Magdeburg l Luxuriöse Location, Gourmet-Buffet, Schampus, feinster Zwirn, extravagante Hochsteckfrisuren – die Hochschulreife ist ein lukratives Geschäft. Für Abi-Ball, Abi-Zeitung, Abi-T-Shirt und Abi-Gag werden in Deutschland pro Jahrgang einer Schule durchschnittlich 30 000 Euro ausgegeben, so schätzt die Agentur Abistars.net aus Bochum. Tendenz steigend. Deswegen haben sich Party- und Eventagenturen auf den Markt Abitur spezialisiert. Sie bieten vor allem in den Großstädten wie Hamburg, Berlin oder München die Organisation des Abi-Balls an und lassen sich ihr „Deluxe-Rundum-Sorglos-Paket“ teuer bezahlen.

Karten zwischen 20 und 60 Euro

Auch bei den Abiturienten in Sachsen-Anhalt, 6500 haben zu Schuljahresbeginn in den Gymnasien, Gesamtschulen oder den Beruflichen Gymnasien das Abitur in Angriff genommen, sind feierliche Zeugnisübergabe und danach Kartoffelsalat und Würstchen in der Schulaula längst nicht mehr genug. Ein Abiball ist Muss. Allerdings geht es hier vergleichsweise gediegen zu. Die Preise für die Abiball-Karten liegen, je nach Veranstaltungsort, zwischen 20 und 60 Euro (meistens Buffet inklusive). Und, die meisten Abiturienten nehmen die Organisation der Abschlussfeier selbst in die Hand.

Ob, wo und wie gefeiert wird, ist übrigens Sache der Schüler und Eltern, denn die jeweiligen Gymnasien sind pflichtgemäß nur für die Zeugnisausgabe zuständig. Deshalb konnten oder wollten die Schulleiter bei einer Umfrage oftmals keine Aussagen zu den Kosten für den Abiball machen. Das Wolmirstedter Gymnasium feierte seinen Abiball gestern mit 120 Schülern plus deren „Anhang“ in der Stadthalle in Magdeburg. Kostenpunkt pro Karte: 55 Euro. Letztes Jahr wurde für fünf Euro mehr in den Messehallen gefeiert. Im ländlichen Raum kommen die Abiturienten etwas günstiger davon. Das Jahn-Gymnasium in Salzwedel feiert traditionell im Kulturhaus. Mit 25 Euro ist man morgen dabei. Das Dr.-Carl-Hermann-Gymnasium in Schönebeck lässt am Sonntag im Maritim für 37 Euro pro Person die Puppen tanzen.

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Roter Teppich, Luxus-Hotel oder Stretchlimousinen müssen es nach Aussage von Anne Plock, Deutsch- und Englischlehrerin, auch beim Magdeburger Sportgymnasium nicht sein. Dennoch konstatiert die 64-Jährige, die in 40 Jahren Dienst an der Sportschule fast alle Abibälle mitgemacht hat: „Insgesamt wird das Ganze immer teurer. Noch vor sechs Jahren haben wir mit 250 Personen im Maritim-Hotel gefeiert, da kamen wir auf 9000 Euro – 38 Euro pro Nase.“

DJ und GEMA-Gebühren

Heute Abend steppt indes in der Magdeburger Stadthalle der Bär. Rund 550 Personen machen Party, darunter 66 frischgebackene Abitur-Besitzer. Der ganze Spaß kostet laut Plock fast 27.000 Euro. Die Lehrerin muss es wissen. Sie steht den Abiturienten des Sportgymnasiums seit Jahren bei der Organisation hilfreich zur Seite und richtet unter anderen auch jeweils ein Abiball-Konto auf ihren Namen ein. Damit haftet sie jedoch schlimmstenfalls auch, falls die Schuldenfalle zuschnappt. „Aber bisher waren immer alle vernünftig und haben gut kalkuliert. Es gab noch nie ein Minus“, wiegelt sie ab.

„Den größten Batzen mit 25.000 Euro bekommt die Stadthalle für ihr Gesamtpaket“, rechnet Plock vor. Dieses beinhaltet unter anderen Buffet, Deko, Technik, Bühne, Servicekräfte, Feuerwehr und Sicherheit. „Dazu kommen allerdings – und das wird bei den Planungen oft vergessen – 700 Euro für den DJ und rund 700 Euro GEMA-Gebühren“.

Die Kosten werden größtenteils über den Verkauf der Eintrittskarten gedeckt. 50 Euro pro Person werden für die heutige Party fällig. „Auch jeder Schüler zahlt seine Karte selbst“, betont Nele Weigelt, Chefin des diesjährigen Abi-Komitees. Um die zusätzlichen Kosten abzudecken, haben alle Schüler ab dem elften Schuljahr jeden Monat 5  Euro auf das Sammelkonto eingezahlt. Zudem, so die 18-Jährige, sei beim Kuchenbasar und beim Absolvententreffen Geld gesammelt worden. Und seit zwei Jahren wird in Kooperation mit dem DRK ein Blutspendetag, inklusive Zubereitung eines Frühstücks durch die Abiturienten, veranstaltet. Das füllte die Abiball-Kasse zusätzlich mit 800 Euro.

Die Handballerin feiert das Bestehen der Reifeprüfung mit zehn Personen. Klar, dass sie dabei glänzen will und sich in Schale schmeißt. 300 Euro habe ihr langes, blaues Ballkleid gekostet, erstanden in einem Magdeburger Hochzeitsstudio. Dazu kommen silberne Stilettos und Schmuck für 150 Euro. Auch die Haare wird sie für 70 Euro schön haben. Und wer darf‘s bezahlen? „Das Ganze ist sponsored by Mama – die Ärmste“, weiß Nele Weigelt, bei wem sie sich zuallererst zu bedanken hat.

Anzug, Krawatte und Schuhe

Auch Thomas Barthel singt ein Loblied auf die Frau Mama. Die habe nicht nur ihn anlässlich des Abi-Balls für rund 450 Euro mit einem neuen Anzug samt Hemd, Krawatte und passenden Lederschuhen ausstaffiert, sondern auch noch den mitfeiernden Bruder. „Ich hätte auch meinen Jugendweiheanzug nehmen können, da ich nicht mehr gewachsen bin. Aber so habe ich was top-modernes und schickes für zukünftige festliche Anlässe“, freut sich der 19-jährige Sprinter. Sparpotenzial sieht er heute Abend bei den Getränken: „Alkohol ist absolut tabu, weil ich am Sonnabend einen ganz wichtigen Wettkampf habe.“