmbadfachhandel in Halberstadt sagt, dass er gerade grünes Licht für einige Bestellungen vom April bekommen hat. „Ende September sollen sie eintreffen.“

Die Herstellerfirmen hätten feste Verträge mit großen Händlern wie Obi, Amazon und Otto. „Da bleibt für uns Kleine nichts übrig.“ Dass es in normalen Jahren bis zu 1500 Bestellungen im Internet gegeben habe, die Zahl jetzt bei 5000 liege, kennzeichne die Situation. „Die meisten Zulieferer winken ab und sagen: Lieferungen zurzeit nicht möglich“, weiß Christian Franze von „Aqua & Wellness“ in Schönebeck. Auch der Juniorchef meint, dass mit den ersten Arbeiten zwar noch begonnen werden könnte, „aber gebadet werden kann in dieser Saison nicht mehr“.

Und die Baumarkt-Variante? „Auch dort sind die Lager fast leer. Und bei den preiswerten Produkten bewahrheitet sich oft das Sprichwort: Wer billig kauft, kauft zweimal. Manche Kunden kommen zu uns, nachdem sie bis zu viermal ein Aufstellbecken gekauft haben und sagen: Hätten wir nur gleich etwas Ordentliches gekauft.“

Der Renner in Schönebeck ist eine Styropor-Variante mit Folienauskleidung.