Magdeburg (dpa) l Seit Donnerstag kehrt in Sachsen-Anhalts Schulen wieder Leben ein. Am Samstag geht es dann auch für die Erstklässler los. Ein Blick auf das neue Schuljahr:

Wie viele Schülerinnen und Schüler lernen im Land?

Nach Einschätzungen des Bildungsministeriums sind es auf jeden Fall wieder mehr als im vorigen Schuljahr. Das Haus von Marco Tullner (CDU) geht von einem Plus von etwas weniger als 2000 Mädchen und Jungen aus. Das entspräche in etwa dem Anstieg des Vorjahres. Genaue Zahlen gibt es laut Ministerium erst Mitte September.

Im vergangenen Schuljahr lernten den Daten des Statistischen Landesamts zufolge 194.400 Kinder und Jugendliche an mehr als 860 Schulen. Etwas mehr als 100 davon sind Privatschulen, die seit Jahren wachsenden Zulauf melden. Hier lernte zuletzt fast jeder zehnte Schüler. Die freien Träger bekommen nach langem Streit jetzt mehr Unterstützung vom Land; die Zuschüsse für Personal und Sachkosten werden angehoben.

Wird es weniger Unterrichtsausfall geben?

Das hängt von verschiedenen Faktoren ab und lässt sich laut Ministerium auch erst nach Schuljahresstart sagen. Neben der tatsächlichen Schülerzahl ist entscheidend, wie viel Personal im Einsatz ist. "Vonseiten des Schulamts wird mit Hochdruck daran gearbeitet, alle Möglichkeiten auszuschöpfen", sagte Sprecher Stefan Thurmann. Bis zuletzt wurden noch Verträge unterschrieben. In Einzelfällen seien bedauerlicherweise auch Absprünge von Kandidaten zu verzeichnen.

Sachsen-Anhalt will bis Anfang nächsten Jahres 1000 neue Lehrer einstellen; ein Großteil der Stellen wurde bereits ausgeschrieben. So soll der Mangel gemindert und die Unterrichtsversorgung verbessert werden. Ziel ist es, landesweit 103 Prozent zu erreichen. Dieser Wert soll sicherstellen, dass auch bei Krankheit und anderen Personalausfällen Unterricht erteilt werden kann. Vor einem Jahr lag der Durchschnitt laut Ministerium bei 101 Prozent. Allerdings konnte damals fast jede fünfte Schule den Unterricht nicht komplett abdecken, weil die Versorgung unter der 100-Prozent-Marke lag.

Wird es mehr Lehrer geben?

Auch diese Frage will das Ministerium zum Schuljahresstart beantworten. Opposition und Gewerkschaft sagen schon jetzt: nein – im Gegenteil. Linksfraktionschef Thomas Lippmann rechnet damit, dass bis zu 200 Lehrer weniger vor den Klassen stehen als vor den Sommerferien. Die Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eva Gerth, spricht von rund 100 Pädagogen weniger. Etwa ein Drittel der im Frühjahr ausgeschriebenen Stellen sei noch nicht besetzt.

Gerth und Lippmann rechnen mit rund 400 bis 450 Einstellungen – ausgeschrieben waren mehr als 600 Stellen. "Der Anfang des Schuljahres wird auf jeden Fall ziemlich chaotisch werden", prophezeite Gerth. Dem Bildungsminister warf die GEW-Chefin eine schlechte Vorbereitung vor. Es schieden mehr Lehrer aus Altersgründen und wegen Elternzeit oder Krankheit aus, als neue Pädagogen nachkämen.

Das Land hat sich vorgenommen, mit der laufenden Offensive die Kollegien deutlich aufzustocken. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir das Ziel von 14.500 Vollzeitstellen im neuen Haushalt verankern können", hieß es. Das ist Voraussetzung, um neue Kräfte einzustellen.

Was tut das Land, um neues Personal zu gewinnen?

Nicht nur in Sachsen-Anhalt sind Pädagogen knapp, auch andere Länder buhlen um sie. Bildungsminister Tullner lockerte daher zuletzt zahlreiche Einstellungskriterien; für Dutzende schwer zu besetzende Stellen gibt es obendrein eine Zulage. Derzeit arbeitet das Haus zudem an einer eigenen Imagekampagne, um Lehrer ins Land zu locken und junge Menschen für den Beruf zu begeistern. In Gardelegen soll ein Projekt starten, bei dem Studierende einen Zuschuss bekommen, wenn sie anschließend dort unterrichten.

Außerdem erhöht das Land die Zahl der Studienplätze an den Universitäten in Halle und Magdeburg. Doch die Ausbildung dauert etliche Jahre. Daher kündigte Tullner in der Vergangenheit bereits mehrfach an, dass die Zahl der Quereinsteiger zunehmen wird, die nicht klassisch als Lehrer ausgebildet wurden. Bisher machten sie nach Ministeriumsangaben jedoch nur einen verschwindend geringen Anteil am Kollegium aus. So waren im Mai 175 Seiteneinsteiger an allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen im Einsatz.

Können Seiteneinsteiger die Situation entspannen?

Für Linksfraktionschef Lippmann und die Gewerkschafterin Gerth steht fest: Ohne Seiteneinsteiger wäre die Situation an den Schulen noch schlimmer. Beide rechnen mit einem erheblichen Anteil solcher Kräfte unter den aktuellen Einstellungen. Allerdings: "Diese Seiteneinsteiger stehen nicht von Beginn an für den Unterricht zur Verfügung", sagte Gerth. Erstmals starten sie mit einem vierwöchigen Vorbereitungskurs. Das sei prinzipiell zu begrüßen, führe aber dazu, dass zunächst noch weniger Lehrer vor den Klassen stünden. Es wäre klug gewesen, diesen Kurs schon vor Schuljahresbeginn abzuhalten.

Weitere Informationen zu den steigenen Schülerzahlen in Sachsen-Anhalt gibt die Webseite des Statistischen Landesamt Sachsen-Anhalt.