Innenminister stellt Untersuchung in Dessau vor / Zentraler Einkauf soll sparen helfen und "Stützpunktwehren" Versorgungslücken schließen

Sachsen-Anhalts Feuerwehren richten sich für die Zukunft neu aus

Von Matthias Fricke

Magdeburg/Dessau l Das Land Sachsen-Anhalt plant künftig eine zentrale Beschaffung von Feuerwehrfahrzeugen für alle Gemeinden des Landes. Mit den Sammelbestellungen erhofft sich das Innenministerium Rabatte und finanzielle Vorteile für die Wehren.

Dies ist unter anderem ein Ergebnis des Abschlussberichts der Projektgruppe "Feuerwehr 2020", der am Sonnabend in Dessau von Innenminister Holger Stahlknecht vorgestellt wurde. Mitglieder der Feuerwehren, Experten und Kommunen haben an der Untersuchung mitgewirkt.

Bisher hatte jede Gemeinde für sich nach eigenem Bedarf neue Löschfahrzeuge bestellt. Das soll jetzt anders werden. "Wir ermitteln zunächst den Bedarf und wenn sich mindestens sechs Kommunen für entsprechende Fahrzeugtypen als Interessenten gemeldet haben, schreiben wir die Technik aus", erklärte Stahlknecht.

In einem Fall sei dieser "zentrale Einkauf" schon vollzogen. So hat das Land für den Katastrophenschutz erst in der vergangenen Woche 16 Krankentransportwagen gekauft. Zwei gab es als Rabatt umsonst dazu, nun sind es also 18.

Als Nächstes steht Ende Dezember der Kauf von sechs Drehleitern an.

Der zentrale Einkauf ist aber unter den Feuerwehrleuten nicht ganz unumstritten. Stellvertretender Feuerwehrchef von Magdeburg Olaf Derlath: "Vor allem die Regionen müssen dabei berücksichtigt werden. Ein Löschfahrzeug im Harz hat andere Anforderungen als eines auf der platten Straße in Magdeburg oder im Wald in der Altmark." Außerdem sei mit langen Wartezeiten zu rechnen, wenn sich nicht genügend Gemeinden für den Kauf eines speziellen Fahrzeugtyps finden.

Und auch der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbandes Lothar Lindecke meint: "Der Kauf darf nicht an uns vorbeigehen. Es gibt zwischen den Regionen erhebliche Unterschiede."

Stahlknecht sagte den Wehrleitern aber zu, dass die Kommunen "selbstverständlich Optionen für eventuelle Sonderausstattungen" ihrer Fahrzeuge bekommen würden. Was die Probleme der teilweise noch vorhandenen alten DDR-Technik in den maroden Gerätehäusern betrifft, sagte der Innenminister: "Genau aus diesem Grund müssen wir ja alles straffen und Synergieeffekte besser ausnutzen, um dass zu verbessern."

Zur Kritik von Lothar Lindecke, dass bisher viel zu wenig in die Feuerwehrtechnik des Landes investiert wurde, sagte er: "Wir wollen jetzt den Bedarf ermitteln, und ich kann mir vorstellen, dass 2014, wenn nötig, auch mehr Geld für Technik ausgegeben wird." Dies könne aber nur geschehen, wenn sich zu kleine Ortsfeuerwehren zu größeren zusammenschließen.

Nach den Untersuchungen der Projektgruppe ist die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehren aber gar nicht so düster, wie man noch vor Jahren aufgrund der demografischen Entwicklung annehmen musste. Proportional sank die Zahl der Mitglieder in den Wehren schwächer als die der Einwohner.

Dennoch: Bis zum Jahr 2025 wird der Zahl der aktiven Feuerwehreinsatzkräfte von aktuell rund 35 000 auf 30 000 sinken. Schon aus diesem Grund müsse, so dass Untersuchungsergebnis der Projektgruppe, "mit Synergieeffekten der Personaleinsatz künftig wesentlich verbessert werden". In einigen Ortschaften sei sonst die "Grundsicherung des Brandschutzes" nicht mehr gewährleistet.

Deshalb ist in jeder der nach der Gebietsreform größer gewordenen Gemeinden eine sogenannte "Stützpunktfeuerwehr" geplant. Diese soll 24 Stunden am Tag einsetzbar sein und innerhalb von zwölf Minuten Hilfe leisten können.

Die Einsatzkräfte müssten dabei aber nicht auf ein Gerätehaus konzentriert sein. "Wir wollen, dass sich neben den Standardeinsätzen die Ortsfeuerwehren auch spezialisieren und dann die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden ausschöpfen." Geplant sei außerdem eine Verbesserung der Jugendarbeit, ein Vereinheitlichen der Ausbildungsmaterialien und eine deutliche Verbesserung der Fortbildung.