Magdeburg l Bildungsminister Marco Tullner (CDU) hatte die Lehrer-Großausschreibung in diesem Jahr extra vorgezogen, um rechtzeitig zum Schuljahresbeginn möglichst viele Lehrer an Bord zu holen. Mit 895 Stellen schrieb das Schulamt im Februar über sein Online-Portal so viele Angebote auf einmal aus wie nie.

Die Ausbeute ist mager: Von 1060 Bewerbern waren bei Schulstart nur 317 neue Lehrer im Dienst – gut ein Drittel des Ziels. Das geht aus der Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage von Linke-Fraktionschef Thomas Lippmann hervor.

Bündnis plant Volksbegehren

157 voll ausgebildete Lehrer erhielten nach ihrer Bewerbung auf Wunschstellen kein Angebot, nur den Hinweis per Mail auf andere Stellen. „Offenbar dauert es Monate, bis Bewerber eingestellt werden“, sagte Lippmann. Gleichzeitig seien erneut zu viele voll ausgebildete Lehrer weggeschickt worden, weil sie nicht ins System gepasst hätten.

Sein Fazit: „Minister Tullner ist mit seinen Online-Ausschreibungen komplett gescheitert. Das System gehört abgeschafft.“

Unterstützung bekommt er vom Kenia-Koalitionspartner SPD: „Spätestens diese Zahlen zeigen, dass das Verfahren viel zu aufwändig und kompliziert ist“, sagte Bildungspolitikerin Angela Kolb-Janssen. Statt ausschließlich befristeter Einzelausschreibungen brauche es Portale mit ständig verfügbaren Stellen. Mecklenburg-Vorpommern etwa habe so etwas längst.

Kündigungen verzögern

Das Ministerium teilte mit: Auch bei hohem Bedarf dürfe das Land Auswahlkriterien des öffentlichen Dienstes nicht außer Kraft setzen. „Es muss rechtlich belastbar eine Bestenauswahl erfolgen“, sagte Sprecher Stefan Thurmann. Neueinstellungen würden zudem durch Kündigungsfristen in bisherigen Jobs der Bewerber und späte Rückmeldungen verzögert.

Darüber hinaus führe das Land Gespräche mit den Seiteineinsteigern unter den Bewerbern (zuletzt 512), um ein Scheitern in der Probezeit zu verhindern.

Wenn ausgebildete Lehrer keine Zusage erhalten, liege das daran, dass sie Angebote absagen, nicht reagieren oder andere besser sind.

Die Unterrichtsversorgung im Land ist nach Schätzungen der Bildungsgewerkschaft GEW im neuen Schuljahr auf einem neuen Tiefpunkt angekommen. Grund: Pro Jahr gehen rund 900 Lehrer in Rente, gleichzeitig rücken zu wenig Jüngere nach, die Schülerzahlen steigen. Betraf dies bisher vor allem Sekundar- und Förderschulen, trifft es inzwischen auch Gymnasien. Das Goethe-Gymnasium Weißenfels informierte Eltern vor drei Wochen über den Wegfall von Religion und Biologie in mehreren Klassen. Laut Ministerium hat sich die Situation dank Vertretungen und Abordnungen inzwischen in Teilen entspannt.

Das Bündnis „Den Mangel beenden“ aus Linke, GEW und Verbänden will die Lage nicht länger hinnehmen. Per Volksbegehren will es einen Personalschlüssel ins Gesetz schreiben lassen. Im Oktober wollen die Initiatoren die Aktion anmelden. Die dafür nötigen 6000 Unterschriften habe man zusammen, hieß es.