Magdeburg l Kommunen in Sachsen-Anhalt sollen künftig die Belange von Senioren stärker beachten. Einen Leitfaden dafür bietet der Siebte Altenbericht der Bundesregierung, der Anfang April mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie mit den Seniorenvertretern der Länder diskutiert wurde. Daraus folgen auch für die Kommunen verschiedene Empfehlungen, um älteren Menschen mehr gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. 

„Der Altenbericht hat die Probleme der älteren Menschen kritisch aufgedeckt,“ sagt Angelika Zander, Vorsitzende der Landesseniorenvertretung. Insgesamt wurden 45 Empfehlungen an die Kommunen weitergegeben. Der Fokus des Altenberichts liegt dabei vor allem auf altersgerechtem Wohnen, Pflege, Mobilität und Lebensunterhalt. Kommunen sollen zum Beispiel prüfen, ob sie Medizinstudenten zusätzliche Anreize bieten können, nach dem Studium im ländlichen Raum zu bleiben.

Gelder zum Lebensunterhalt anpassen

Zander begrüßte den Vorschlag des Berichts, mehr medizinische Versorgungszentren durch die Kommunen zu betreiben – ebenso wie den Vorschlag, die Gelder zum Lebensunterhalt nicht pauschal festzulegen, sondern vor Ort unter Einbeziehen der Lebensumstände der Senioren neu zu verhandeln. Vor allem zwischen Städten und dem ländlichen Raum gebe es gravierende Unterschiede in den Lebenshaltungskosten.

„Für uns ist auch stärkere Teilhabe an politischen Prozessen wichtig“, sagt Zander mit Bezug auf die Empfehlungen. In den Ausschüssen der Kommunen müsse es auch für Seniorenvertreter Rederecht geben, damit die Interessen vernünftig vertreten werden könnten. „Ebenso würde ich mir wünschen, dass die Arbeit der Kreisseniorenvertreter vor Ort mehr gewürdigt wird“, sagt Zander. Um die Kooperation auch landesweit zu verbessern, soll ein Netzwerk von Vertretern, Wohlfahrten und Verbänden, die mit Seniorenthemen zu tun haben, geschaffen werden. 

Bürgerbusse für mehr Mobilität

Wie in vielen Bundesländern ist auch in Sachsen-Anhalt die Mobilität im ländlichen Raum ein Problem. Dabei könnten, laut Angelika Zander, sogenannte Bürgerbusse helfen. Diese würden zunächst durch die EU gefördert und später durchs Land finanziert. „Dabei braucht es allerdings Ehrenamtliche, die diese Busse fahren“, so Zander. Im Bereich Pflege und Wohnungssituation sieht Zander Sachsen-Anhalt bereits gut aufgestellt. „Vor allem Wohnungsbaugesellschaften unternehmen viel, um altersgerechtes Wohnen zu ermöglichen“, sagt sie.

Über die zu treffenden Maßnahmen habe die Seniorenvertretung im Januar bereits die Oberbürgermeister und die Landräte in Sachsen-Anhalt informiert. „Natürlich kann nicht jede Kommune alles umsetzen, es muss im finanziell machbaren Rahmen sein“, sagt die Vorsitzende der Landesseniorenvertretung. Gerade bei verschuldeten Kommunen sei auch das Land gefragt. 
Am 14. August wird im Rahmen der Demografiewoche in Burg eine Regionalkonferenz zum Thema „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune“ auf Grundlage des Altenberichts stattfinden. Dort wird die Landesseniorenvertretung auch Tipps zur Umsetzung der Empfehlungen an Kommunen weitergeben, wie Angelika Zander ankündigt. 

Neues Zertifikat ab August

Die Landesseniorenvertretung will in diesem Jahr zudem ein Zertifikat entwickeln, das seniorenfreundliche Einrichtungen und Dienstleistungen auszeichnet. Dadurch sollen beispielsweise Supermärkte oder Wohnungsbaugenossenschaften gekennzeichnet werden, die besonders auf die Bedürfnisse älterer Menschen achten. "Es gibt zwar verschiedene Zertifikate, aber wir wollen nach einheitlichen Kriterien landesweit ein Siegel entwickeln“, sagt Zander. Damit wäre Sachsen-Anhalt das erste Bundesland, das ein einheitliches Zertifikat dieser Art einführt. Der dazugehörige Leitfaden wird derzeit entwickelt, erste Zertifikate sollen im August verliehen werden.