Magdeburg l Sachsen-Anhalts Finanzminister André Schröder (CDU) will, dass die Lehrer im Land künftig mehr unterrichten. Schröder bezieht sich auf Zahlen der Kultusministerkonferenz (KMK). Demnach gehört Sachsen-Anhalt zu den Schlusslichtern beim Erteilen von Unterricht.

21,5 Stunden pro Woche

Konkret standen Lehrer zwischen Arendsee und Zeitz zuletzt 21,5 Stunden wöchentlich vor der Klasse. Damit rangiert das Land an vorletzter Stelle im Bund. Nur in Thüringen waren es mit 21,1 noch weniger. Zum Vergleich: In Mecklenburg-Vorpommern gaben Lehrer 24 Stunden Unterricht. Um die Unterrichtszeit zu steigern, setzt der Minister auf mehr Effizienz. Maßnahmen hat das Bildungsministerium bereits angeschoben: So sollen Abminderungsstunden für die Betreuung von Arbeitsgemeinschaften künftig reduziert werden. Referendare sollen früher eigenständig unterrichten. An Grundschulen soll es größere Klassen geben.

„Die Maßnahmen unterstütze ich ausdrücklich“, sagte Schröder. Die Zuständigkeit dafür liege beim Bildungsminister. „Wenn dieser aber zusätzlich die Erhöhung der Stundenzahl für Lehrer als sinnvoll erachtet, hätte ich auch dagegen nichts einzuwenden“, betonte er.

Aufwuchs von 250 Lehrern

Der Finanzminister begründete seine Position mit den Anstrengungen des Landes bei der Einstellung von Lehrern. 2017 und 2018 würden in der Summe 1470 Lehrer neu eingestellt. Trotz Altersabgängen und Kündigungen wachse der Personalbestand damit effektiv um 250 Stellen. Ausfälle würden weniger wahrscheinlich, die Unterrichtsversorgung steige von 99 auf 102 Prozent. Damit verlagere sich die Diskussion zwangsläufig hin zur Frage des Einsatzes der Lehrer.

Bildungsminister Marco Tullner (ebenfalls CDU) sagte dazu: „Die pauschale Anhebung der Wochenarbeitszeit der Lehrkräfte löst das Problem nicht.“ Beim Altersschnitt der Lehrerschaft wäre eine Mehrbelastung kontraproduktiv. Die Mehrheit der Lehrer im Land ist über 50. Bei mehr Stunden Unterrichtszeit pro Woche könnte der Krankenstand massiv ansteigen. Tullner setzt vielmehr auf Extra-Vergütung: „Ich will mit bezahlter Mehrarbeit Anreize setzen, freiwillig mehr Stunden zu leisten.“ Erstmals sollen Überstunden ab dem neuen Schuljahr bezahlt werden. Bislang mussten Lehrer diese abbummeln.

Unmut bei der SPD

Allerdings sieht auch Tullner Effizienzmaßnahmen nicht ausgeschöpft. Bei der Senkung von Anrechnungsstunden für Aufgaben außerhalb des Unterrichts etwa stehe man erst am Anfang, betonte er.

Der Koalitionspartner SPD geht den Bildungsminister unterdessen überraschend scharf an: Fraktionschefin Katja Pähle verlangt von Tullner klare Aussagen, wie er die Situation an den Schulen verbessern will. Der Minister habe die Schulen massiv verunsichert. Auf Drängen der SPD beschäftigt sich der Koalitionsausschuss nun am 13. Juni mit dem Thema. Tullner reagierte gestern verwundert: „Ich hätte mir in den letzten fünf Jahren genauso viel Aufmerksamkeit für Bildungsfragen bei der SPD gewünscht, dann wären die aktuellen Probleme nicht so groß.“