Löberitz l Hauptberuflich kümmert sie sich um Lettlands Finanzen. An Wochenenden jedoch zieht es Dana Reizniece-Ozola regelmäßig nach Sachsen-Anhalt – genauer gesagt nach Löberitz in die Nähe von Köthen. Denn hier im Landkreis Anhalt-Bitterfeld spielt die 36-Jährige in der Schachgemeinschaft 1871 Löberitz Schach – und das seit mittlerweile 15 Jahren.

Ihre erste Partie für den ältesten Schachverein Sachsen-Anhalts absolvierte die Schachgroßmeisterin und zweimalige Jugendeuropameisterin am 12. Januar 2003 in Aken an der Elbe. Damals kam Dana Reizniece-Ozola als Studentin aus Lettland, um Deutschland kennenzulernen. Dass sie ausgerechnet im 1000-Seelen-Örtchen Löberitz landete, verdankt sie Michael Klyszcz, dem damaligen Spitzenspieler des Vereins. „Bei einem Turnier in Passau wurde ich 2002 von Michael Klyszcz angesprochen, ob ich nicht Interesse habe, für ein Jahr in Löberitz mitzuspielen“, erinnert sie sich.

Doch bei dem einen Jahr blieb es nicht. Denn seit 2003 spielt sie in Löberitz und erreichte mit der 1. Männermannschaft die Oberliga. Ein Jahr lang mischte die Mannschaft sogar in der 2. Bundesliga mit. „Für eine Dorfmannschaft eine einzigartige Leistung“, findet Vereinspräsident Konrad Reiß.

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Schachleidenschaft in Löberitz

Verbunden durch die gemeinsame Schach-Leidenschaft entwickelte sich zwischen Dana Reizniece-Ozola, ihren Vereinskollegen und insbesondere Konrad Reiß und seiner Familie eine echte Freundschaft. Wenn, wie an vielen Wochenenden in der Saison, Spiele anstehen, fliegt Dana Reizniece-Ozola am Freitagabend von Riga nach Berlin und wird dort mit dem Auto abgeholt. „Bei den Heimspielen in Löberitz wohne ich dann bei Familie Reiß in Zörbig“, sagt die 36-jährige Mutter von vier Kindern. Dass sie es neben ihren Verpflichtungen als lettische Finanzchefin und Mutter schafft, ihrer Schachleidenschaft in Löberitz nachzugehen, verdankt sie auch ihrem Mann. „Das klappt nur, wenn ich mir ab und zu einige Zeitfenster an den Wochenenden offen halte. Dabei unterstützt mich mein Mann Andris Ozols immer“, sagt sie.

Dana Reizniece-Ozola ist zudem Teil der Löberitzer Damenmannschaft, mit der sie den Aufstieg in die 2. Bundesliga schaffte. Die 2. Frauenbundesliga endete für den Löberitzer Verein Mitte Februar nach einem Spiel in Berlin auf dem vierten Platz. Weil Dana Reizniece-Ozola aus beruflichen Gründen bereits vorzeitig abreisen musste, verpasste sie das letzte Saisonspiel gegen Dresden, konnte sich aber in ihrer Bundesligapartie gegen Karin Timme vom TuS Coswig durchsetzen und machte so den 4:2-Mannschaftserfolg der Löberitzer perfekt.

Obwohl sie für das Training keine Zeit mehr findet, ist ihr der Sport wichtig: „Schach ist Sport, Kunst und sogar etwas Wissenschaft. Es macht Spaß, sich mit anderen zu messen und auch andere Menschen kennen zu lernen.“

Ausflug nach Schierke

Zeit, Sachsen-Anhalt zu erkunden, bleibt ihr an den Wochenenden kaum: „Dennoch versuche ich mir das Land anzusehen und mit den Leuten in Kontakt zu kommen. Ich kann mich an einen schönen Ausflug nach Schierke und an eine Brockenbesteigung erinnern.“

Dana Reizniece-Ozola genießt die Zeit in Löberitz: „Ich fühle mich im Verein zu Hause. Hier habe ich meine zweite Heimat. Vor allem mit den Frauen, allen voran der Mannschaftskapitänin Rebekka Schuster, verstehe ich mich sehr gut.“

Zwei Schachmuseen in Deutschland

Insgesamt zählt die Schachgemeinschaft Löberitz – gegründet im Jahr 1871 – über 50 Mitglieder. Die Traditionspflege des Vereins hat einen hohen Stellenwert. So unterhält der Verein eines von nur zwei Schachmuseen in ganz Deutschland.

Bevor für Dana Reizniece-Ozola in Deutschland dann die nächste Schachsaison startet, stehen in Lettland allerdings erstmal Parlamentswahlen an.